Meuselwitz. Nach der Berichterstattung des KURIER vom 15. August 2026 über die Suche nach gemeinsamen Lösungen für den Hainbergsee hatte sich Karsten Erler in der Redaktion gemeldet und bei einem Gespräch am See die Entwicklung aus Sicht seines Vereins geschildert. Für ihn begann die Auseinandersetzung 2011 mit dem Pachtvertrag für das Flurstück 35.2. Erler reichte nach eigenen Angaben bei der Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG) sämtliche erforderlichen Unterlagen ein, darunter Fischereipachtverträge, Hegeplan und Vereinsregisterauszug. Der Vorgang wurde unter dem Aktenzeichen AH84-1109-739211 geführt. Später sei ihm mitgeteilt worden, die Unterlagen seien nicht mehr auffindbar. Er habe sie daraufhin erneut vollständig eingereicht. Eine Erklärung für ihr Verschwinden habe er bis heute nicht. Erler vermutet zwar, dass möglicherweise Einfluss genommen worden sein könnte, betont aber, dafür keine Belege zu haben.

2017 bekundete er zudem Kaufinteresse am sachsen-anhaltischen Teil des Hainbergsees, der seit Ende 2015 an den Zeitzer Anglerfischereiverein verpachtet war. Die BVVG lehnte das Kaufgesuch ab. Auch Gespräche mit der Stadt Meuselwitz führten nach Erlers Darstellung zu keinem Erwerb. Die damalige Bürgermeisterin Golder habe auf die finanzielle Situation der Stadt verwiesen. Überlegungen, den NABU einzubeziehen, blieben ebenfalls ohne Ergeb-nis.

Ein See, zwei Bundesländer

Die Lage des Hainbergsees auf der Grenze zwischen Thüringen und Sachsen-Anhalt führt aus Sicht der Angler bis heute zu Schwierigkeiten.

„Fische kennen keine Landesgrenzen“, sagt Erler. Aus seiner Sicht lassen sich die Fischereirechte in einem zusammenhängenden Gewässer nicht völlig unabhängig voneinander betrachten. Eine Fischereigenossenschaft oder Hegegemeinschaft wäre für ihn eine mögliche Lösung gewesen, kam bislang jedoch nicht zustande.

Auch beim Fischbesatz habe es Gespräche mit dem Zeitzer Anglerfischereiverein gegeben. Der Meuselwitzer Verein investiert  jährlich rund 3.000 bis 3.500 Euro in den Besatz des Hainbergsees. Eine finanzielle Beteiligung sei laut Erler angesprochen worden, aber nicht zustande gekommen. 

Im See leben unter anderem Hechte, Zander, Barsche, Schleien, Aale sowie verschiedene Karpfenfische. Einige größere Exemplare erreichen nach Beobachtungen des Vereins Längen von bis zu 1,40 Metern.

Viel Arbeit durch den Verein

Der Meuselwitzer Angelverein zählt derzeit rund 70 Mitglieder sowie einige Schüler. Die Mitglieder kümmern sich um Uferbereiche, Wege und Badestellen, sammeln Müll und führen regelmäßig Arbeitseinsätze durch.

Neben dem Hainbergsee betreut der Verein die Tagebau-Restlöcher Fortschritt 1 und 2. Dort wurden Wege und Sitzmöglichkeiten angelegt und Grünflächen gepflegt. Die Gewässer werden auch von Spaziergängern und Wanderern genutzt. Am Hainbergsee selbst sieht Erler die Entwicklung differenziert. Auf der sachsen-anhaltischen Seite seien die Zufahrt zum Parkplatz erneuert und Schilder aufgestellt worden. Die Müllentsorgung übernehme die Stadt Meuselwitz. In früheren Jahren sei aus seiner Sicht jedoch zeitweise zu wenig für das Gelände getan worden.

Für das sachsen-anhaltische Teilstück will Erler ab 2028 erneut einen Antrag auf Verpachtung stellen. Ihm gehe es vor allem darum, die Verhältnisse eindeutig zu regeln.

Verlandung und Wasserverlust

Neben Eigentums- und Zuständigkeitsfragen bereitet dem Verein vor allem der Zustand des Sees Sorgen. An den tiefsten Stellen ist der Hainbergsee nach Angaben Erlers rund 13,5 Meter. Auf der sachsen-anhaltischen Seite gibt es dagegen Bereiche mit nur etwa einem halben Meter Wassertiefe.

Zunehmend problematisch sei die Verlandung. Bereits vor Jahren habe der Verein versucht, Schilf zurückzudrängen. Eine einfache Mahd reiche nach Erlers Erfahrung nicht aus, da die Pflanzen erneut austreiben. Für eine nachhaltige Lösung wären seiner Ansicht nach an ausgewählten Stellen Baggerarbeiten nötig, bei denen auch die Wurzeln entfernt werden. Solche Maßnahmen wären allerdings aufwendig und teuer.

Noch mehr Sorgen bereitet Erler der sinkende Wasserstand. Besonders in den vergangenen zwei bis drei Jahren habe der See nach seiner Beobachtung deutlich Wasser verloren. Eine eindeutige Ursache könne er nicht nennen. Klimatische Veränderungen könnten eine Rolle spielen. Da der See in einem ehemaligen Tagebaugebiet liegt, hält er aber auch alte Brüche, unterirdische Abflüsse oder Schäden an wasserhaltenden Schichten für mögliche Ursachen. Er betont, dass es dafür keine Belege gibt.

Früher wurde zudem Wasser aus dem Hainbergsee zur Bewässerung des Sportplatzes und von Grundstücken entnommen, dies ist mittlerweile verboten.

Eine künstliche Wasserzufuhr hält Erler technisch grundsätzlich für denkbar. Möglicherweise könnten tiefer liegende Wasseradern erschlossen werden. Die damit verbundenen Kosten dürften nach seiner Einschätzung jedoch kaum von der Stadt Meuselwitz zu tragen sein.

Gemeinsam Verantwortung übernehmen

Für die Zukunft wünscht sich Karsten Erler klare Zuständigkeiten und ein gemeinsames Vorgehen aller Beteiligten. Nicht jeder Bereich des Sees müsse intensiv gepflegt werden. Naturbelassene Flächen seien sinnvoll. Wo umgestürzte Bäume Wege blockieren oder die Nutzung des Gewässers beeinträchtigen, müsse jedoch gehandelt werden.

Letztlich müssten alle Beteiligte gemeinsam festlegen, wer welche Aufgaben übernimmt und welche Maßnahmen notwendig sind, um den weiteren Verfall des Hainbergsees zu verhindern.

Der Meuselwitzer Angelverein werde sich weiterhin um seine Gewässer kümmern und seine Interessen am Hainbergsee vertreten.

Die Redaktion