Ronneburg. Am Freitag, dem 18. September 2026, ist der Publizist und Finanzexperte Ernst Wolff mit seinem Vortrag „Der digitale Käfig und unsere Macht gegen die Ohnmacht“ im Lokschuppen Ronneburg, Bahnhofstraße 9, zu Gast. Die Veranstaltung beginnt um 19.00 Uhr, Einlass ist ab 18.00 Uhr. Im Mittelpunkt des Vortrags- und Diskussionsabends stehen Fragen zu digitaler Kontrolle, finanzieller Freiheit, Privatsphäre, gesellschaftlicher Selbstbestimmung und Menschenwürde. Organisiert wird die Veranstaltung von der Dialogschmiede aus Bad Köstritz, vertreten durch Christina Rentzsch. Der Kartenvorverkauf hat bereits begonnen. Interessierte können ihre Karten schon jetzt unter der Telefonnummer 0170/3340660 reservieren. Restkarten sind auch an der Abendkasse erhältlich.

Im Vorfeld der Veranstaltung hatte der KURIER die Gelegenheit, Ernst Wolff schriftlich Fragen zum Geld- und Finanzsystem, zu gesellschaftlichen Machtstrukturen und seinen Zukunftsprognosen zu stellen.

Herr Wolff, was ist aus Ihrer Sicht das größte Missverständnis der Öffentlichkeit über die Funktionsweise unseres heutigen Geld- und Finanzsystems?

Das größte Missverständnis besteht darin, das System für eine neutrale, auf Gleichberechtigung basierende Einrichtung zu halten. Das Gegenteil ist der Fall. Das aktuelle Geldsystem wurde 1944 um den US-Dollar herum konstruiert und hat die USA vom ersten Tag an begünstigt. Inzwischen werden die USA von einer winzigen Minderheit aus Vermögensverwaltern der Wall Street und IT-Giganten des Silicon Valley beherrscht, die das System nach Belieben manipulieren können. Unter dem Diktat dieses digital-finanziellen Komplexes ist die Welt aktuell weiter als jemals zuvor von einem gerechten Finanzsystem entfernt.

Welche Entwicklungen im globalen Finanzsystem beobachten Sie derzeit mit der größten Sorge?

Wir haben es weltweit mit dem höchsten Schuldenstand aller Zeiten zu tun. Zugunsten der Rüstungsindustrie werden Kriege geführt, und Großinvestoren nehmen immer neue Schulden auf, um an den künstlich aufgeblähten Märkten und im Derivate-Casino Gewinne zu machen. Das Ganze ist ein sich selbst beschleunigender Prozess, der uns mit absoluter Sicherheit in eine tiefere Finanzkrise als die von 2007 / 2008 führen wird.

Welche Rolle werden Zentralbanken Ihrer Ansicht nach in den kommenden zehn Jahren spielen – insbesondere im Zusammenhang mit digitalen Zentralbankwährungen?

Zentralbanken halten das globale Finanzsystem seit der Weltfinanzkrise von 2007/08 mit Hilfe von BlackRock künstlich am Leben. Auch die großen Zentralbanken können keine einzige Entscheidung gegen die alles beherrschenden Vermögensverwalter BlackRock, Vanguard und State Street treffen, die zugleich Hauptaktionäre fast aller großen IT-Konzerne sind. Diese wiederum drängen zur eigenen Machterweiterung auf die Einführung von programmierbarem Geld. Da das auch den Vermögensverwaltern zugute kommen wird, kann in absehbarer Zeit mit seiner Einführung gerechnet werden.

Ihr Vortrag trägt den Titel „Der digitale Käfig“. Wo verläuft für Sie die Grenze zwischen sinnvoller Digitalisierung und technologisch ermöglichter gesellschaftlicher Kontrolle?

Digitalisierung wäre sinnvoll, wenn sie zugunsten der Mehrheit der Menschen eingesetzt würde. Leider ist das nicht der Fall. Die gesamte technologische Entwicklung befindet sich in den Händen einiger weniger Konzerne, die nur ein Ziel verfolgen: ihren Gewinn zu mehren und die eigene Machtstellung auszubauen. Eine sinnvoll digitalisierte Gesellschaft setzt echte Demokratie voraus, und von der sind wir aktuell weit entfernt. 

Welche Entwicklungen im Bereich der künstlichen Intelligenz könnten das Finanzsystem und bestehende Machtstrukturen besonders stark verändern?

Die KI wird weltweit hunderte Millionen Arbeitsplätze überflüssig machen. Da die Arbeitslosen als Konsumenten ausfallen, werden die Staaten gezwungen sein, sie mit einem universellen Grundeinkommen zu versorgen, um die Wirtschaft nicht zusammenbrechen zu lassen. Das aber erfordert Geldschöpfung von historischem Ausmaß und wird in einer galoppierenden Inflation enden. Mit anderen Worten: Der Fortschritt im Bereich der KI untergräbt sowohl das aktuelle Finanzsystem als auch die bestehenden Machtstrukturen und wird für gewaltige soziale und wirtschaftliche Erschütterungen sorgen.   

Welche Ihrer früheren Prognosen haben sich nicht oder anders als erwartet erfüllt? Welche konkreten Daten oder Entwicklungen würden Sie dazu bringen, eine Ihrer zentralen Thesen zu überdenken?

Leider haben sich meine Prognosen zu einem großen Teil früher erfüllt als erwartet. Meine zentralen Thesen würde ich dann überdenken, wenn die vielen Milliarden, die heute in die Vernichtungsindustrie fließen, eines Tages für sinnvolle Zwecke ausgegeben werden sollten. Die Wahrscheinlichkeit, dass das eintritt, ist allerdings unter den gegebenen Machtverhältnissen gleich null.

Wie können sich Bürgerinnen und Bürger konkret auf wirtschaftliche Unsicherheiten vorbereiten, ohne sich von Angst oder übermäßigem Pessimismus leiten zu lassen? 

Wegen der Blockade der Straße von Hormus ist in absehbarer Zeit mit einem Energieschock und einer Verminderung des Nahrungsmittelangebots zu rechnen. Beides wird die Inflation kräftig anheizen, deshalb sollte man, wenn möglich, Vorräte anlegen und auf Sachwerte setzen. Wegen der Unsicherheiten im Bankensektor und der in Europa geltenden Bail-In-Regelung (Rettung von Banken mit dem Geld von Anlegern) sollte man nicht mehr Geld als unbedingt nötig auf der Bank lassen. Für besonders wichtig halte ich den Austausch und die Vernetzung mit Gleichgesinnten, um in den kommenden Turbulenzen nicht isoliert dazustehen, sondern aus der Gemeinschaft mit anderen Energie, Lebensmut und eine Prise Kampfgeist zu schöpfen.

Die Anfrage stellte Silke Konzag.

 

Verlosung

Der Veranstalter „Dialogschmiede“ stellt dem KURIER dankenswerterweise 4 x 2  Freikarten zur Verfügung. Diese können am Montag, dem 3. August 2026, von 10.00 bis 10.05 Uhr, unter Telefon 03447/4996103, gewonnen werden. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Für ausfallende Veranstaltungen übernimmt der Verlag keine Haftung.