Rositz. Der kürzlich im Kulturhaus „Völkerfreundschaft“ stattgefundene Vortrag von Dr. Dirk Hanke (Viaduktradweg e. V.) – zur Altenburg-Zeitzer Bahnlinie –wandte sich in seiner Fortsetzung den Bahnabschnitten zwischen Rositz und Meuselwitz zu und knüpfte folgerichtig an den Bergbau an, da in unmittelbarer Nähe Braunkohle zur weiteren Verarbeitung abgebaut wurde. Auch im zweiten Teil folgten circa 400 Besucher (darunter zahlreiche Bahnmitarbeiter) den interessanten Ausführungen zur lokalen Bahngeschichte. Mit der Bahnfahrt von Altenburg nach Rositz erhielten die anwesenden Nostalgiefreunde Einblicke an die Firmenansiedlungen sowie weiteren begleitenden Bauten innerhalb der angrenzenden Ortschaften. Bereits im ersten Vortrag vor einem Jahr wurde als Filmbeitrag die letzte Fahrt der Grubenbahn zur Rositzer Brikettfabrik als ein wertvolles historisches Filmdokument präsentiert, welches das Ende der Rositzer Industrieansiedlung – insbesondere dem Bergbau – vermittelt. War es doch die geförderte Braunkohle im Meuselwitz-Rositzer Braunkohlenrevier, die zur Gründung dieser Bahnlinie führte und letztendlich vor mehr als 30 Jahren stillgelegt wurde. Mit dem Rositzer Bahnhofshalt wurde im zweiten Teil der Altenburg-Zeitzer Bahnlinie ebenfalls ein kleiner Einblick in das Rositzer Ortsleben vermittelt. Der Bahnhof und somit die Fahrkartenausgabe schlossen am 20. Dezember 1993, worauf benötigte Fahrscheine das Zugbegleitpersonal ausstellte. Bereits seit Sommer 1964 wurde die Bahnhofsgaststätte nicht mehr bewirtschaftet, da bisherige Wirtschaftskräfte durch die HO nach Altenburg abgezogen wurden. Erinnert sei an Hugo Streckenbach, der die Gaststätte in den 1910er-, 20er- und 30er-Jahren leitete oder an Josef Kalkbrenner, der als letzter privater Gaststättenleiter im Bahnhof von 1951-1961 amtierte. Die historische Betrachtung vertiefte neben dem täglichen Personenverkehr, weiter in Richtung Meuselwitz, ebenfalls die angeschlossenen Betriebe, darunter die Zuckerfabrik (heute PAX und Wellpappe, später TFT), Grube „Gertrud“ oder die Altenburger Landkraftwerke (ALK). Weitere Betrachtungen im Rahmen des Bergbaus folgten für die angefahrenen Orte Zechau, Kriebitzsch und Meuselwitz, mit den jeweiligen Ausführungen zu den angeschlossenen Gruben bzw. Tagebauen. Allein für den Streckenbau in der Flur Kriebitzsch waren Landabtritte von 26 Eigentümern erforderlich. Mit dem Bau des zweiten Gleises Altenburg-Meuselwitz wurde am 22. März 1911 begonnen und ein Jahr später beendet. Hinzu kam die Erweiterung der Gleisanlage zur Rositzer Zuckerfabrik. 1922 erfolgte eine Erweiterung der Gleisanlagen, die es den industriellen Großunternehmern ermöglichen sollte, im harten Konkurrenzkampf wettbewerbsfähig zu bleiben. Zahlreiche Fotodokumente wurden von Gerhard Grauert (Pressefotograf Leipziger Volkszeitung, †2013) angefertigt, dessen Witwe diese Dokumente zur Verfügung stellte und selbst während dieser Veranstaltung anwesend war. In eingefügten Filmbeiträgen verfolgten die Besucher im Kulturhaussaal einige, im Film gezeigte, Interviews ehemaliger Mitarbeiter, dabei mit einigen Anekdoten aus ihren Arbeitsbereichen. Der dritte Teil zur Geschichte dieser Bahnlinie wird sich mit den Haltepunkten ab Meuselwitz (Abzweig Lucka; Mumsdorf; Tröglitz und Zeitz) sowie den angebundenen Unternehmen befassen. Im Oktober 2024 wurde innerhalb des Vereins Viaduktradweg e. V. die Sektion Eisenbahn gegründet. Kürzlich erhielt der Verein den Zuschlag zur Übernahme des Stellwerkes B5 nahe der Eisenbahnbrücke an der Kauerndorfer Allee in Altenburg. Der Dienstraum in der oberen Etage ist im Original erhalten. Das Stellwerk im Ganzen soll zu einem Museum entwickelt werden, in dem die Altenburger Eisenbahngeschichte erlebbar wird. „Es liegen noch einige Aufgaben vor uns, derzeit gibt es in diesem Gebäude weder Strom noch Gas, nur der Wasseranschluss ist noch vorhanden“, beschwichtigt der Verein. Die für den Vortrag eingegangenen Spenden sollen der bevorstehenden Nutzung des Stellwerkes zur Verfügung gestellt werden.
Foto/Text:Andreas Günther
