Wie die Altenburger Kleingärtner ihr goldenes Vereinsjubiläum feierten

 

Altenburg. Wenn ein kleiner Bachlauf, der leise plätschernd durch das dichte Grün einer Kleingartenanlage fließt, symbolisch die Brücke bis nach Hamburg schlägt, dann weiß man: Hier im Altenburger Jüdengrund wird nicht nur Gemüse angebaut, sondern auch große Gemeinschaft gepflegt. Am Samstag, dem 1. August 2026, begingen die Mitglieder des Kleingartenvereins „Bergmannsfreud“ e.V. ihr stolzes 50-jähriges Bestehen. In der Gartengaststätte der „Ost“ blickte der Verein gemeinsam mit seinen Gästen auf ein halbes Jahrhundert lebendiger Vereinsgeschichte zurück.

Die Anfänge der grünen Oase reichen in das Frühjahr 1976 zurück. Am 28. April 1976 trafen sich 28 engagierte Gründungsmitglieder zur historischen Gründungsversammlung, um ein rund 1,9 Hektar großes Brachland voller Elan umzugestalten. Ursprünglicher Anlass war der Wunsch, den Beschäftigten der nahegelegenen Braunkohle- und Wismut-Bergwerke gemeinsam mit ihren Angehörigen einen Ort für Naherholung, den Anbau von eigenem Obst und Gemüse sowie eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung im Grünen zu bieten. Mit Spaten, Fleiß und einer gemeinsamen Vision schufen die Pioniere das Fundament. Aus den bescheidenen Anfängen wuchs über die Jahrzehnte eine florierende und gepflegte Anlage heran, die heute 55 Parzellen umfasst – jede mittlerweile mit eigenem Strom- und Trinkwasseranschluss ausgestattet.

Ein besonderer Höhepunkt der Feier war der Besuch eines ganz besonderen Mannes. Ralf Heerde, Gründungsmitbegründer und Namensgeber der Anlage, ließ es sich nicht nehmen, persönlich an der Festveranstaltung teilzunehmen. Neben Heerde wurden auch weitere Wegbereiter der ersten Stunde herzlich begrüßt, darunter Ernst Sachs und Dieter Formella, die über viele Jahre als Vorstandsmitglieder und Arbeitseinsatzleiter aktiv waren, sowie Joachim Steucke. Besondere Hochachtung galt denjenigen, die dem Verein seit der ersten Stunde ununterbrochen die Treue halten. Vier der damaligen Pioniere sind bis heute im Verein aktiv: Hans-Joachim Schön, Bernd Vogel, Wolfgang Thieme und Rudi Borowy. Während Bernd Vogel an diesem Tag kurzfristig verhindert war, erhielten Wolfgang Thieme und Rudi Borowy vor Ort den herzlichen Dank der Gemeinschaft für ein halbes Jahrhundert aktives Gärtnern.

Eine emotionale Würdigung erfuhr der Vereinsvorsitzende Hans-Joachim Schön selbst. Die Schatzmeisterin Birgit Schmid trat im Namen der Vorstandsmitglieder und Gartenfreunde vor, um seine außergewöhnlichen Verdienste zu würdigen: 50 Jahre Vereinszugehörigkeit und 50 Jahre ununterbrochene Verantwortung an der Spitze der Gemeinschaft. Neben der Führung des Vereins lag Schön stets der respektvolle Umgang mit Natur und Landschaft am Herzen – insbesondere der Erhalt des angrenzenden Jüdenbachs mit seinem Teich und dem kleinen Wäldchen. Unter seiner Leitung belegte die Anlage im Wettbewerb „Unsere Kleingärten – ökologischer Beitrag zum Klimaschutz“ des Regionalverbandes Altenburger Land sogar den ersten Platz. „Du hast nicht nur Gärten gestaltet, du hast Werte vermittelt. Du hast nicht nur Wege angelegt, du hast eine Gemeinschaft geschaffen“, betonte Schmid in ihrer Laudatio. Schön dankte sichtlich gerührt und gab das Lob direkt an die Mitglieder weiter: „Ohne eure Mitarbeit wäre das nicht möglich gewesen.“

Die ökologische Ausrichtung geht Hand in Hand mit sozialem Engagement. Seit 2019 besteht eine erfolgreiche Partnerschaft mit dem Sozialwerk Innova e.V. Projektmitarbeiter von Innova bewirtschaften in der Anlage zwei Projektgärten und unterstützen die Verschönerung. Der Ernteüberschuss an frischem Obst und Gemüse kommt direkt der Altenburger Tafel zugute.

Zu den Ehrengästen zählten Dr. Nicolaus Dorsch, Leiter der Innova Sozialwerke e.V. Altenburg und Dr. Wolfgang Preuß, Präsident des Landesverbandes Thüringen der Gartenfreunde e.V. und Vorsitzender des Regionalverbandes Altenburger Land. In seiner Festrede hob Dr. Preuß die soziale Bedeutung von Kleingärten als unverzichtbare „Begegnungszonen“ in einer oft unruhigen Zeit hervor. Er verwies auf die ernsten Herausforderungen der Region, die mit rund 800 leer stehenden Gärten – einer Leerstandsquote von etwa 25 Prozent – kämpft. Umso erfreulicher war seine Botschaft für die Jubilare: Im städtischen Entwicklungskonzept besitzt die Anlage „Bergmannsfreud“ eine gesicherte und vielversprechende Zukunft. Preuß überreichte eine Ehrenurkunde sowie eine finanzielle Unterstützung des Verbandes. Für Heiterkeit sorgte sein geografischer Exkurs: Über den Jüdenbach, die Blaue Flut, den Gerstenbach, die Pleiße, Elster und Saale bestehe schließlich eine direkte Wasserverbindung von der Anlage bis nach Hamburg.

Oberbürgermeister André Neumann, der sich im Urlaub befand, übermittelte schriftliche Grüße sowie eine finanzielle Zuwendung der Stadt. Auch Landrat Uwe Melzer wünschte aus der Ferne ein gelingendes Fest. Nach dem offiziellen Teil klang der Nachmittag bei Steaks und Rostern vom Grill sowie Musik von DJ Blochi gemütlich aus.

Der Vorstand des Kleingartenvereins „Bergmannsfreud“ e.V. nutzt das Jubiläum für ein herzliches Dankeschön an alle Helfer und Unterstützer. Ein ganz besonderer Dank der Gartenfreunde gilt dem engagierten Team der Gartengaststätte „Ost“ für die hervorragende Ausrichtung der Feier, die mit ihrer freundlichen Bewirtung, der exzellenten Organisation und dem angenehmen Ambiente einen rundum würdigen Rahmen schufen.

Damit die Anlage auch in den nächsten fünfzig Jahren blüht, blickt der Verein entschlossen nach vorn und sucht Verstärkung. Für Gartenbegeisterte gibt es eine gute Nachricht: Es sind aktuell noch freie Gärten abzugeben. Interessierte finden alle Informationen auf der Vereinswebseite unter https://www.bergmannsfreud.de. Zudem steht eine wichtige personelle Weichenstellung an. Der Verein sucht dringend eine neue Schatzmeisterin oder einen neuen Schatzmeister zur Unterstützung des Vorstands. Vorkenntnisse im Finanzwesen sind gern gesehen, und man muss dafür nicht zwingend selbst Pächter in der Anlage sein. Wer Interesse an dieser wichtigen Aufgabe hat, kann sich direkt beim Vereinsvorsitzenden Hans-Joachim Schön per E-Mail unter [email protected] melden.

Peter A. Schubert

BU: Der Vereinsvorsitzende Hans-Joachim Schön ließ es sich nicht nehmen über 50 erfolgreiche Jahre der Kleingartenanlage Berfgmannsfreud e.V. zu berichten. / © Peter A. Schubert