Gößnitz. Bei strömendem Regen fiel am Montag, 31. August, der symbolische Startschuss für den grundhaften Ausbau der Hohen Straße in Gößnitz. Bürgermeister Patrick Albrecht, Vertreter des Zweckverbandes Wasserver- und Abwasserentsorgung Altenburger Land (ZAL), Mitarbeiter des ausführenden Ingenieurbüros Katzung GmbH sowie der ausführenden Baufirma Bickhardt Bau Thüringen GmbH kamen dafür zum Spatenstich zusammen. In den kommenden Monaten soll die rund 1,8 Kilometer lange Straße grundlegend erneuert werden. Neben dem Straßenkörper, den Gehwegen und der Beleuchtung werden dabei auch die Leitungen für die Wasserver- und Abwasserentsorgung erneuert.

Dass die Arbeiten notwendig sind, machte Bürgermeister Patrick Albrecht vor Ort deutlich. Ein Grund ist der derzeitige Leitungsbestand in der Hohen Straße. Dieser sei bereits viele Jahrzehnte alt. Teilweise müsse der ZAL mehrfach in der Woche Leitungsschäden reparieren. Hinzu kommt die Forderung des Freistaates Thüringen, den Anschlussgrad der Direkteinleiter zu erhöhen. Auch dieser soll im Zuge der Baumaßnahme verbessert werden.

Handlungsbedarf besteht aber nicht nur unter der Erde. Auch der Straßenkörper selbst ist nach Angaben des Bürgermeisters viele Jahrzehnte alt. Dieser sei damals teilweise mit den Materialien hergestellt worden, die gerade verfügbar waren – zum Teil auch mit Unterstützung der dortigen Anlieger. Mittlerweile ist der Straßenkörper stark beschädigt. Einige Gehwege sind zudem lediglich in kiesgebundener Bauweise ausgeführt.

Die Arbeiten werden deshalb als Gemeinschaftsmaßnahme von Stadt und ZAL umgesetzt. Während der Zweckverband das Leitungsnetz für die Wasserver- und Abwasserentsorgung erneuert, übernimmt die Stadt Gößnitz den neuen Straßenkörper, die Gehwege und die Straßenbeleuchtung.

Wie umfangreich die Arbeiten sind, zeigen auch die Zahlen, die der ZAL zum Spatenstich mitbrachte: Rund 1.160 Meter Mischwasser-Hauptleitung und etwa 1.155 Meter Trinkwasser-Hauptleitung sollen verlegt werden. Hinzu kommen die jeweiligen Hausanschlussleitungen sowie insgesamt mehr als 100 Hausanschlüsse. An der Oberfläche sind rund 4.400 Quadratmeter asphaltierte Straße und etwa 2.600 Quadratmeter gepflasterte Gehwege und Kleinflächen vorgesehen. Außerdem sollen 29 LED-Straßenleuchten entstehen.

Auch für den ZAL ist die gemeinsame Umsetzung von Bedeutung. Lars Merten, Werkleiter des ZAL, erklärte beim Termin, dass der Zweckverband bereits mehrere Jahre darauf gewartet habe, gemeinsam mit der Stadt mit der Maßnahme beginnen zu können. Gemeinschaftsmaßnahmen hätten für den ZAL den Vorteil, dass dadurch ein großer Teil zusätzlicher Straßenbauarbeiten eingespart werden könne.

Arbeiten erfolgen in drei Bauabschnitten

Der grundhafte Ausbau erfolgt in insgesamt drei Bauabschnitten. Die ersten beiden bilden die östlichen Quartiere der Hohen Straße. Im südlichen Quartier sollen noch in diesem Jahr die neuen Leitungen verlegt werden. Das zweite Quartier sowie die Hauptstraße der Hohen Straße werden im kommenden Jahr begonnen. Zunächst werden in den jeweiligen Bereichen die neuen Leitungen eingebaut. Abschließend soll die neue Asphaltdecke voraussichtlich in einem Durchgang aufgetragen werden.

Auch die Erreichbarkeit der Grundstücke während der Bauarbeiten kam beim Termin zur Sprache. In den ersten beiden Bauabschnitten bleibt die Hohe Straße teilweise befahrbar. Die Anwohner können ihre Fahrzeuge dort abstellen und ihre Grundstücke zu Fuß erreichen. Anders sieht es im dritten Bauabschnitt aus. Dann wird die Verbindung zwischen der Schmöllner Straße und der Hohen Straße gesperrt. Damit wäre die Hohe Straße über diesen Weg nicht mehr erreichbar. Eine Lösung fand sich jedoch durch die Unterstützung eines Anwohners: Dieser erklärte sich bereit, sein Grundstück zur Verfügung zu stellen, damit die übrigen Anwohner die Straße auch während dieser Bauphase erreichen können.

Eine Besonderheit gibt es zudem beim Leitungsbau. An einer steilen und schwer zugänglichen Verbindung wird eine Leitung im Spülbohrverfahren eingebaut. Damit soll möglichst wenig in die vorhandene Oberfläche eingegriffen werden.

Millioneninvestition von Stadt und ZAL

Die Gesamtkosten der Baumaßnahme werden mit rund 3,3 Millionen Euro angegeben. Auf die Stadt Gößnitz entfallen nach Angaben von Bürgermeister Patrick Albrecht rund 1,8 Millionen Euro. Diese werden zunächst vollständig von der Stadt vorfinanziert. Nach Abschluss der Baumaßnahme erfolgt die Abrechnung gegenüber dem Freistaat Thüringen. Dieser zahlt Ausgleichsbeträge für die vor einigen Jahren entfallenen Straßenausbaubeiträge. Die genaue Höhe steht derzeit noch nicht fest.

Die Stadt rechnet nach Angaben Albrechts mit einem Ausgleichsbetrag in Höhe von etwa 40 Prozent der Baukosten.

Auch der ZAL investiert einen erheblichen Betrag in die Gemeinschaftsmaßnahme. Für die Arbeiten des Zweckverbandes wurde nach Angaben von Lars Merten ein Auftrag in Höhe von rund 870.000 Euro vergeben. Die Investition im Bereich der Abwasserentsorgung wird dabei mit Mitteln aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds sowie aus dem Thüringer Landeshaushalt gefördert. Der Fördersatz beträgt 50 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben. Die Trinkwasserversorgung finanziert der ZAL hingegen aus eigenen Mitteln.

Nach Abschluss der Arbeiten soll sich für die Anwohner einiges verbessern: Die neue Wasserversorgung soll die bislang regelmäßig notwendigen Reparaturen durch den ZAL reduzieren. Für betroffene Grundstückseigentümer soll künftig zudem die regelmäßige Leerung einer Klärgrube entfallen. Mit einem neuen Straßenkörper, Gehwegen und moderner Straßenbeleuchtung soll außerdem das Wohnumfeld in der Hohen Straße aufgewertet werden.

Mit dem Ende der gesamten Baumaßnahme wird nach derzeitiger Planung im Herbst 2027 gerechnet.

Gina Hartmann