Altenburger Land. Grundlage unserer Anfrage war die Veranstaltung zum Jahresempfang der Museen (der KURIER berichtete am 13. Juni auf Seite 5), bei der die zukünftige Positionierung eines Zweckverbandes für das Schloss, das Spielkartenmuseum und das Lindenau-Museum vorgestellt wurde. Daher fragten wir bei der Pressestelle der Stadt Altenburg genauer nach. Wie soll die Finanzierung des künftigen Zweckverbandes, die derzeit von der Stadt Altenburg (Schloss- und Spielkartenmuseum), dem Landkreis Altenburger Land (Lindenau-Museum) sowie dem Freistaat Thüringen getragen wird, künftig ausgestaltet, gewichtet und langfristig gesichert werden? Welche Herausforderungen sind bis zur Gründung und Etablierung des Zweckverbandes zu bewältigen? Antwort Stadtverwaltung: Museen arbeiten nur in den seltensten Fällen kostendeckend. Daher ist auch der Zweckverband Altenburger Museen auf die Finanzierung durch weitere Geldgeber angewiesen. Die Hauptträger der Altenburger Museen sind der Landkreis Altenburger Land und die Stadt Altenburg, die die Finanzierung des laufenden Betriebs des Zweckverbandes gewährleisten. Ergänzt wird diese durch eine institutionelle Förderung des Freistaats Thüringen. Darüber hinaus erhalten die Altenburger Museen bis mindestens Ende 2027 Fördermittel der Bundesrepublik Deutschland im Rahmen des Projekts „Lindenau21PLUS“. Diese Mittel werden für die Bereiche Kulturelle Bildung, Digitalisierung einschließlich Restaurierung, Provenienzforschung sowie Marketing eingesetzt. Zusätzlich erwirtschaften die Altenburger Museen durch Eintrittsgelder, Verkäufe und Vermietungen eigene Einnahmen, deren Umfang insgesamt über dem Durch-schnitt vergleichbarer Einrichtungen liegt. Darüber hinaus wird der Zweckverband Altenburger Museen seinen Fokus verstärkt auf die Erschließung weiterer Fördermittelquellen richten.Warum spielt das Naturkundliches Museum Mauritianum in den Überlegungen zur Bildung des Zweckverbandes keine Rolle? Welche Gründe und Hintergründe gibt es, das Mauritianum nicht in den Zweckverband zu integrieren? Wurden entsprechende Modelle geprüft und welche Gründe sprechen dafür und welche dagegen? Antwort Stadtverwaltung: Das Naturkundemuseum Mauritianum ist ein wichtiger Baustein für die Weiterentwicklung des Altenburger Schlossbergs zu einer überregional bedeutenden musealen Bildungslandschaft. Mit seinen Sammlungen bereichert es den Kulturstandort Altenburg in erheblichem Maße und zieht jährlich zahlreiche Besucherinnen und Besucher an. Dementsprechend soll das Naturkundemuseum Mauritianum künftig auch als touristische Destination am Altenburger Schlossberg in die Überlegungen der Altenburger Museen zu einer gemeinsamen Vermarktung einbezogen werden – beispielsweise bei der Etablierung eines gemeinsamen Besucherleitsystem. Bereits heute arbeiten die Altenburger Museen und das Naturkundemuseum Mauritianum bei Großveranstaltungen wie der Kindermuseumsnacht sowie in der Bildungsarbeit vertrauensvoll zusammen. Diese Kooperationen sind für alle Beteiligten gewinnbringend und sollen auch künftig intensiv fortgeführt werden. Das Naturkundemuseum Mauritianum wird von der Naturforschenden Gesellschaft Altenburg getragen, die weder der Stadt Altenburg noch dem Landkreis Altenburger Land angehört, lediglich das Museumsgebäude ist Eigentum des Landkreises Altenburger Land. Die Entscheidung über einen möglichen Beitritt zum Zweckverband Altenburger Museen liegt allein bei der Naturforschenden Gesellschaft Altenburg. Über eine Aufnahme in den Zweckverband würde anschließend die Verbands-versammlung gemäß der geltenden Verbandssatzung entscheiden. Könnte sich die Naturforschende Gesellschaft Altenburg vorstellen, dem Zweckverband beizutreten? Falls ja: Welche Voraussetzungen müssten aus Ihrer Sicht geschaffen beziehungsweise erfüllt werden, damit ein Beitritt in Erwägung gezogen werden kann? Falls nein: Welche Gründe sprechen aus Ihrer Sicht dagegen? Antwort Naturforschende Gesellschaft, vertreten Dipl. (FH) Mike Jessat: Die Naturforschende Gesellschaft Altenburg e.V. ist sehr froh darüber, dass sie seit dem 1. Januar 2007 die Trägerschaft des Naturkundemuseums wieder übernehmen konnte. 1945 wurde die Gesellschaft von der sowjetischen Militärkommandatur aufgelöst, und damit verlor sie, bzw. die bis dahin engagierten Mitglieder, „Ihr“ Museum. Bis zur Auflösung betrieb die Naturforschende Gesellschaft das Museum mit ihrer Sammlung seit 1817 selbständig. Das Land baute 1907 das Museumsgebäude Mauritianum und stellte es der Naturforschenden Gesellschaft zur Verfügung, da sie ihre Ausstellungsräume im Landesmuseum, dem heutigen Lindenau-Museum, zu Gunsten der Kunstsammlung räumen musste. Der heutige Vertrag zwischen Landkreis und Verein entspricht in etwa dem, der bis zur Auflösung 1945 bestand. In den vergangenen fast 20 Jahren der Betreibung des Museums konnte viel entwickelt werden. Ausdruck für die Zufriedenheit mit dieser Entwicklung ist die Zustimmung der Verlängerung des Vertrages für weitere zehn Jahre durch den Kreistag in seiner Sitzung Ende Mai. Die Naturforschende Gesellschaft hat kein Interesse, die Betreibung des Museums wieder abzugeben, auch nicht an einen kommunalen Zweckverband.  Sie sieht darin auch keinen Mehrwert für das Museum, sondern eher eine Einschränkung der Entwicklungsmöglichkeiten. Welche Rolle wird die geplante „Spielewelt“ in der Altenburger Innenstadt innerhalb des künftigen Zweckverbandes einnehmen? Wurden auch hier Verknüpfungen geprüft und welche Gründe sprechen dafür und welche dagegen? Antwort Stadtverwaltung: Im gemeinsamen Bestreben, die Stadt Altenburg als touristisches Ausflugsziel weiterzuentwickeln, und aufgrund der thematischen Nähe zum Thema (Karten-)Spiel besteht bereits heute ein enger Austausch zwischen den Verantwortlichen des YOSEPHINUMS®, dem Tourismusverband Altenburger Land und den Altenburger Museen. Ziel aller Beteiligten ist es, den Touristinnen und Touristen der Stadt und der Region ein einzigartiges Besuchserlebnis zu bieten. Hierfür werden gemeinsame Angebote geprüft und auf dem Weg dorthin Konzepte für eine ganzheitliche Marketingstrategie entwickelt. Das YOSEPHINUM® wird die Altenburger Innenstadt zweifellos beleben und das Stadtbild um eine neue Facette bereichern. Da es sich dabei um eine multimediale Erlebniswelt und nicht um eine museale Einrichtung handelt und zudem ein anderes inhaltliches Konzept verfolgt wird, wird das YOSEPHINUM® dem künftigen Zweckverband Altenburger Museen nicht angehören. Die Anfrage stellte Silke Konzag. (Foto: Silke Konzag)