Altenburger Land. In der Altenburger Brauerei trafen sich in der letzten Woche wieder Landwirte, Vertreter des Bauernverbands und lokale Entscheidungsträger zum traditionellen Nacherntegespräch. Eingeladen hatte der Kreisbauernverband Altenburg, Gastgeber war Brauereichef Bastian Leikeim. Auch Landrat Uwe Melzer nahm sich Zeit für den Austausch, ein Termin, der ihm nach eigener Aussage jedes Jahr wichtig ist, weil die Landwirtschaft im Kreis eine große Rolle spielt.
Viel zu feiern gab es in diesem Jahr allerdings nicht. Drei Tage mit Temperaturen um die 40 Grad haben Weizen und Raps in ganz Thüringen zugesetzt. André Rathgeber vom Thüringer Bauernverband brachte es auf den Punkt. „Wer am Ende bei der Ernte eine schwarze Null schreibt, kann sich schon glücklich schätzen.“
Besonders beim Weizen zeigt sich das Problem. Die Proteinwerte stimmen zwar, doch das Hektolitergewicht bleibt vielerorts unter dem, was Mühlen für ihre Backwaren benötigen. Den Raps traf es ähnlich hart, aber die Wintergerste kam dagegen glimpflich davon, weil sie zum Zeitpunkt der Hitzewellen bereits weit genug entwickelt war. Hinzu kommen steigende Kosten, etwa bei Dünger, die auch mit der angespannten Lage im Nahen Osten zusammenhängen. Da die niedrigen Wasserstände auf den Flüssen den Transport erschweren, kommt es zu weiteren Kostensteigerungen. Rathgeber machte deutlich, dass deutsche Betriebe international kaum noch mithalten können und sich stattdessen stärker auf den heimischen Markt konzentrieren müssen.
Im Altenburger Land selbst berichteten die anwesenden Landhändler von einer durchwachsenen, aber keineswegs katastrophalen Saison. Falk Heimer vom Agroservice Altenburg-Waldenburg, nach eigenen Worten der kleinste Landhandel der Region, nahm in diesem Jahr rund 20.000 Tonnen Getreide an, etwa 10.000 Tonnen weniger als im Vorjahr. Von Ende Juni bis in den August zog sich die Ernte, ein normaler Zeitrahmen, wie er selbst einräumte. Die Qualität lag überwiegend im guten Mittelfeld, auch wenn das Hektolitergewicht hier zu wünschen übrig ließ. Ein Getreideexperte einer Erzeugergemeinschaft aus der Region sprach von einer außergewöhnlich guten Gerstenernte, deren Erwartungen sogar übertroffen wurden. Beim Raps dagegen reichten die Erträge oft nicht, um die Kosten zu decken. Auch beim Weizen zeigte sich: Wer früh gesät hatte, kam deutlich besser durch das entscheidende Hitzewochenende Ende Juni als spät gesäte Bestände, teils machten nur zwei Tage den Unterschied.
Roberto Geier vom Obstgut Geier lenkte den Blick auf ein Problem, das über die Getreideernte hinausreicht, den Wassermangel. Sein Betrieb hat in den vergangenen Jahren in Hagel- und Hitzenetze sowie Tröpfchenbewässerung investiert, um überhaupt noch verlässlich ernten zu können. Aktuelle behördliche Einschränkungen bei der Wasserentnahme machen ihm dabei zunehmend zu schaffen, obwohl die eigenen Speicherkapazitäten mühsam aufgebaut wurden.
Ein weiteres Thema war das Verhältnis zwischen Erzeugern und Verbrauchern. Immer wieder kam die Runde auf die Frage zurück, wie wenig beim Einkauf tatsächlich auf die Herkunft geachtet wird. Die meisten Kunden, so die einhellige Beobachtung am Tisch, schauen eher auf das Mindesthaltbarkeitsdatum oder auf Sonderangebote als auf das Etikett mit dem Erzeugerland. Tom Bauch appellierte an die Runde, genau hier anzusetzen. Wer als Verbraucher bewusst regional einkaufe, auch wenn es etwas mehr koste, trage direkt dazu bei, dass die Landwirtschaft vor Ort überhaupt eine Zukunft habe. Nur eine Region, die wirtschaftlich lebensfähig bleibe, komme am Ende allen zugute. Roberto Geier ergänzte, dass er inzwischen selbst bei eigenen Investitionen darauf achte, wer im Gegenzug bei ihm im Hofladen einkauft. Gewachsene, regionale Beziehungen zählten für ihn mittlerweile mehr als der günstigste Preis.
Am Ende stand kein Patentrezept, aber ein gemeinsames Verständnis, dass die Herausforderungen aus Wetter, Weltmarkt und Handelsdruck nur gemeinsam anzugehen sind, und dass es dabei auch auf jeden einzelnen Einkaufszettel ankommt.
Peter A. Schubert
