Wichtiger Partner der Kommunen benötigt dringend Unterstützung
Altenburger Land. Anfang Juli 2026 traf sich der KURIER im Gemeindeamt Fockendorf mit Katrin Beyerlein und Annett Reichardt vom Altenburger Verein für Beschäftigung e.V. An dem Gespräch nahmen außerdem Sabine Franke, ehemalige Bürgermeisterin der Gemeinde Lödla, sowie der Fockendorfer Bürgermeister Karsten Jähnig teil. Seit mehr als 30 Jahren organisiert der Altenburger Verein für Beschäftigung e.V. Arbeits- und Freiwilligeneinsätze in Städten, Gemeinden und Vereinen des Land-kreises Altenburger Land. Doch fehlende Förderprogramme, geringe Pauschalen und bürokratische Hürden bringen den Träger zunehmend in finanzielle Bedrängnis. Im schlimmsten Fall droht die Auflösung.
Vom Beschäftigungsprojekt zum kommunalen Dienstleister
Grünanlagen pflegen, Vereine unterstützen, in Museen helfen oder sich in Schulen, bei der Feuerwehr und in der Nachwuchsarbeit engagieren: Seit Jahrzehnten vermittelt und organisiert der Altenburger Verein für Beschäftigung e.V. Menschen für Aufgaben, die in vielen Kommunen sonst kaum zu bewältigen wären. Zu den derzeigtigen Vereinsmitgliedern gehören, die Städte Altenburg, Lucka, Gößnitz und Meuselwitz sowie die Gemeinden Fockendorf, Haselbach, Ponitz, Rositz, Lödla und Gerstenberg.
Doch die Zukunft des Vereins ist ungewiss. Die vier Gesprächspartner warnen, dass ohne politische und finanzielle Unterstützung die Liquidation drohen könnte. Gegründet wurde der Verein 1994 vor dem Hintergrund der damals hohen Arbeitslosigkeit im Altenburger Land. Gemeinsam mit Kommunen sollte ein Träger geschaffen werden, der öffentlich geförderte Beschäftigung organisiert und zugleich die Städte und Gemeinden des Altenburger Landes entlastet. In den Anfangsjahren betreute der Verein nach eigenen Angaben zeitweise zwischen 300 und 500 Menschen in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen. Sie kamen im gesamten Landkreis zum Einsatz – unter anderem bei der Pflege öffentlicher Anlagen und bei Arbeiten auf dem Flugplatz in Nobitz. Schnell und unkompliziert konnte der Verein bei Jobcenter Altenburger Land Maßnahmen zur Unterstützung bei der Beseitigung von Hochwasser und Sturmschäden beantragen und durchführen. Für die betroffenen Kommunen war dies eine enorme Entlastung. Mit dem Ende der klassischen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen veränderte sich die Arbeit. Der Verein setzte Projekte des Europäischen Sozialfonds und des Landes Thüringen um, organisierte Beschäftigungsprogramme und unterstützte neben seinen Mitgliedskommunen auch weitere Gemeinden und gemeinnützige Vereine, wie Igelhilfe oder den Botanischen Erlebnisgarten. Ein großes Programm der sogenannten Bürgerarbeit in Altenburg mit mehr als 60 Beschäftigten sei vollständig über den Verein abgewickelt worden. Heute bildet vor allem der Bundesfreiwilligendienst eine wichtige Grundlage der Arbeit.
Seit 2012 übernimmt der Verein für Kommunen und Vereine einen Großteil der Verwaltung: Er richtet Einsatzstellen ein, schließt Vereinbarungen ab, organisiert die pädagogische Begleitung und erledigt Abrechnungen sowie die Auszahlung des Taschengeldes. Bewerber können sich sowohl an Kommunen als auch direkt an den Verein unter der Telefonnummer 03447/ 505854 wenden. Dieser stellt anschließend den Kontakt zur jeweiligen Einsatzstelle her.
Mehr als eine Beschäftigungsmaßnahme
Die Verantwortlichen betonen vor allem den sozialen Wert dieser Angebote. Menschen, die längere Zeit ohne Arbeit waren oder wegen persönlicher und gesundheitlicher Voraussetzungen nur schwer auf dem regulären Arbeitsmarkt Fuß fassen, erhielten wieder eine Aufgabe und regelmäßige soziale Kontakte. Einige hätten dadurch neues Selbstvertrauen gewonnen und später sogar den Sprung in eine reguläre Beschäftigung geschafft. Auch für junge Menschen sei der Bundesfreiwilligendienst wichtig. Schulabgänger könnten ein Jahr zur beruflichen Orientierung nutzen oder praktische Erfahrungen für ein späteres Studium sammeln. Einsätze gebe es beispielsweise in Schulen, Museen, Vereinen, bei der Feuerwehr, im Sport-/Freizeitbereich und in der Landschaftspflege/Wohnumfeldverbesserung oder Natur- und Umweltschutz. Gleichzeitig engagierten sich auch ältere Menschen und Rentner, die weiterhin einige Stunden pro Woche einer sinnvollen Tätigkeit nachgehen wollten. „Wichtig ist für uns die Gemeinschaft und für die Menschen da zu sein“, heißt es aus dem Verein. Viele Teilnehmer seien dankbar, wieder gebraucht zu werden und unter Menschen zu kommen.
Fünfjährige Sperrfrist erschwert die Suche
Als eines der größten Hindernisse bezeichnet der Verein die Regelung, nach der ein Bundesfreiwilligendienst grundsätzlich erst nach fünf Jahren wiederholt werden kann. Besonders kleine Gemeinden hätten deshalb Schwierigkeiten, genügend neue Freiwillige zu finden. Es gebe durchaus ehemalige Teilnehmer, die erneut einen Dienst übernehmen würden, dies wegen der Frist jedoch nicht könnten.
Der Verein fordert deshalb, die Regelung zumindest für ältere Teilnehmer oder für Menschen mit geringen Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt zu überprüfen. Während die zeitliche Begrenzung bei jungen Menschen nachvollziehbar sein könne, passe sie nicht zu allen Alters- und Personengruppen. Entsprechende Hinweise seien bereits an das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben und an politische Vertreter und an die Ostbeauftragte der Bundesregierung, herangetragen worden. Eine spürbare Reaktion sei bislang jedoch ausgeblieben. Hinzu kommen nach Darstellung des Vereins immer weniger Fördermöglichkeiten. Ein Thüringer Landesprogramm für öffentlich geförderte Beschäftigung sei nach dem Regierungswechsel 2024 zunächst gestoppt worden. Ob und in welcher Form es fortgeführt wird, sei unklar. Die Vertreter kritisieren zudem komplizierte Richtlinien und unterschiedliche Fördermodelle, die für Teilnehmer teilweise nur schwer nachvollziehbar seien. Der Verwaltungsaufwand für Anträge, monatliche Mittelabrufe und Nachweise sei enorm.
Pauschalen reichen kaum noch aus
Auch bei den verbliebenen Arbeitsgelegenheiten des Jobcenters Altenburger Land sieht der Verein erheblichen Nachholbedarf. Die Sachkostenpauschale liege bei lediglich 30 Euro pro Teilnehmer und Monat. Daraus müssten unter anderem Arbeitskleidung, Arbeitsschutzmittel und weitere Ausgaben finanziert werden. Zugleich sei jeder Betrag teilnehmerbezogen nachzuweisen. In früheren Jahren hätten für vergleichbare Maßnahmen zunächst 150 Euro, später 100 Euro monatlich zur Verfügung gestanden. Die Reduzierung auf 30 Euro mache eine sinnvolle Ausstattung der Teilnehmer zunehmend schwierig. Mitunter müsse rechnerisch mehrere Monate gewartet werden, bis etwa ein Paar Arbeitsschuhe finanziert werden könne.
Der laufende Betrieb des Vereins wird vor allem aus Betreuungspauschalen finanziert, die für die Organisation der Bundesfreiwilligendienste gezahlt werden. Von diesen Einnahmen müssen Personal- und Betriebskosten bestritten werden. In den Jahren 2018 und 2019 betreute der Verein nach eigenen Angaben noch mehr als 65 Freiwillige. Inzwischen seien es meist nur noch 30 bis 40. Eine langfristige Finanzplanung sei deshalb kaum möglich. Die verbliebenen zwei Mitarbeiterinnen erledigten anspruchsvolle Aufgaben wie Buchhaltung, Personalverwaltung und Lohnabrechnung teilweise für eine Vergütung nahe dem Mindestlohn. Der Verein habe seine Kosten bereits stark reduziert, Maschinen und andere Ausstattung abgegeben und kleinere Verwaltungsräume bezogen. Weitere Einsparungen seien kaum noch möglich.
Auch die allgemeine Preisentwicklung werde bei den Pauschalen nicht ausreichend berücksichtigt. Seit 2012 seien die Kosten für Personal, Energie und Verwaltung deutlich gestiegen, die finanzielle Ausstattung habe damit jedoch nicht Schritt gehalten. Aus Sicht der Beteiligten könne es nicht dauerhaft als Beleg für eine ausreichende Finanzierung gelten, dass der Verein trotz aller Kürzungen bislang weitergearbeitet habe.
Kommunen fürchten zusätzliche Kosten
Für die Mitgliedsgemeinden hätte eine Auflösung direkte Folgen. Ehrenamtliche Bürgermeister und kleine Verwaltungen müssten Vereinbarungen, Abrechnungen und Personalangelegenheiten künftig selbst bearbeiten. Gerade in Verwaltungsgemeinschaften, deren Personalbestand bereits knapp bemessen sei, wäre dies ohne zusätzliche Stellen kaum zu schaffen. Nach Einschätzung der beiden Gemeindevertretungen könnten die Kosten einer eigenen Verwaltung der Freiwilligendienste deutlich über den bisherigen Mitgliedsbeiträgen liegen. Der Verein sei deshalb nicht nur ein sozialer Träger, sondern auch ein Dienstleister, der den Kommunen seit Jahrzehnten Arbeit und Kosten abnehme.
Die Verantwortlichen verlangen nun ein klares politisches Signal. Kurzfristig müsse die fünfjährige Wiederholungssperre überprüft werden. Darüber hinaus seien höhere und regelmäßig angepasste Pauschalen sowie verlässliche Programme für öffentlich geförderte Beschäftigung notwendig. Der Verein verstehe seinen Appell nicht allein als Kampf um den eigenen Fortbestand. Angesichts wirtschaftlicher Unsicherheiten und möglicher Arbeitsplatzverluste könnten solche Träger künftig wieder stärker gebraucht werden. Ein einmal aufgelöster Verein mit seinen gewachsenen Strukturen, Erfahrungen und Kontakten lasse sich jedoch nicht ohne Weiteres neu aufbauen.
Das Gespräch führte Silke Konzag.
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