Posterstein. Bürger haben sich an den KURIER gewandt und darum gebeten, den aktuellen Stand beim Solarpark in Posterstein unmittelbar an der A4 zu beleuchten. Teile der Anlage sind bereits in Betrieb. Auf einer weiteren großen Fläche wurden zwar Halterungen für Solarmodule montiert, die Arbeiten jedoch offenbar nicht abgeschlossen. Inzwischen wächst das Gelände zunehmend zu, Bautätigkeit ist derzeit nicht zu erkennen.

Ein Bürger äußerte deshalb den Verdacht, das Vorhaben könne dauerhaft ins Stocken geraten sein. Zugleich stellte er die Frage, ob wirtschaftliche Interessen größerer Energiekonzerne eine Rolle spielen könnten. Mit Blick auf die angestrebte Energiewende sei der derzeitige Zustand nur schwer nachvollziehbar.

Der KURIER wandte sich daraufhin an die zuständige Presseabteilung der Nürnberger Firma Greenovative GmbH.

Wir wollten wissen,

- warum die Bauarbeiten unterbrochen wurden und wie der aktuelle Stand des Projekts ist,

- welcher Anteil der ursprünglich geplanten rund 45 Hektar bereits bebaut wurde und wie viel Strom dort erzeugt werden kann,

- ob weiterhin rund 14.000 Vier-Personen-Haushalte mit Strom versorgt werden können,

- ob öffentliche Fördermittel bewilligt oder ausgezahlt wurden und ob diese gegebenenfalls zurückgezahlt werden müssen,

- wie die bislang ungenutzten beziehungsweise brachliegenden Flächen künftig verwendet werden und wer die bereits entstandenen Kosten trägt,

- ob es einen Zeitplan für die Fortsetzung der Arbeiten gibt und welche Voraussetzungen dafür erfüllt sein müssen.

Antwort der Greenovative GmbH: Gern erläutere ich Ihnen den aktuellen Status unseres Vorhabens in Posterstein.

Wir setzen die Freiflächenphotovoltaikanlage in Posterstein in mehreren Bauabschnitten um. Seit Oktober 2025 ist der erste Bauabschnitt mit 20 Megawatt (MWp) installierter Leistung von insgesamt 49 MWp geplanter Gesamtleistung in Betrieb. Um Passanten und Anwohnende über das weitere Vorgehen zu informieren und in Kenntnis zu setzen, dass und wie es in Posterstein weitergeht, haben wir eine Bauzaunplane aufgehangen.

Zum Zeitpunkt der Projektentwicklung des Solarparks Posterstein sind wir als Projektentwickler davon ausgegangen, dass die im Solarpaket I (2024) vorgesehene Anhebung der EEG-förderfähigen Zuschlagsgrenze von derzeit 20 Megawatt auf 50 Megawatt zeitnah in Kraft treten würde. Diese gesetzliche Anpassung steht bislang jedoch noch aus, aktuell geht man davon aus, dass die Öffnung auf 50 MW nun im neuen EEG 2027 geregelt werden wird.
Vor diesem Hintergrund haben wir uns entschieden, den Solarpark Posterstein schrittweise in Betrieb zu nehmen. Das aktuell geltende EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) sieht vor, dass innerhalb einer Gemeinde alle 24 Monate maximal 20 Megawatt an das öffentliche Netz angeschlossen werden dürfen. Entsprechend der derzeitigen Rechtslage planen wir, im Oktober 2027 weitere 20 Megawatt in Betrieb zu nehmen. Die verbleibenden 9 Megawatt sollen über direkte Stromabnahmeverträge (Power-Purchase-Agreements, kurz PPAs) vermarktet werden.

Wenngleich sich die Inbetriebnahme für den Bauabschnitt 2 bis Herbst 2027 verzögern wird, tut sich etwas beim Projekt in Posterstein. Wir leiten im Sinne der Netzdienlichkeit derzeit die Ergänzung von Graustromspeichern in der Nähe des zum Solarpark gehörigen Umspannwerkes in die Wege.

Die Gemeinde sowie die Verpächter haben keinen finanziellen Nachteil durch die oben genannten Umstände. Die Flächen für den Solarpark haben wir als Greenovative von den Eigentümern gepachtet. Die Eigentümer erhalten seit Baubeginn die vereinbarte Pacht. Die Gemeinde Posterstein profitiert vom bereits inbetriebgenommenen Bauabschnitt 1: Mit der finanziellen Beteiligung der Kom-munen nach § 6 EEG erhält sie eine gesetzlich definierte Zahlung von 0,2 Cent pro eingespeister Kilowattstunde Solarstrom. Wir zahlen diese Beteiligung, um die direkte finanzielle Teilhabe der Standortkommunen unserer Solarparks zu ermöglichen.

Fördermittel des Freistaats Thüringen oder anderer öffentlicher Stellen wurden nicht in Anspruch genommen.

Anmerkung der Redaktion

Da die Antwort aus unserer Sicht noch Fragen offenließ, baten wir die Greenovative GmbH um eine ergänzende Stellungnahme. Unsere Nachfrage lautete:

Sie begründen die Verzögerung mit der geltenden 20-Megawatt-Grenze. Handelt es sich dabei tatsächlich um eine Begrenzung des Netzanschlusses oder lediglich der EEG-Förderung – und warum kann der restliche Solarpark nicht früher über andere Vermarktungsmodelle, etwa Stromabnahmeverträge, fertiggestellt werden?

Antwort der Greenovative GmbH: Die 20-Megawatt-Grenze betrifft nicht den Netzanschluss. Der Netzanschluss ist für die gesamten Anlage gesichert und wurde entsprechend bereitgestellt.

Die Verzögerung ergibt sich vielmehr aus den Vorgaben des EEG. Gemäß § 24 EEG dürfen innerhalb einer Gemeinde Anlagen, die innerhalb eines Zeitraums von 24 Monaten in Betrieb genommen werden, für die Förderberechtigung zusammengefasst werden. In unserem Fall können deshalb derzeit nur 20 Megawatt Peak der geplanten Leistung unter den bestehenden EEG-Rahmenbedingun-gen gefördert werden. Die maßgebliche 24-Monats-Frist endet im kommenden Jahr, weshalb dann die Umsetzung sowie die Inbetriebnahme des verbleibenden Anlagenteils vorgesehen ist.

Grundsätzlich wäre auch eine frühere Umsetzung über alternative Vermarktungsmodelle, beispielsweise auf Basis von, wie von Ihnen genannt, Stromabnahmeverträgen (Power Purchase Agree-            ments – PPA) denkbar, diese Optionen haben wir auch eingehend geprüft. Bislang gibt es für das Projekt in Posterstein jedoch keine wirtschaftlich tragfähigen und langfristig attraktiven Vermarktungskonzepte, die gegenüber einer späteren EEG-geförderten Umsetzung einen vergleichbaren wirtschaftlichen Nutzen bieten würden. Die Umsetzung nach Ablauf der oben geschilderten 24-Monats-Frist ist demnach die wirtschaftlich sinnvollste Lösung für das Projekt. Da wir unsere Solarparks nicht nur planen, sondern auch selbst entwickeln, bauen und langfristig betreiben, ist es uns ein besonderes Anliegen, dass die Anlagen wirtschaftlich tragfähig sind.

 

Die Anfrage stellte Silke Konzag.