Altenburg. Dem KURIER wurden von Bürgern Fotos aus der Dr.-W.-Külz-Straße in Altenburg zugesandt. Die dort aufgestellten Container stehen im Zusammenhang mit einer „illegalen Deponie“, da sie überfüllt sind und Bürger ihre Altkleider daneben ablegen.

Wie in solchen Fällen häufig zu beobachten, zieht dies weitere Ablagerungen nach sich – teils auch widerrechtlich. Das Ordnungsamt der Stadt bemüht sich, solche „wilden“ Deponien regelmäßig zu beseitigen. Dennoch ergeben sich für uns folgende Fragen, die wir an die Betreiber der Altkleidercontainer, den DRK-Kreisverband Altenburger Land, vertreten durch den Vorstandsvorsitzenden Ulf Müller, sowie die APR GmbH gerichtet haben.

KURIER-Anfrage

1. In welchem Turnus werden Ihre Kleidercontainer geleert?

2. Was geschieht mit dem Inhalt der Container? Wohin werden die Kleidungsstücke verbracht und wie werden sie weiterverarbeitet? Werden sie recycelt oder verkauft?

3. Welche Maßnahmen sehen Sie, um diesen Zustand künftig zu vermeiden und ein angenehmes Wohnumfeld zu gewährleisten?

Antwort der APR GmbH: Die APR GmbH meldete sich noch am selben Tag der Versendung der E-Mail telefonisch bei uns mit den Worten sinngemäß: „Sie wissen gar nicht, was in dieser Branche los ist!“ Wir baten daraufhin um eine schriftliche Darlegung der Situation. Bis zum Redaktionsschluss erfolgte keine Beantwortung unserer Fragen. Falls diese noch erfolgen sollte, wird sie nachgereicht.

Antwort des DRK-Kreisverbands Altenburger Land e.V.: Zunächst einmal zur allgemeinen Situation zum Thema Altkleider. Wir nehmen schmerzlich wahr, das die Situation im Bereich der Sammlung und Verwertung von Altkleidern seit ca. zwei Jahren nur noch als katastrophal zu bezeichnen ist. Bis ca. 2023 war das Sammeln und Verwerten von Altkleidern ein geregelter und nutz-bringender Kreislauf der über viele Jahre hinweg gut funktioniert hat. Gebrauchte Bekleidung wurde gesammelt, sortiert und einer Wiedernutzung zugeführt. Durch die Wohlfahrtsverbände, insbesondere durch das Deutsche Rote Kreuz als ein Hauptakteur und speziell durch unseren Kreisverband wurden die Container an verschiedenen Standorten zur Verfügung gestellt, die Bekleidung wurde nach einem geregelten Tourenplan entnommen und in unser Sortierlager verbracht. Dort sortierten unsere Mitarbeiter nach Qualität, Nutzbarkeit, Sommer/Winter und nach weiteren Kriterien die vorhandenen Kleidungsstücke. Im Anschluss wurden die Altkleider in unsere damals drei Kleiderkammern geliefert und dort unentgeltlich an bedürftige Personen ausgegeben. Ein Teil der Bekleidung wurde in unserem Second Hand Shop in der Johannesstraße weiterverkauft. Einen weiteren Teil der Bekleidung wurde an ein großes Textilsortierunternehmen zur weiteren Verwertung verkauft, u.a. auch für die Aufarbeitung zur Nutzung von Textilien im industriellen Bereich. Von den Einnahmen die wir aus dem Verkauf an den Großsortierer und über unser Ladengeschäft erzielten konnten wir unsere Personalkosten in der Sortierung, im Transport, für Fahrzeugkosten und die Betriebskosten in den Kleiderkammern sowie im Ladengeschäft  refinanzieren. Ein kleiner Teil blieb auch für die Finanzierung von Ausgaben in unserem Ehrenamt übrig. Dieses umweltschonende und sinnvolle Konstrukt existiert seit mehr als zwei Jahren nicht mehr. In der Corona- Krise waren die Großsortierbetriebe nicht mehr in der Lage, ihre Produkte an die Verbraucher zu bringen. Internationale Häfen waren weltweit lange Zeit geschlossen, Versorgungswege waren unterbrochen und Lieferketten brachen zusammen. Dies hatte zur Folge, das in ganz Europa die Lager mit Gebrauchttextilien  komplett überfüllt waren und sind, dieses Überangebot führte zu einem völligen Absturz der Preise. Daraus folgend mussten selbst Branchenführer die Segel streichen und gingen in die Insolvenz. Verschärfend kam dazu das asiatische Importeure, insbesondere chinesische Anbieter die bisherigen Absatzmärkte von Altkleidern mit minderwertiger Billigkleidung überschwemmen und somit den Absatz von gebrauchter Bekleidung weiter erschweren. Da diese Fast Fashion Produkte auch den europäischen Bekleidungsmarkt förmlich  nehmen auch wir war, da die von uns gegenwärtig aus den Altkleidercontainern entnommene Bekleidung zu einem großen Teil  nicht verwertbarer Sondermüll ist und nur noch entsorgt werden kann. Dazu kommt, das die Altkleidercontainer von Bürgern generell zunehmend zur Entsorgung von Müll aller Art genutzt werden und wir für die weitere Entsorgung viel Geld aufwenden müssen. In der Folge dieser geschilderten Entwicklung mussten wir im vergangenen Jahr zwei unserer drei Kleiderkammern schließen, der Auf-gabenbereich war von großen finanziellen Verlusten betroffen und somit nicht mehr haltbar.

Trotz dem der DRK Kreisverband Altenburger Land in den vergangenen zwei Jahren finanzielle Einbußen hinnehmen musste stellen wir uns noch  der Situation und betreiben das Betätigungsfeld so lange es geht weiter. Viele andere Wohlfahrtsverbände und auch private Anbieter haben bundesweit ihre Aktivitäten eingestellt und sich zurückgezogen.

Nun aber zu Ihren konkreten Anfragen:

Wie man den Bildern entnehmen kann stehen am Standort Külzstaße zwei Container. Der rechte Container gehört zu uns der linke Container gehört einem uns nicht bekannten privaten Anbieter. Wie zu erkennen ist wurde der private Container über eine lange Zeit nicht mehr geleert die Bekleidung schaut aus dem Container heraus. Wenn diese Bekleidung nass wird ist sie für die Einlagerung unbrauchbar, vermutlich wird sie von der verantwortlichen Firma deshalb am Standort liegen gelassen in der Hoffnung, das sich um die Beräumung schon irgendwer kümmern wird. Dazu kommt, das solche Situationen gern von einem Teil von Bürgern genutzt wird um eigenen Müll zu entsorgen. Unser Container wird zweimal pro Woche geleert. Sollte es an uns einen Hinweis geben, das trotz des engen Zyklusses der Container voll ist oder wir einen Hinweis bekommen das Säcke mit Bekleidung davor stehen wird die sofortige Abholung veranlasst um zu verhindern das die Bekleidung unbrauchbar wird und von uns entsorgt werden muss. Die Frage zwei habe ich Ihnen umfänglich im Vortext beantwortet. Zur Frage drei kann ich Ihnen mitteilen, das wir unserer Verpflichtung zur Sauberhaltung unserer Containerstandorte umfänglich nachkommen. Wenn sie sich andere Containerstandorte anschauen, auf dem ausschließlich Container des DRK – Kreisverbandes stehen werden sie bemerken, das das Umfeld in einem sauberen Zustand gehalten wird. Sollte es trotz unserer engmaschigen Betreuung der Container zu Verunreinigungen kommen werden diese umgehend beseitigt. Den von Ihnen  beschrieben und dokumentierten Zustand haben wir nicht verursacht und nicht zu verantworten. Den Bildern ist zu entnehmen, das der Verursacher dieses unhaltbaren Zustandes der uns nicht bekannte private Anbieter ist da der Unrat ausschließlich an dessen Container zu finden ist.. Hier ist es aus meiner Sicht die Verantwortung der Stadt Altenburg oder Demjenigen, der dem Anbieter den Stellplatz zur Verfügung gestellt hat, dafür zu sorgen des der Private Anbieter seinen Verpflichtungen nachkommt.

Die Anfragen stellte Silke Konzag.

 

BU-Foto:

„Wilde Deponie“ in der Dr.-W.-Külz-Straße.

Foto: ©privat