Schmölln/OT Dobitschen. In Dobitschen ist derzeit einiges los: Eine MDR-Fernsehsendung macht Station im Ort, gleichzeitig laufen Bauarbeiten rund um das Wasserschloss. Dabei sorgen auch Hinweise zum Umgang mit Asbestplatten für Aufmerksamkeit.

„Mach dich ran“ kommt nach Dobitschen

Dobitschen wird zur Spielbühne: Die beliebte MDR-Unterhaltungssendung „Mach dich ran“ macht wieder Station in unserer Stadt. Am Samstag, 28. März 2026, um 11.00 Uhr sind alle Neugierigen herzlich eingeladen, bei der Aufzeichnung live dabei zu sein und selbst aktiv mitzumachen – dieses Mal im neu eingegliederten Dobitschen.

Im Mittelpunkt steht Moderator Mario D. Richardt, der sich einem kleinen, zuvor nicht verratenen Test stellen muss. Das Publikum ist gefragt: Vor Ort darf wieder kräftig mitgerätselt und getippt werden, ob der Moderator die gestellte Aufgabe erfolgreich meistert. Unter allen Mitspielenden wird ein Gewinner ermittelt. Dieser erhält einen exklusiven Einblick in die Tagesaufgabe des „Mach dich ran“-Teams und muss anschließend einschätzen: Hat das Team die Herausforderung erfüllt oder nicht? Stimmt der Tipp mit der Realität überein, winkt ein Gewinn von 500 Euro. Für Getränke und Verpflegung ist vor Ort gesorgt.

Die Ausstrahlung der Sendung aus Dobitschen ist voraussichtlich für Montag, 11. Mai 2026, um 19.50 Uhr im MDR-Fernsehen geplant.

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, dabei zu sein und die besondere Fernseh-Atmosphäre hautnah zu erleben.

Stadtverwaltung Schmölln

Asbestproblematik

Innerhalb des Areals rund um das Wasserschloss finden seit geraumer Zeit mehrere Veranstaltungen sowie Renovierungs- und Restaurierungsarbeiten statt. Nach Angaben eines aufmerksamen und besorgten Bürgers mit ausgewiesener Fachkompetenz auf dem Gebiet der Abfallbeseitigung und Asbestentsorgung wurde der KURIER Verlag darüber informiert, dass es bei den Abbauarbeiten an einem nahegelegenen Gebäude Hinweise auf einen möglicherweise nicht vorschriftsgemäßen Umgang mit den Materialien gegeben haben könnte. Der Hinweisgeber gab an, dass über einen längeren Zeitraum hinweg mehrere Wellasbestplatten rund um das Gebäude gelagert worden seien. Diese seien nach seiner Einschätzung nicht den geltenden Vorschriften entsprechend gesichert gewesen.

Um allen Beteiligten die Möglichkeit zu geben, sich zu den Vorwürfen zu äußern, wandten wir uns mit mehreren Fragen an den Bürgermeister von Dobitschen, Björn Steinicke, sowie an den Verein FACK e.V., der in Kooperation mit dem Eigentümer des Areals steht und für die Projekte mitverantwortlich ist.

Dabei wurden folgende Fragen gestellt:

  • Welche Maßnahmen werden derzeit an dem Gebäude durchgeführt und welche Arbeiten sind bereits abgeschlossen? (1.)
  • Welche Ziele verfolgt das Dorfladen-Projekt insgesamt? (2.)
  • Wie sieht der aktuelle Zeitplan für die Arbeiten aus? Wann sollen die Maßnahmen voraussichtlich abgeschlossen sein? (3.)
  • Mit welchen Kosten ist das Projekt verbunden und wie wird es finanziert (z. B. Fördermittel, Eigenmittel)? (4.)
  • Wurden die Materialien fachgerecht gesichert und entsorgt? (5.)
  • Wurde der Rückbau durch eine entsprechend zertifizierte Fachfirma durchgeführt? (6.)
  • Aus welchen Gründen lag der Wellasbest nach Aussagen von Anwohnern mehrere Tage neben dem Gebäude, bevor er am 4. März entsorgt wurde? (7.)
  • Wurden während dieser Zeit und während der Abbauarbeiten entsprechende Sicherungsmaßnahmen getroffen? (8.

Herr Steinicke gab auf Anfrage an, dass er sich zu der Problematik nicht äußern könne, „da sich das Areal und das Wasserschloss in privater Hand befinden“.

Auch der Verein FACK e.V. reagierte auf unsere Anfrage. In seiner Antwort teilte der Verein jedoch mit, dass er dem KURIER Verlag weiterhin nicht für inhaltliche Anfragen zur Verfügung stehen wolle. Als Begründung führte der Verein an, dass der KURIER
in der Vergangenheit nach eigener Einschätzung mehrfach eine
Plattform für extremistische, verschwörungsideologische und demokratiefeindliche Inhalte geboten habe. Vor diesem Hintergrund sehe man derzeit von einer weiteren Zusammenarbeit oder Beantwortung von Anfragen ab.

Einordnung durch das Landesamt für Verbraucherschutz, Abteilung Arbeitschutz

Um die rechtlichen Vorgaben beim Umgang mit asbesthaltigen Baustoffen einzuordnen, wandte sich der KURIER Verlag auch an das Thüringer Landesamt für Verbraucherschutz, Abteilung Arbeitsschutz. Auf unsere Anfrage erhielten wir folgende Antworten:

Welche gesetzlichen Vorschriften gelten in Thüringen für den Rückbau und die Entsorgung von asbesthaltigen Baustoffen wie Wellasbest?

Für Thüringen gibt es keine gesonderten Regelungen, es gilt Bundesrecht. Konkret die Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) i.V.m. der Technischen Regel Gefahrstoffe (TRGS) 519 „Asbest - Abbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten“.

Welche Schutzmaßnahmen müssen beim Abbau solcher Materialien grundsätzlich eingehalten werden?

Der § 11a GefStoffV formuliert technische, organisatorische und persönliche Voraussetzungen für den Umgang mit Asbest. Diese werden in den Abschnitten 5 - 13 der TRGS 519 konkretisiert und erläutert.

Dürfen demontierte Asbestplatten vor der Entsorgung zeitweise im Freien gelagert werden, und wenn ja, unter welchen Bedingungen?

Ja, nach den Vorgaben des Abschnitts 18.1 der TRGS 519.

Welche Anforderungen gelten hinsichtlich der Durchführung solcher Arbeiten (z. B. Fachfirmen, Qualifikationen)?

Sie fragen speziell nach Wellasbest. Dieser galt bis zum 05.12.2024 als „festgebundener Asbest“. Diese Unterscheidung zum schwach gebundenen Asbest gibt es jetzt nicht mehr. Die Anforderungen ergeben sich seit der Novellierung der Gefahrstoffverordnung zum 05.12.2024 aus dem Risiko für die Beschäftigten, an Krebs zu erkranken. Um dies zu erkennen, hilft dem Arbeitgeber folgende Matrix (siehe auch https://www.baua.de/DE/Die-BAuA/Aufgaben/Geschaeftsfuehrung-von-Ausschuessen/AGS/pdf/Ue
berleitungshilfe-TRGS-519.pd
f?__blob=publicationFile&v=1)

Für Tätigkeiten im Bereich niedrigen oder mittleren Risikos ist eine unternehmensbezogene Anzeige erforderlich (Anlage 1.1 TRGS 519). Diese muss bis spätestens 7 Tage vor Beginn der Arbeiten an die zuständige Behörde ergehen.
Bei wechselnden Arbeitsstätten sind bei Tätigkeiten im Bereich mittleren Risikos ergänzend zur unternehmensbezogenen Anzeige der Ort der Arbeitsstätte sowie Beginn und Dauer der Tätigkeiten (Anlage 1.2 TRGS 519) anzuzeigen. In jedem Fall ist eine Gefährdungsbeurteilung/Arbeitsplan (Anlage 1.4 TRGS 519) und eine Betriebsanweisung nach Muster in Anlage 1.6 TRGS 519 zu erstellen.
Tätigkeiten mit Asbest dürfen nur von Beschäftigten ausgeführt werden, die fachkundig sind. Die Details zur Fachkunde finden sich in Anhang I Nummer 3.6 GefStoffV.
Für Arbeiten an Wellasbest benötigen die verantwortliche Person (VP) und die aufsichtführende Person (AP) die Sachkunde nach Anlage 4C zur TRGS 519.

Welche Risiken bestehen bei unsachgemäßem Umgang mit Asbestmaterial?

Asbest kann beim Menschen Krebs erzeugen. Beim unsachgemäßen Umgang mit Asbestprodukten gelangen Asbestfasern in den Atembereich und werden eingeatmet. Diese unsichtbaren Fasern können tief in die Lunge gelangen und schwere Erkrankungen wie Asbestose, Lungenkrebs oder das unheilbare Mesotheliom (Rippen-/Bauchfellkrebs) verursachen. Nähere Informationen dazu unter anderem unter https://www.um
weltbundesamt.de/themen/ge
sundheit/umwelteinfluesse-auf-den-menschen/chemische-stoffe/asbest#warum-ist-asbest-gefhrlich

Die Anfrage stellte Gina Hartmann.

Zwischen Dorfladen und neuen Ideen –

Das ist am Wasserschloss Dobitschen geplant

Schmölln/OT Dobitschen. Nachdem Ortsteilbürgermeister Björn Steinicke erklärt hatte, dass er sich aufgrund der privaten Eigentumsverhältnisse nicht äußern könne, wandte sich der KURIER Verlag direkt an den Eigentümer des Wasserschlosses, Erwin Feurer. Dieser übermittelte unserer Redaktion eine schriftliche Stellungnahme zu seinen Plänen für das Areal.

Sein Ziel sei es, auf dem Gelände ein Zentrum für Inklusion und Integration für Mensch und Tier zu schaffen. Vorgesehen seien unter anderem Angebote für Menschen mit Behinderung, für Burn-out-Betroffene sowie für Rehabilitationspatienten. Zudem plane er perspektivisch eine Altersresidenz – insbesondere für Künstlerinnen und Künstler.

Auf Nachfrage des KURIER zum Umgang mit den demontierten Asbestplatten erklärte Feurer in einem Telefonat, diese seien ordnungsgemäß entfernt und entsorgt worden. Zugleich teilte er mit, dass er unsere Anfrage an Martin Burkhardt, Vorstandsvorsitzender des Vereins Altenburger Bauernhöfe e.V., weitergeleitet habe. Herr Burkhardt engagiert sich für das Wasserschloss und beantwortete im Gespräch mit dem KURIER weitere Fragen zu den Arbeiten auf dem Gelände.

Zu den Fragen (5.), (6.), (7.) und (8.) äußerte sich Martin Burk-hardt wie folgt:

Der Rückbau der Asbestplatten sei nicht durch eine zertifizierte Fachfirma erfolgt. „Die Arbeiten wurden von Ehrenamtlichen, Handwerksmeistern und hilfs-bereiten Bürgern durchgeführt und die Gesetzeslage wurde einge-halten“, erklärte er.

Die Entsorgung der Materialien sei nach seinen Angaben dennoch ordnungsgemäß erfolgt. So habe man sogenannte Big Bags zur fachgerechten Entsorgung genutzt und die Platten über die ASD-Asbestdeponie GmbH Thüringen abgegeben. Insgesamt habe es sich um rund 1.700 Kilogramm gehandelt. „In den nächsten Jahren werden voraussichtlich noch weitere Mengen anfallen“, so Burkhardt. Zudem hätten sich einige der Beteiligten bei den Arbeiten mit FFP2-Masken geschützt.

Dass die Wellasbestplatten über einen längeren Zeitraum im Umfeld des Gebäudes lagen, begründete er mit der ehren-amtlichen Struktur der Arbeiten. „Die Platten lagen etwa zwei Wochen um das Gebäude herum. Wir stemmen die Arbeiten über-wiegend ehrenamtlich. Viele der Helfer gehen regulär arbeiten und haben Familien, weshalb die Entsorgung nicht sofort erfolgen konnte.“

Die Beobachtungen vor Ort

Fotos, die der Redaktion zugetragen wurden, zeigen die Situation rund um das Gebäude während der Arbeiten. Darauf sind mehrere Wellplatten zu erkennen, die direkt am Gebäude lehnen oder auf dem Boden liegen; teilweise wirken sie beschädigt oder zerbrochen. Auch kleinere Bruchstücke sind im Umfeld des Gebäudes sichtbar.

Die Aufnahmen dokumentieren damit, dass die demontierten Platten – wie von Burkhardt beschrieben – über einen gewissen Zeitraum im Außenbereich rund um das Gebäude lagerten. Eine Verpackung der Materialien in dafür vorgesehenen Entsorgungsbehältern ist auf den Bildern zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht erkennbar.

Was ist das Projekt „Dorfladen“?

Im weiteren Verlauf des Telefonats beantwortete Martin Burkhardt auch unsere Fragen zum sogenannten „Dorfladen-Projekt“. Er erklärte, wie es zu der Idee kam, und gab an, dass in Dobitschen bereits seit rund zehn Jahren ein Konsum fehle. Zwar stehe ein entsprechendes Gebäude im Ort, doch dieses sei seit mehreren Jahren ungenutzt – sehr zum Unmut vieler Bürgerinnen und Bürger.

Daraus entstand schließlich die Idee, aus einem Gebäude auf dem Areal des Wasserschlosses einen sogenannten „Dorfladen“ zu schaffen. Dafür wird derzeit die ehemalige Schlossbrauerei ausgebaut, die bereits im Jahr 1850 errichtet wurde. Für viele Bewohnerinnen und Bewohner von Dobitschen könnte dies eine erfreuliche Entwicklung sein, da sich viele seit längerem wieder eine verlässliche Einkaufsmöglichkeit im Ort wünschen.

Während des Telefonats erklärte Martin Burkhardt außerdem, dass ein klassischer 24-Stunden-Laden für Dobitschen nicht infrage komme. Dafür sei das Gebäude der ehemaligen Schlossbrauerei zu klein und die Einwohnerzahl mit rund 350 Bürgerinnen und Bürgern zu gering. Stattdessen soll der Dorfladen als flexibles Hybridmodell funktionieren: mit Lebensmittelautomaten und einer sogenannten „Kasse des Vertrauens“. Ergänzt werden soll das Angebot durch Produkte aus eigenem Anbau. Ziel sei es, einen Ort der Begegnung und der Gemeinschaft zu schaffen.

„Selbstbestimmtheit ist wichtig für Menschen“, sagte Burkhardt im Gespräch mit dem KURIER. So sollen künftig vor allem Vereinsmitglieder im Dorfladen einkaufen können.

Zu den Fragen (1.) bis (4.) zum Dorfladen-Projekt äußerte sich Herr Burkhardt wie folgt:

Derzeit konzentrierten sich die Arbeiten am Gebäude vor allem auf die Beseitigung von Altlasten sowie die Reparatur beschädigter Balken. „Dabei sind wir schon gut vorangekommen. Einige Balken sind bereits wieder funktionsfähig, andere müssen noch instand gesetzt werden“, erklärte er.

Ziel des Projekts sei es, einen Ort der Begegnung und der Gemeinschaft zu schaffen. „Es soll ein Ort werden, an dem viele Menschen aufeinandertreffen und miteinander sein können. Ebenso ist uns die Erhaltung und Reparatur des Brauhauses sowie des gesamten Areals sehr wichtig“, so Burkhardt.

Einen konkreten Zeitplan für den Abschluss der Bauarbeiten gebe es derzeit noch nicht. Man stehe noch am Anfang des Projekts, erklärte er. Die Instandsetzung der Gebäude werde noch einige Zeit in Anspruch nehmen. „Schätzungsweise betragen die Revitalisierungskosten für das gesamte Areal zwischen 20 und 30 Millionen Euro. Solche Summen hat keiner“, erklärte Martin Burkhardt.

Finanziert werden die bisherigen Arbeiten nach seinen Angaben vor allem durch das Engagement von Bürgerinnen und Bürgern sowie durch private Eigenleistungen. Zudem bestehe die Möglichkeit, das Projekt über ein Spendenkonto zu unterstützen.

Weitere geplante Projekte

Neben dem Dorfladen sind auf dem Gelände weitere Aktivitäten geplant. So soll unter anderem ein sogenannter „Mitmach-Mittwoch“ etabliert werden, bei dem sich Bürgerinnen und Bürger aktiv an Arbeiten auf dem Areal beteiligen können. Auch regelmäßige Arbeitseinsätze an Samstagen sind vorgesehen.

Darüber hinaus sind Veranstaltungen und kleinere Konzerte geplant, um das Gelände rund um das Wasserschloss künftig stärker als Treffpunkt für die Dorfgemeinschaft zu nutzen. Anlass dafür bietet auch ein besonderes Jubiläum: Das Wasserschloss Dobitschen feiert in diesem Jahr sein 330-jähriges Bestehen. Dieses soll nach Angaben der Beteiligten ebenfalls mit verschiedenen Veranstaltungen gewürdigt werden.

Das Gespräch führte Gina Hartmann.

BU-Foto 1: Demontierte Wellplatten lagern im Umfeld des Gebäudes am Wasser-schloss Dobitschen. Die Aufnahme entstand Anfang März.

BU-Foto 2: Auch kleinere Bruchstücke der demontierten Wellplatten sind im Bereich rund um das Gebäude sichtbar.

BU-Foto 3: Wasserschloss und Brauhaus in Dobitschen.

BU-Foto 4: So könnte der Komplex künftig aussehen: Visualisierung des Wasserschlosses und des Wirtschaftshofs in Dobitschen.

Foto 1+2: ©privat

Foto 3: ©Gina Hartmann

Foto 4: ©Martin Burkhardt