Herr Baldauf, zwei Tage nach der Demo in Berlin: Haben Sie die Eindrücke inzwischen verarbeitet? Welche Bilder und Emotionen sind Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben? Hat die Veranstaltung Ihren Erwartungen entsprochen?

Für mich war der Tag bzw. die Nacht davor natürlich aufgrund der hohen Anspannung eine Katastrophe.

… und während der Einfahrt in Berlin?

Teilnehmer, die mit ihren Fahrzeugen bereits Sonntagabend anreisten, wurden massiv aufgehalten und konnten nicht ins Demogelände einfahren. Mitten in der Nacht standen etwa 70 Fahrzeuge am Kreisel vor der Siegessäule fest. Auch unsere Mahnwache wurde komplett über den Haufen geworfen. Obwohl uns alle Bestätigungen vorlagen, wurden die Plätze kurzerhand getauscht und verlegt (weit weg vom Kanzleramt). Unsere aufgestellten Toiletten standen plötzlich im Nirgendwo.

Wir haben bis fünf Uhr morgens versucht, noch etwas zu steuern. Von der Polizei war praktisch niemand erreichbar, außer den Beamten vor Ort. Ich bin dann gegen 5.45 Uhr ins Bett und um 6.00 Uhr wieder aufgestanden.

Um 6.10 Uhr kam dann plötzlich die Freigabe, dass die Fahrzeuge einfahren dürfen. Für mich war das reine Willkür. Die Straße des 17. Juni war komplett gesperrt, die Parkflächen waren reserviert, trotzdem wurden die Leute nicht hineingelassen. Bis heute wurde uns kein Grund für diese Verzögerungen genannt.

… und die Veranstaltung selbst?

Die Veranstaltung selbst war natürlich beeindruckend. Es war ein grandioser Tag und die realistischen Bilder gingen um die ganze Welt. Bilder lügen nicht! Dafür möchte ich euch allen von Herzen danken – jedem Einzelnen von Euch, der an diesem Tag persönlich oder im Internet dabei war. Es sind Eindrücke, die ich/wir niemals vergessen werde/werden. Leider wurden uns auch unfassbar viele Steine in den Weg gelegt.

Besonders unsere Trommler haben für Aufmerksamkeit gesorgt. Unser Aufzug wurde zu Beginn als „militärisch wirkend“ eingestuft. Die Trommler sollten aufhören, gleichmäßig zu trommeln bzw. sich im Aufzug verteilen.

Daraufhin bin ich gemeinsam mit Jürgen Todenhöfer (Die Gerechtigkeitspartei – Team Todenhöfer) zur Einsatzleitung gegangen, um diese polizeiliche Anweisung zu stoppen und die Absurdität deutlich zu machen. Nach Telefonaten mit Vorgesetzten durch die Beamten vor Ort entschlossen wir uns, auch ohne offizielles Okay loszugehen, und man ließ uns gewähren, denn der mediale Druck durch die 14 Livestreamer, die von der Veranstaltung berichteten, war unendlich hoch.

Auf halber Strecke wurden wir nochmals angehalten, denn wir sollten die Trommler auseinanderziehen, teilweise im Abstand von 50 Metern. Das haben wir abgelehnt und sind weitergelaufen. Die Beamten sprachen uns eine Verwarnung aus.

Bei den Teilnehmerzahlen kursieren Angaben zwischen 2.000 und 8.000 Personen. Welche Zahlen liegen Ihnen vor?

Wir haben ein unabhängiges Team beauftragt, eine Zählung durchzuführen, diese Zahlen werden wir voraussichtlich erst am Mittwochabend erhalten.

Zudem gab es zwei Zählungen, die angeblich mithilfe von KI durchgeführt wurden. Wir selbst schätzen die Teilnehmerzahl auf etwa 8.000 Personen. Die Polizei hat den Aufzug ebenfalls auf etwa 8.000 Teilnehmer geschätzt.

Es gab auch einen Autokorso aus verschiedenen Richtungen. Wie viele Fahrzeuge waren beteiligt und woher kamen die Teilnehmer?

Am Vorabend waren ungefähr 300 bis 400 Fahrzeuge vor Ort. Die Teilnehmer kamen aus ganz Deutschland.

Wegen einer Fahrraddemonstration in Berlin wurden wir zunächst zum Olympiastadion umgeleitet. Dort sollten sich die Fahrzeuge sammeln. Viele wollten anschließend in die Stadt weiterfahren, wurden aber daran gehindert. Rund 100 Fahrzeuge wollten am Abend nach Berlin hinein.

Ein Teil der Fahrzeuge wurde an der Siegessäule beziehungsweise am dortigen Kreisverkehr festgesetzt. Daraufhin meldeten einige erfahrene Demonstrationsteilnehmer spontan eine Versammlung an. Die Fahrzeuge wurden abgestellt, die Motoren ausgeschaltet und rund um die Siegessäule positioniert.

Wie realistisch sehen Sie die Umsetzung Ihres 11-Punkte-Plans? Eine Ihrer Forderungen war die Abwahl von Friedrich Merz – wie realistisch ist die Forderung?

Zunächst war es bereits ein Erfolg, dass überhaupt Politiker bereit waren, sich den Plan anzuhören. Von der CDU war leider niemand vor Ort.

Im Nachgang haben wir aber Gespräche mit mehreren Politikern geführt. Dr. Malte Kaufmann, Bundestagsabgeordneter und Obmann der AfD-Fraktion im Wirtschaftsausschuss, hat sich bereit erklärt, den Plan mitzunehmen und im Bundestag beziehungsweise im Plenum zur Sprache zu bringen.

Wie realistisch die Umsetzung ist, hängt davon ab, wie groß der öffentliche Druck wird. Wenn mehr Menschen auf die Straße gehen, steigt auch der mediale Druck und damit die Wahrscheinlichkeit politischer Veränderungen.

Alternative Medien wie AUF1, Epoch Times, DeutschlandKurier oder Hallo Meinung haben ausführlich von der Veranstaltung berichtet, die etablierten Leitmedien dagegen eher zurückhaltend. Was sagt das Ihrer Meinung nach über die heutige Meinungsfreiheit in Deutschland aus?

Die etablierten Medien haben nach meiner Wahrnehmung kaum über die Demonstration berichtet. Das Faszinierende daran war für mich, dass die Veranstaltung aus meiner Sicht groß genug war, um Aufmerksamkeit zu bekommen, trotzdem wurde sie weitgehend ignoriert. Erste Berichte von dieser Veranstaltung wurden in den Abendnachrichten um 22.00 Uhr veröffentlicht. Ich habe den Eindruck, dass versucht wurde, die Demonstration „totzuschweigen“, damit sich nicht noch mehr Menschen unserer Demonstration anschließen. Ich sehe die geringe Berichterstattung sehr kritisch.

Um künftig mehr Menschen zu erreichen, müssen wir den öffentlichen Druck erhöhen und noch sichtbarer werden. Wir werden die Ereignisse dokumentieren, weiter veröffentlichen und die nächsten Schritte organisieren. Die Menschen sollen erfahren, was aus unserer Sicht in Berlin passiert ist.

Sie hatten angedeutet, dass es nach der Demonstration weitere Probleme gab.

Wir wollten den 11-Punkte-Plan an Dr. Malte Kaufmann (MdB, AfD-Fraktion) übergeben. Dabei kam es zu erheblichen Behinderungen.

Wir wollten nach der Demonstration unseren Termin im Bundestag wahrnehmen und den Plan übergeben. Auf dem Weg dorthin wurden wir jedoch von der Polizei aufgehalten. Betroffen waren nicht nur ich, sondern auch meine Frau und meine 17-jährige Tochter. Man schubste meine Frau beiseite, uns umringten jeweils neun Polizeibeamte.

Mir wurde auch mein Mobiltelefon durch die Polizei abgenommen und es folgten Diskussionen. Dadurch war es zunächst nicht möglich, Dr. Malte Kaufmann zu erreichen und ihm mitzuteilen, dass ich den vereinbarten Termin möglicherweise nicht rechtzeitig wahrnehmen kann. Daraufhin bekam ich das Telefon zurück und Dr. Malte Kaufmann sprach zudem mit den Polizeibeamten. Schließlich wurde mir gestattet, weiterzugehen – allerdings nur gemeinsam mit meiner Frau. Meine Tochter sollten wir zurücklassen.

Diese Willkür akzeptierten wir nicht. Danach durften wir uns in Berlin praktisch nur noch mit einer unfreiwilligen Polizeieskorte bewegen.

Der ursprünglich geplante Termin konnte dadurch zunächst nicht wie vorgesehen stattfinden. Später gelang es mir dennoch, zum Bundestag zu kommen und den Plan an Dr. Malte Kaufmann zu übergeben.

Anschließend wollten wir zur Mahnwache, an der auch ältere Menschen beteiligt waren, zurückkehren, wurden dort jedoch erneut in unseren Bewegungen eingeschränkt und durften nur einzeln bzw. zu zweit die Mahnwache verlassen, weil es sonst als Versammlung gewertet worden wäre.

Aufgrund dieser Auseinandersetzung mit den Polizeibeamten entschieden wir uns schweren Herzens, die Mahnwache am Dienstag, den 9. Juni, gegen 14.00 Uhr aufzulösen und die Heimreise anzutreten. Wir wollten keine weitere Eskalation riskieren.

Auch andere Beteiligte wurden aufgehalten. Beispielsweise wurde ein weiterer Aktivist, der eine Online-Petition mit über 350.000 Unterstützern übergeben wollte, ebenfalls festgesetzt.

Haben außer Jürgen Todenhöfer noch weitere bekannte Persönlichkeiten auf der Bühne gesprochen?

Ja. Unter anderem waren Dr. Malte Kaufmann und Stephan Protschka, beides Bundestagsabgeordnete der AfD-Fraktion, vor Ort.

Sie betonten immer wieder, dass die Initiative überparteilich sein soll. Wie wollen Sie verhindern, dass der Eindruck entsteht, sie sei AfD-nah?

Wir haben im Vorfeld alle Parteien eingeladen. Insgesamt wurden mehr als 80 Briefe verschickt. Sämtliche Bundestagsfraktionen und Vertreter aller Bundesländer waren eingeladen, mit uns ins Gespräch zu kommen.

Die einzige Partei, die sich an diesem Tag unsere Forderungen angehört hat, war die AfD. Dr. Malte Kaufmann erklärte sich bereit, unsere Forderungen in den Bundestag einzubringen. Der Termin für die Übergabe wurde direkt auf den nächsten Tag um 10 Uhr gelegt.

Am Veranstaltungstag hat dieses Angebot letztlich nur die AfD wahrgenommen. Im Nachgang haben sich aber auch Vertreter des Bündnisses Sahra Wagenknecht (BSW) und der CDU bei mir gemeldet und Gesprächsbereitschaft signalisiert.

In Videos war außerdem zu sehen, dass Beatrix von Storch (MdB, AfD-Fraktion) mit einer Deutschlandfahne vom Bundestag der Demonstration zugewunken hatte. Kennen Sie diese Videos?

Ja, diese Videos wurden uns auch zugespielt. Die Bundestagspolizei griff auch hier ein und verbot das Schwenken der Deutschlandfahne. Über die genauen Regeln im Bundestag kann ich nichts sagen. Persönlich sehe ich manches kritisch. Es gibt bei jeder Partei gute und schlechte Politiker. Ich kenne die genauen Regeln im Deutschen Bundestag nicht. Aber dass man dort offenbar nicht mit einer Deutschlandfahne winken darf, fand ich schon unerklärlich. Das kann man sicher unterschiedlich bewerten, aber für mich war das ein weiteres Beispiel dafür, wie angespannt die Situation an diesem Tag war.

Wie geht es weiter mit dem „Projekt M1llion“ – gemeinsam für Deutschland?

Das war erst der Anfang, wir machen weiter. Auf unserer Internetseite und in uns zugewandten Medien werden wir weitere Schritte kommunizieren. Wir bleiben weiter gesprächsbereit.

Das Gespräch führte Silke Konzag.