Nobitz. Wer in den vergangenen Tagen die Laupheimer Straße nahe dem Flugplatz Nobitz befuhr, sah schon von Weitem die riesige Holzpforte, die auf den Wiesen aufgestellt worden war. Dahinter erstreckte sich eine Stadt auf Zeit: Mehr als 200 schwarze Rundzelte – sogenannte Kohten und Jurten – hatten die „Royal Rangers“ aufgebaut. Rund 1.400 Kinder und Jugendliche aus ganz Ostdeutschland kamen hier für eine Woche zusammen, um gemeinsam ihr großes Distriktcamp zu verbringen.

Schon beim Betreten des Areals stieg den Besuchern der Rauch von Holzfeuern in die Nase. Für die Sechs- bis 18-jährigen Teilnehmer bedeutete die Lagerwoche vorwiegend eines: Leben an der frischen Luft und spartanischer Alltag. Smartphones waren im Camp tabu. Statt auf Bildschirme zu schauen, lernten die Kinder, sich mit Karte und Kompass im Gelände zu orientieren.

Auch beim Essen war Selbstorganisation gefragt: Dreimal täglich lieferte ein lokaler Supermarkt frische Lebensmittel direkt ans Lager. Die Mahlzeiten bereiteten die Nachwuchspfadfinder anschließend in Kleingruppen selbst zu – auf eigenhändig gebauten Feuertischen aus Holzstangen und Erde. Mit Beil und Säge zerkleinerten sie ihr Feuerholz, um Gerichte wie Jägerschnitzel oder Piratentopf über den Flammen zu kochen. Gewaschen wurde sich an zentralen Waschstationen, inklusive kühlem Wasser aus den Duschcontainern.

Das Großlager stand in diesem Jahr unter dem Thema „EXODUS – Gott ist größer“.

In Geländespielen und praktischen Aufgaben setzten sich die Teilnehmer mit der biblischen Geschichte um Mose und den Auszug aus Ägypten auseinander. Dabei ging es vorwiegend darum, knifflige Rätsel gemeinsam im Team zu lösen und Hindernisse ohne moderne Hilfsmittel zu überwinden.

Hinter der Aktion steht die christliche Pfadfinderschaft der Royal Rangers, die in Deutschland als freikirchlicher Jugendverband anerkannt ist und bundesweit rund 27.500 Mitglieder zählt. Neben Pfadfindertechniken und Naturerlebnissen steht die Vermittlung von Werten wie Hilfsbereitschaft, Respekt und Verantwortung für die Umwelt im Mittelpunkt. Als wichtigste Richtschnur dient dabei die sogenannte „Goldene Regel“ aus der Bibel: Andere stets so zu behandeln, wie man selbst behandelt werden möchte.

Wie das Camp-Leben in der Praxis aussieht, davon konnten sich am vergangenen Mittwoch auch Gäste überzeugen. Zwischen 14.00 und 18.00 Uhr öffnete das Lager seine Tore für Eltern und neugierige Anwohner aus der Region. Nach einer intensiven Woche wurden die hunderte Zelte am Wochenende wieder abgebaut. Zurück bleibt eine leere Wiese an der Laupheimer Straße – und eine Menge prägender Erfahrungen für die 1.400 Pfadfinder.

 

Peter A. Schubert

BU-Foto: Rutsch-Spaß auf einer mit Wasser und Seife „präparierten“ Folie für alle Mutigen.