- Kurier fragt nach -

Ist die Asiatische Hornissen im Altenburger Land 

auf dem Vormarsch?

 

Altenburger Land. Leser übersandten dem KURIER mehrere Veröffentlichungen zur Asiatischen Hornisse und deren Gefährlichkeit für heimische Honigbienenvölker. Wir recherchierten zu den „Räubern“ und stießen dabei auch auf eine Pressemitteilung des Landratsamtes Altenburger Land, wonach sich Populationen inzwischen in Deutschland angesiedelt haben.

Um der Problematik auf den Grund zu gehen, wandten wir uns an Diplom (FH) Mike Jessat, Direktor des Naturkundlichen Museums Mauritianum und Vereinsvorsitzender des NABU Altenburger Land e. V., der uns seine Beobachtungen und sein Fachwissen zur Verfügung stellte.

Herr Jessat, 2024 warnte das Landratsamt unter dem Titel „Insektenjäger aus Fernost erobern langsam Deutschland“ vor Asiatischen Hornissen, die inzwischen auch in Deutschland vorkommen. Können Sie uns sagen, ob diese Art im Altenburger Land bereits nachgewiesen wurde und ob Bienenvölker gefährdet sind? 

Bisher sind uns im Mauritianum noch keine Funde der Asiatischen Hornisse aus dem Altenburger Land bekannt. Das Hauptverbreitungsgebiet liegt immer noch in Südwestdeutschland. Der ostdeutsche Raum ist derzeit von dieser Art, bis auf Einzelsichtungen und wenige Nestfunde, verschont geblieben, jedoch zeigt die Entwicklung der Verbreitung an, dass es wohl nur noch eine Frage der Zeit ist, bis die Asiatische Hornisse bei uns ankommt und sich etablieren wird. 

Was könnten Imker oder Tierfreunde unterstützend beitragen, damit sich diese Art nicht weiter vermehrt und zusätzlichen Schaden anrichtet?

Die Meldung von beobachteten Asiatischen Hornissen ist wichtig, damit man zeitig genug den Beginn der Besiedlung unserer Region dokumentieren kann. Nur dann kann man präventiv vorgehen und durch Nestersuche und -beseitigung die Besiedlungsgeschwindigkeit etwas drosseln. Die Erfahrungen, z. B. aus dem Saarland, zeigen jedoch, dass es unmöglich ist, die Besiedlung zu verhindern. Da es sich um eine meldepflichtige invasive Art handelt, ist die Untere Naturschutzbehörde des Landratsamtes dafür zuständig. Doch ohne die Mitwirkung der Imker, die das größte Interesse an der Eindämmung der Art und das entsprechende Equipment zur Beseitigung der Nester haben, wird es nicht gehen. Die Meldung einer Beobachtung macht jedoch nur mit Foto Sinn, denn es hat sich erwiesen, dass die meisten Meldungen doch Tiere unserer heimischen Hornisse betreffen. Wer auf Facebook aktiv ist, kann ein Bild z. B. in die Facebook-Gruppe des Mauritianums „Tiere im Altenburger Land – Am Foto erkannt“ einstellen. Ein Foto kann man auch gern per E-Mail an das Mauritianum senden ([email protected]). Wir bestimmen die Art gern nach, informieren, was es ist, und geben, sollte es sich um die Asiatische Hornisse handeln, die Information an die zuständige Stelle weiter. 

Die Asiatische Hornisse ist in China beheimatet und gelangte wohl über den Seeweg 2004 nach Südfrankreich. Von da breitete sie sich aus und erreichte 2014 Deutschland. Heute sind große Teile von Westdeutschland dicht besiedelt und das Vordringen nach Osten hält an. Die Asiatische Hornisse ist etwas kleiner als unsere einheimische Hornisse, die auch Arbeiterinnen der Asiatischen Hornisse überwältigen kann. Die Asiatische Hornisse entwickelt jedoch bedeutend größere Völker mit einer Individuenzahl von bis zu 2000 Tieren pro Nest. Der Nestbau beginnt wie bei unserer heimischen Hornisse in einer Höhle, oft auch in einem Schuppen, Dachkasten oder Ähnlichem. Die heimische Hornisse bleibt an ihrem Neststandort. Wird die Höhle zu klein, z. B. ein genutzter Vogelnistkasten, dann baut sie ihr Nest aus zerkautem Holz außerhalb des Nistkastens weiter, bis das Volk im Herbst abstirbt. Die Asiatische Hornisse baut im Hochsommer ein Zweitnest, meist weit oben in den Baumwipfeln, und zieht dann mit dem Volk um. Erst im Herbst werden dann diese „Ballonnester“, die bis zu einem Meter hoch und 80 cm breit sein können, in den Baumwipfeln entdeckt. Ein Entfernen des Nestes ist dann sehr kompliziert. 

Das Jagdverhalten der Asiatischen Hornisse am Blütensaum eines Waldrandes gleicht dem der heimischen Hornisse und unserer Wespenarten. Sie suchen die Blüten und Blätter nach Beute ab und stürzen sich auf alles, was die geeignete Größe hat. Oft wird das Beutetier im Flug gefangen. Etwa 20 Prozent der Beute machen andere Wespenarten aus, ca. 30 Prozent sind größere Fliegen – der Speiseplan beinhaltet aber auch andere Artengruppen, wie z. B. Schmetterlinge, auch Raupen, Käfer und Wildbienen und Hummeln. Honigbienen können einen großen Teil der Nahrung ausmachen, wenn diese Ressource durch Bienenstöcke in der Nähe zur Verfügung steht. Der Mensch bietet durch seine Tierhaltung, in dem Falle der Imkerei, der Hornisse eine gut zugängliche Nahrungsquelle. Dann kann der Anteil an Bienen, hier die Honigbiene betreffend, bis 80 Prozent ausmachen. An Stellen ohne Imkerei, z. B. in Wäldern, sinkt der Anteil an Honigbienen und es steigt vor allem der Anteil an erbeuteten Wespen. Hat die Asiatische Hornisse eine solche lohnende Quelle, wie einen Bienenstock gefunden, dann lauern die Hornissen im Schwebeflug vor dem Bienenstock auf die ankommenden Bienen und fangen sie dort ab. Dieses Verhalten zeigen sie auch an Wespennestern. Es ist durchaus vorstellbar, dass sie dadurch Wespennester auch komplett eliminieren können. 

Hornissen sind in der Insektenwelt die Spitzenprädatoren, wie die Haie im Korallenriff oder der Wolf in der halboffenen Landschaft. Sie nehmen eine wichtige Funktion im Ökosystem ein, indem sie immer die am besten erreichbaren Ressourcen nutzen. Gibt es viele Wespennester, dann steigt der Anteil an erbeuteten Wespen und die Beute der Wespen, kleinere Insekten, haben bessere Überlebens- bzw. Reproduktionschancen. Gibt es viele Rehe und Wildschweine, dann hat der Wolf dort eine leichtere Jagd. Der Mensch mit seinen kulturellen Fertigkeiten, wozu nicht nur Ackerbau, sondern auch Tierzucht und Imkerei gehören, verschiebt das Gefüge und liefert den natürlichen Prädatoren neue Nahrungsquellen, die nicht den Regelmechanismen zwischen Beute und Beutegreifern unterliegen. Schafe und Ziegen sind neu in unserer Landschaft und erst im Neolithikum, vor etwa 7000 Jahren, mit dem nach Mitteleuropa einwandernden Menschen etabliert worden. Die Haustiere lebten Jahrtausende lang im Haus des Menschen, und erst seit wenigen hundert Jahren entstanden größere Herden, die sogar im Freien übernachteten. Der Konflikt mit dem Wolf wurde größer. Auch wenn die Asiatische Hornisse durch ein Verschleppungsereignis nach Europa gekommen ist, wäre ein Einnischen in einem intakten Ökosystem sicherlich nur eine Frage der Zeit. Intakt ist aber schon lange nichts mehr in unseren Ökosystemen, doch das liegt nicht an einzelnen Arten, sondern am Umgang des Jetzt-Menschen mit Natur und Landschaft – und das, seitdem er hier eingewandert ist: vor ca. 45.000 Jahren als aus Afrika kommender Jäger und Sammler und vor etwa 7.000 Jahren als aus dem Südosten kommender Ackerbauer und Viehzüchter (inkl. Jagen und Sammeln).

Die Anfrage stellte 

Silke Konzag.

Anmerkung der Redaktion

Das Landratsamt Altenburger Land veröffentlichte damals, wir zitieren: Beobachtungen und (Nest-) Funde der Asiatischen Hornisse können dem Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz per E-Mail an [email protected] mit Foto, Funddatum und genauer Lagebeschreibung des Fundortes gemeldet werden.

 

BU-Foto: 

Asiatische Hornisse (Vespa velutina nigrithorax) im Fundort am Jardin des Plantes, Toulouse (Frankreich) vom 13. Juni 2013 aus der Sammlung des Muséum de Toulouse. 

Foto: Didier Descouens