Altenburg. Seit dem 12. August ist auf dem Altenburger Wochenmarkt Unruhe eingekehrt. Die Wochenmarktgebührensatzung der Stadt gilt rechtlich unangefochten – doch erstmals wird sie nun konsequent durchgesetzt. Für zahlreiche Händler, die seit bis zu 30 Jahren ihre Stände aufbauen, ist das ein Bruch mit jahrzehntelanger Praxis. Bislang galt zwischen Markthändlern und Marktaufsicht eine stillschweigende Übereinkunft. Wer krank wurde, in Urlaub fuhr oder mit einem defekten Auto liegenblieb, konnte das vorab absprechen, ohne dass Kosten anfielen. Genau diese Kulanz, so berichten Händler, falle jetzt weg.

Tatsächlich hat sich der Wortlaut der Satzung geändert. Aus der früheren „Kostenschuld“ wurde eine „Gebührenschuld“. Der Unterschied ist mehr als sprachlich. Wer seinen Standplatz nicht oder nur teilweise nutzt, bekommt nichts erstattet. Die Gebühr fällt an, egal ob verkauft wird oder nicht. Immerhin sanken die Standgebühren gegenüber der alten Fassung leicht. Auch die Stromkosten wurden vereinfacht: Statt nach geschätztem Verbrauch zahlen Händler künftig eine Pauschale. Und die Zahlungsfrist, per Überweisung oder Dauerauftrag, rückte vom 1. auf den 15. eines Monats. Kleine Erleichterungen, die den grundsätzlichen Unmut unter den Händlern aber kaum dämpfen.

Im Kern geht es um Verlässlichkeit. Wer krank wird, kann nichts dafür. Wer in den Urlaub fährt, will dem Markt nicht schaden. Und einen Autodefekt sieht niemand kommen. Dass dafür künftig trotzdem Gebühren fällig werden sollen, halten viele Händler nach Jahrzehnten treuer Marktpräsenz für unangemessen. Die Stimmung ist entsprechend angespannt. Manche Händler denken bereits ernsthaft darüber nach, dem Markt den Rücken zu kehren. Sollte diese Abwanderung tatsächlich einsetzen, drohe zumindest dem Mittwochmarkt das Aus, warnen mehrere Markthändler. Ob es so weit kommt, hängt nun maßgeblich davon ab, ob Stadtverwaltung und Händlerschaft noch einmal miteinander ins Gespräch kommen. Ein erneuter Dialog zwischen Dezernatsleitung und Markthändlern könnte helfen, praktikable Lösungen für Ausfallgründe wie Krankheit, Urlaub oder Wetter zu finden, ohne die Satzung selbst infrage zu stellen. Der Altenburger Wochenmarkt hat eine lange Tradition. Ob sie fortbesteht, entscheidet sich in den kommenden Wochen.

Peter A. Schubert