Nobitz/OT Saara. Mehr als 30 Einwohnerinnen und Einwohner füllten am Abend des 14. Juli den Versammlungsraum der Feuerwehr in Saara und die Stimmung im Saal war von Beginn an aufmerksam, stellenweise spürbar angespannt. Es ging um Projekte, die den Alltag der Menschen in den Ortsteilen ganz direkt berühren. Bürgermeister Hendrik Läbe nutzte die ersten 40 Minuten für einen detaillierten Bericht über anstehende Baumaßnahmen, bevor zwei hochemotionale Themen die Debatte bestimmten, die Verkehrssicherheit an den Bushaltestellen und der geplante Riesen-Solarpark zwischen Lehndorf und Gardschütz.

Investitionen in die Infrastruktur

Die Gemeinde Nobitz hat in den kommenden Jahren einiges vor. Das größte Vorhaben wirft bereits seine Schatten voraus. Für Oktober 2027 ist der Baubeginn für den dringend notwendigen Ersatzneubau der Pleiße-Brücke in Saara durch den Landkreis geplant. Die Gemeinde selbst beteiligt sich mit rund 63.000 Euro an flankierenden Maßnahmen. Konkret sollen ein rund 80 Meter langer Gehweg bis zur Winkelgasse in Lehndorf ausgebaut und zwei neue Straßenleuchten errichtet werden. Ebenfalls auf der Agenda stehen Oberflächenbehandlungen an den Kreisstraßen K 601 (Saara bis Wehr Gardschütz) und K 207 (Heiligenleichnam bis Lehndorf), die zeitweise unter Vollsperrung saniert werden sollen.

Gute Nachrichten gab es für die lokalen Sportstätten: Die Turnhalle in Saara erhält noch im Spätsommer für 55.000 Euro (davon 33.000 Euro Fördermittel) eine neue Lüftungsanlage, um die hartnäckigen Feuchtigkeitsprobleme bei Wettkämpfen zu lösen. Im Herbst folgt die Sanierung der Kegelbahn samt Sanitärbereich für rund 34.000 Euro.

Auch im Straßen- und Kanalbau tut sich einiges. In Großmecka wurden die wiederkehrenden Starkregenschäden bereits im Mai durch eine Straßensanierung für 36.000 EUR behoben. In Heiligenleichnam hat im Juli der Ausbau der maroden Anliegerstraße begonnen, während für Zehma die Planungen für den Straßenbau und die abwassertechnische Erschließung laufen. Im Ortsteil Mockern erneuert der Zweckverband derzeit die Kanäle in der Mittelgasse und Mühlenstraße. Zudem steht der Umbau der „Alten Schule Nobitz“ zum barrierefreien Begegnungszentrum kurz vor dem Abschluss: Ab September soll die Bibliothek im Erdgeschoss ihren Betrieb aufnehmen.

Sorge um die Schulwegsicherheit in Mockern

Deutlich emotionaler wurde es, als Bürgermeister Läbe die Pläne für den öffentlichen Nahverkehr vorstellte. Während die kaum noch genutzte Haltestelle „Drei Häuser“ in Mockern ab August komplett aus dem Fahrplan gestrichen und das baufällige Wartehaus im Winter abgerissen wird, steht an der Bundesstraße 93 in Mockern eine Modernisierung an. Für rund 125.000 Euro soll die Haltestelle 2027 barrierefrei umgebaut werden – vorausgesetzt, das Land Thüringen steuert die erhofften 90.000 Euro an Fördermitteln bei.

Doch die Nachricht stieß bei den anwesenden Eltern und Vertretern der Feuerwehr auf scharfe Kritik. Sie äußerten drängende Sorgen um die Sicherheit der Kinder, die die stark befahrene Bundesstraße queren müssen. Angesichts des dichten und schnellen Schwerlastverkehrs forderten die Bürger lautstark zusätzliche Schutzmaßnahmen. Der barrierefreie Umbau allein reiche nicht aus, um Schulkindern einen sicheren Weg zu garantieren. Bürgermeister Läbe versprach, diese massiven Bedenken direkt an die zuständigen Verkehrsbehörden des Landkreises weiterzutragen.

Heftiger Gegenwind für 12-Hektar-Solarpark

Den zeitlich und inhaltlich größten Raum nahm jedoch die geplante Freiflächen-Photovoltaikanlage zwischen Lehndorf und Gardschütz ein. Sarah Langner und Matthias Schmidt vom Münchner Projektentwickler „Privates Institut für Erneuerbare Energien GmbH“ stellten das 10-Megawatt-Projekt vor. Auf einer Fläche von rund 12 Hektar sollen Modulreihen mit einer Tischhöhe von bis zu 3,50 Metern entstehen, umschlossen von einem 2,20 Meter hohen Stabmattenzaun. Als rechtliche Basis nannten die Entwickler einen positiven Bauvorbescheid vom August 2024, der sich auf die gesetzliche Privilegierung von Solaranlagen an Bahntrassen stützt.

Obwohl das Unternehmen auf die wirtschaftlichen Vorteile für die Gemeinde verwies, darunter eine gesetzliche Standortprämie von bis zu 0,2 Cent pro Kilowattstunde und einen lokalen Gewerbesteueranteil von 90 Prozent, stieß das Vorhaben auf massiven Widerstand der Anwohner.

Besonders das Thema Hochwasserschutz sorgte für hitzige Wortmeldungen. Da die Fläche direkt am Zusammenfluss von Pleiße und Sprotte an einem ausgewiesenen Überschwemmungsgebiet liegt, befürchten die Bürger bei Starkregen katastrophale Folgen. Sie warnten davor, dass Zäune und Modultische herannahendes Treibgut aufstauen und das Wasser so in die angrenzenden Wohngebiete zurückdrücken könnten. Auch die Sorge vor Lärmbelästigungen durch Trafostationen und Wechselrichter, einer Wertminderung der umliegenden Grundstücke sowie das Risiko von Umweltschäden bei beschädigten Modulen standen im Raum. Zudem kritisierten Einwohner, dass sie erst sehr spät und eher zufällig von dem bereits seit 2023 laufenden Verfahren erfahren hätten.

Die Vertreter des Projektentwicklers bemühten sich um Schadensbegrenzung. Sie sicherten zu, die Zuwegungen für Rettungs- und Wartungsfahrzeuge sowie den genauen Abstand der Einzäunung nochmals detailliert zu prüfen und entsprechende Gutachten vorzulegen. Dennoch war die Skepsis im Raum mit Händen zu greifen. Mehrere Anwohner kündigten an, im Falle einer endgültigen Baugenehmigung rechtliche Schritte zu prüfen. Nach Auskunft des Landratsamtes Altenburger Land steht den Bürgern nach der amtlichen Bekanntgabe eine Frist von einem Monat für einen offiziellen Widerspruch offen.

Die Einwohnerversammlung machte eines unmissverständlich deutlich: Während sachliche Infrastrukturprojekte wie Straßen- und Sporthallensanierungen auf breite Zustimmung stoßen, müssen Verwaltung und Planer bei den Themen Verkehrssicherheit und Energiewende noch erhebliche Über-zeugungsarbeit leisten. Technische Gutachten allein werden hier nicht reichen, gefragt sind transparente Kommunikation und echte Lösungen für die Menschen vor Ort.

 

Peter A. Schubert

BU-Foto: Sarah Langner stellt das Projekt Solarpark Lehndorf-Gardschütz der Firma PRIVATES INSTITUT für Erneuerbare Energien GmbH aus München vor.