Gößnitz. Die Stadt Gößnitz will in diesem Jahr trotz begrenzter finanzieller Spielräume mehrere kommunale Vorhaben auf den Weg bringen. Im Fokus stehen dabei Straßenbau, Kinderbetreuung, Vereinsleben, öffentliche Infrastruktur und Gewerbestandorte. Gleichzeitig verweist Bürgermeister Patrick Albrecht auf die angespannte Finanzlage und den hohen bürokratischen Aufwand, der viele Projekte in Kommunen begleitet. „Trotz begrenztem Mittelaufkommen ist es der Stadt Gößnitz in diesem Jahr gelungen, einige Projekte im Haushalt zu verankern und damit anstoßen bzw. durchführen zu können“, erklärt Patrick Albrecht auf Anfrage. Als größte Baumaßnahme nennt er den geplanten grundhaften Ausbau der Hohen Straße und der Glasewaldstraße. Das Projekt soll gemeinsam mit dem Zweckverband Altenburger Land umgesetzt werden. Der ZAL wird in diesem Bereich die Wasserver- und Abwasserentsorgungsleitungen vollständig erneuern. Anschließend baut die Stadt Gößnitz den Straßenkörper neu auf. Mit dem Baubeginn wird derzeit im August 2026 gerechnet.
Auch in die Kinderbetreuung soll investiert werden. Im Kindergarten „Burattino“ ist die Sanierung einer Sanitäranlage vorgesehen. Damit wolle die Stadt den steigenden rechtlichen Anforderungen in der Kinderbetreuung Rechnung tragen, so der Bürgermeister.
Ein weiteres Thema ist das Jugendheim. Im vergangenen Jahr hatte der Stadtrat mit deutlicher Mehrheit dessen Erhalt beschlossen. Die Einrichtung war durch eine geplante Hochwasserschutzmaßnahme des Freistaates Thüringen gefährdet. Nun muss die Stadt Gößnitz in Zusammenarbeit mit dem Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz eine Medienumverlegung für das Jugendheim veranlassen. Diese Maßnahme ist ebenfalls für dieses Jahr vorgesehen und soll parallel zu weiteren Bauarbeiten in diesem Bereich ausgeführt werden.
Investiert wird außerdem in den städtischen Sportplatz und das dazugehörige Sportlerheim. Das Areal soll in diesem Jahr mit einer neuen Kläranlage ausgestattet werden, damit die Nutzung weiterhin aufrechterhalten werden kann. Damit unterstützt die Stadt auch die Vereinsarbeit und das gesellschaftliche Leben vor Ort.
Im nördlichen Teil der Walter-Rabold-Straße ist zudem eine teilweise Erneuerung der Straßenentwässerung geplant. Davon sollen insbesondere die dort ansässigen Unternehmen profitieren.
Patrick Albrecht betont, dass diese Vorhaben nur einen Teil einer Vielzahl weiterer kleinerer Projekte darstellen. Die Aufzählung zeige jedoch, dass die Stadt verschiedene Bereiche des kommunalen Zusammenlebens stärken wolle. Investiert werde in Infrastruktur, nachhaltige Kinderbetreuung, Vereine, gesellschaftliches Miteinander und nicht zuletzt in die Gewerbestandorte.
Zu den größten Herausforderungen zählt für die Stadt nach wie vor die finanzielle Situation. Diese werde auch durch Entscheidungen auf Bundes- und Landesebene beeinflusst. Es sei auch in diesem Jahr wieder harte Arbeit gewesen, viele Wünsche im Haushalt abzubilden, so Patrick Albrecht. Positiv sei allerdings, dass kein Projekt, das in den ersten Entwürfen des Haushaltes vorgesehen war, nachträglich aus Kostengründen gestrichen werden musste. Alle geplanten Vorhaben seien im rechtskräftigen Haushalt aufgenommen worden.
Der Engpass liege in diesem Jahr nach Einschätzung des Bürgermeisters eher an anderer Stelle. Die Fachämter der Stadtverwaltung seien personell knapp ausgestattet. Deshalb dürfte es schwierig werden, alle geplanten Projekte gleichzeitig anzugehen und zu betreuen.
Den Bürgerinnen und Bürgern möchte Patrick Albrecht vor allem Geduld mit auf den Weg geben. Viele Projekte könnten nicht von heute auf morgen umgesetzt werden. Die kommunale Finanzwirtschaft unterscheide sich deutlich von privaten Vorhaben. Projekte müssten detailliert geplant werden, zudem stehe dahinter ein erheblicher bürokratischer Aufwand gegenüber anderen Behörden.
Das führe mitunter zu dem Eindruck, in manchen Bereichen passiere nichts. Dieser Eindruck stimme jedoch nicht, betont der Bürgermeister. Als Beispiel nennt er einen grundhaften Straßenausbau. Ein solches Vorhaben nehme inzwischen etwa vier Jahre in Anspruch – von der ersten Idee über Beschlüsse, Planerausschreibung, Planung, Abstimmung mit Anwohnern und öffentlichen Stellen bis hin zur Ausschreibung, Beauftragung der Baufirma und der eigentlichen Bauausführung.
Auch kleinere Maßnahmen könnten viel Zeit benötigen. Bei der Sanierung einer Sanitäranlage könne eine Kommune nicht einfach selbst Hand anlegen oder direkt eine Firma beauftragen. Zunächst müsse ein Planer ausgeschrieben und beauftragt werden, der die Anlage entsprechend der rechtlichen Vorgaben plant. Erst danach könnten die einzelnen Gewerke ausgeschrieben und vergeben werden. Ein solches Projekt nehme schnell mehr als ein Jahr in Anspruch.
Mit der Sanierung der Sanitäranlage im Kindergarten „Burattino“ beschäftige sich die Stadt beispielsweise bereits seit 2024.
Fazit: Kommunale Projekte werden scheinbar unsichtbar im Hintergrund vorbereitet nehmen aus bürokratischen Gründen viel Zeit in Anspruch.
Text/Foto: Anne Grahneis
