Für den Johann-Georg-Hellbrunn-Preis 2026 wurden drei Projekte vorgeschlagen. Die Jury nahm die Objekte Anfang August in Augenschein. Der KURIER besuchte die Kandidaten zu einem späteren Zeitpunkt selbst.

Altenburg. Ein kleines ehemaliges Trafohaus, eine große denkmalgeschützte Wohnanlage und eine klassizistische Villa: Drei ganz unterschiedliche Projekte standen in diesem Jahr im Mittelpunkt, als die Jury für den Altenburger Denkmalschutzpreis „Johann-Georg-Hellbrunn“ durch die Stadt zog.

Die Besichtigung der drei vorgeschlagenen Objekte fand am Donnerstag, 6. August, statt. Ausgangspunkt des Rundgangs war die Schillerstraße 26. Von dort führte der Weg weiter zur Wohnanlage Südstraße 1–39 mit Käthe-Kollwitz-Straße 55 und schließlich zur Langengasse 13. Insgesamt waren drei Vorschläge fristgerecht für den Denkmalschutzpreis eingereicht worden.

Der KURIER war bei diesem Jurytermin nicht dabei, nahm die drei Projekte jedoch zu einem späteren Zeitpunkt selbst unter die Lupe. Dabei zeigte sich, wie unterschiedlich Denkmalschutz aussehen kann – und wie viel Engagement, Zeit und Fachkenntnis hinter dem Erhalt historischer Bausubstanz stecken können.

Kleines Trafohaus mit großer Geschichte

Die erste Station der Jury war das Grundstück Schillerstraße 26. Dort steht neben einem Eigenheim ein denkmalgeschütztes ehemaliges Trafohaus. Die Eheleute Vollrath waren mit dem Kauf ihres Grundstücks zugleich Eigentümer des kleinen Kulturdenkmals geworden. Nachdem das neue Eigenheim fertiggestellt war, widmeten sie sich über mehrere Jahre hinweg dem Trafohaus. Stück für Stück und in einzelnen Bauabschnitten wurde es denkmalgerecht instandgesetzt. Vorgeschlagen wurden die Eigentümer deshalb sowohl für ihre Aktivitäten zur Rettung, Sicherung und Bewahrung eines Kulturdenkmals als auch für ihre Leistungen zu dessen Erhaltung und Pflege. Gerade an diesem Beispiel wird deutlich, dass Denkmalschutz nicht immer mit großen repräsentativen Gebäuden verbunden sein muss. Auch kleinere Zeugnisse der Stadt- und Technikgeschichte prägen das historische Bild Altenburgs und erzählen von früheren Nutzungen.

Ein großes Ensemble als planerische Herausforderung

Deutlich größer waren die Dimensionen bei der zweiten Station: der Wohnanlage Südstraße 1–39 und Käthe-Kollwitz-Straße 55. Hier wurde das Ingenieur- beziehungsweise Planungsbüro Holger Döbelt GmbH & Co. KG für den Preis vorgeschlagen. Das Büro war vom Bauherrn ASE REAL ESTATE Leipzig mit dem Vorhaben betraut worden. Nach Einschätzung der Unteren Denkmalschutzbehörde leistete es mit hoher Fachkompetenz und einem sensiblen planerischen Umgang mit der historischen Substanz einen entscheidenden Beitrag zur komplexen denkmalgerechten Instandsetzung des Ensembles. Bei einer solchen Wohnanlage bestand die Aufgabe nicht nur darin, einzelne historische Bauteile zu erhalten. Vielmehr musste ein umfangreiches Ensemble denkmalgerecht weiterentwickelt und zugleich den Anforderungen einer heutigen Nutzung angepasst werden. Gerade dieses Zusammenspiel machte das Projekt zu einer anspruchsvollen Aufgabe.

16 Jahre Arbeit an einer klassizistischen Villa

Die dritte Bewerbung führte in die Langengasse 13. Eigentümer Reiner Selent hatte das Kulturdenkmal im Jahr 2010 erworben und anschließend über einen Zeitraum von 16 Jahren behutsam nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten instandgesetzt. Besonderes Augenmerk galt dabei der wertvollen klassizistischen Innengestaltung des Hauses. Historische Details wurden erhalten, einzelne Elemente nach historischem Vorbild rekonstruiert. Entsprechend erfolgte der Vorschlag nicht nur für die Erhaltung und Pflege des Kulturdenkmals, sondern ausdrücklich auch für den Umgang mit denkmalpflegerisch wertvollen Details und Bauteilen. Gerade im Inneren wird sichtbar, welchen Aufwand der Erhalt historischer Gestaltung mit sich bringen kann. Statt einer schnellen Modernisierung stand hier über viele Jahre der behutsame Umgang mit der vorhandenen Substanz im Vordergrund.

Jury entscheidet über die Preisvergabe

Nach der Besichtigung der drei Objekte sollte die fachkundige und unabhängige Jury über die Vergabe des Johann-Georg-Hellbrunn-Preises beraten. Die Stadt Altenburg nutzt die Auszeichnung seit Jahren, um besondere Leistungen für Denkmalschutz und Denkmalpflege sichtbar zu machen. Die feierliche Preisverleihung ist für Freitag, 11. September, im Rahmen des traditionellen Eröffnungskonzertes vor dem Denkmaltag vorgesehen. Veranstaltungsort ist erneut die Brüder-kirche, Beginn soll um 19.30 Uhr sein. Das Preisgeld wird von der Energie- und Wasserversorgung Altenburg (Ewa) zur Verfügung gestellt. Seine Höhe wird jährlich neu festgelegt und kann auch auf mehrere Leistungen verteilt werden. Im vergangenen Jahr waren insgesamt 3.000 Euro vergeben worden.

Wer den Johann-Georg-Hellbrunn-Preis 2026 letztlich erhält, war nach der Besichtigung der drei Kandidaten noch offen. Eines machten die Vorschläge jedoch bereits deutlich: Denkmalschutz kann viele Formen annehmen – vom Erhalt eines kleinen technischen Denkmals über die Sanierung eines großen Wohnensembles bis hin zur jahrzehntelangen, detailreichen Arbeit an einer historischen Villa.

Der KURIER sprach mit Jurymitglied Peter Müller.

 

Foto (rechts): Das 1836 von Leipzigs Stadtbaudirektor Albert Geutebrück für seinen Bruder Karl errichtete spätklassizistische Wohnhaus in der Langengasse gilt als Vorläufer des ersten Lindenau-Museums auf dem Pohlhof. Seit dem Erwerb 2010 durch Familie Selent wurde das Gebäude über 16 Jahre umfassend im Inneren restauriert. / © privat

Foto (links): Mit viel persönlichem Einsatz bewahrten die Eheleute Vollrath das ehemalige Trafohaus in der Schillerstraße 26 als kleines, aber bedeutendes Zeugnis Altenburger Technikgeschichte. Die 1912 nach Plänen von Hermann Kraft für die Altenburger Landkraftwerke errichtete und heute denkmalgeschützte Umspannstation wurde in zwei Bauabschnitten hergerichtet. / © privat