Gößnitz/Ponitz. Die Bauarbeiten rund um den Bahnhof und die Bahnstrecken prägen derzeit das Stadtbild von Gößnitz. Für viele Einwohner, Gewerbetreibende und Pendler sind die Arbeiten mit Einschränkungen verbunden. Bürgermeister Patrick Albrecht bewertet den aktuellen Stand dennoch grundsätzlich positiv. „Wann immer man auch einen Blick auf die Großbaustelle wirft, es geschieht immer etwas und jeden Tag kann man Veränderungen und Fortschritte entdecken“, erklärt Albrecht auf Anfrage. Natürlich bringe eine Baustelle dieser Größenordnung auch Belastungen mit sich. So klagten Anwohnerinnen und Anwohner unter anderem über Lärm, Verschmutzungen durch Baufahrzeuge und Einschränkungen im Umfeld des Ersatzhaltepunktes in der Walter-Rabold-Straße. Diese Situation sei für die Betroffenen nicht willkommen, gehöre aber zu einer derart großen Baumaßnahme leider dazu, so der Bürgermeister. Nach Einschätzung der Stadt nehme die Deutsche Bahn die Anliegen der Bürger ernst. Sie bemühe sich, Missstände abzustellen und Kompromisslösungen zu finden, wenn Belastungen nicht mehr erträglich seien. Auswirkungen hat die Baustelle auch auf das Straßen- und Wegenetz der Stadt. Besonders die Alexander-Puschkin-Straße und die Walter-Rabold-Straße würden stark beansprucht und teilweise in Mitleidenschaft gezogen. Die Straßen seien nicht für Schwerlastverkehr ausgelegt, so Albrecht. Positiv sei jedoch, dass die Stadt zu diesem Thema in gutem Austausch mit der Deutschen Bahn stehe. Nach Abschluss der Bauarbeiten solle ein Kompromiss zur Wiederherstellung der Straßenkörper gefunden werden. Einen grundhaften Ausbau der Straßen durch die Bahn erwartet der Bürgermeister allerdings nicht. Auf die Frage, ob es seitens der Stadt Maßnahmen oder Absprachen gebe, um Belastungen durch Sperrungen, Umleitungen und Baulärm möglichst gering zu halten, verweist Albrecht auf die Zuständigkeit der Deutschen Bahn. Die Stadt stehe aber in engem Austausch mit den Verantwortlichen. Langfristig misst der Bürgermeister dem Bahnknoten Gößnitz eine große Bedeutung für die Stadtentwicklung bei. Gößnitz habe durch seine Bahnverbindungen einen besonderen Standortvorteil, da Reisende von dort aus in alle vier Himmelsrichtungen fahren könnten. Das mache die Stadt besonders für Pendler attraktiv. Bereits die Einführung der S-Bahn-Verbindung habe gezeigt, welche Vorteile eine gute Bahnanbindung mit sich bringe. Sie ermögliche es, ländlich und vergleichsweise günstig zu wohnen und dennoch in kurzer Zeit größere Städte zu erreichen. Als Beispiel nennt Albrecht Leipzig: In etwa 45 Minuten könne man dort aussteigen und am Großstadtleben teilnehmen. Durch den aktuellen Streckenausbau werde dieses Potenzial weiter verbessert, so der Bürgermeister. Offen bleibe aus seiner Sicht noch die Modernisierung der Strecke ins Landesinnere. Die Anbindung in Richtung Jena, Weimar oder Erfurt bewertet Albrecht derzeit als mittelmäßig. Es gebe jedoch positive Signale von der Deutschen Bahn und Politik, dass auch diese Maßnahme in den kommenden Jahren umgesetzt werden könne. Dadurch würde die Attraktivität der Bahnverbindungen von und nach Gößnitz weiter steigen. Ein Bahnsprecher erläutert auf Anfrage des KURIER den aktuellen Stand, die nächsten Schritte und die Bedeutung des Projekts für Gößnitz und das Altenburger Land. Wie ist der aktuelle Stand der Bauarbeiten am Bahnhof Gößnitz und am Knoten Gößnitz? Die Arbeiten im Bereich des Bahnhofs Gößnitz sind bereits weit fortgeschritten – ein Großteil der Maßnahmen konnte erfolgreich umgesetzt werden. So wurde die Personenunterführung von der Walter-Rabold-Straße bis zu den Bahnsteigen 3/4 bereits mit barrierefreien Zugängen hergestellt. Auch die neuen Bahnsteige 3 und 4 sind bereits in Betrieb. Darüber hinaus wurden die Gleise 7, 8 und 9 sowie die Eisenbahnüberführung Moorbachbrücke und der Bahnübergang Walter-Rabold-Straße erneuert. Die neue Eisenbahnüberführung Hainberg ist ebenfalls größtenteils fertiggestellt. Auf dem angrenzenden Streckenabschnitt bis Ponitz und Crimmitschau konnte das bahnrechte Gleis fertiggestellt werden. Zudem wurden mehrere Durchlässe sowie die Eisenbahnüberführungen Gosel und Gistige erneuert. Die Eisenbahnüberführungen Bahnhofstraße und Merlacher Straße in Ponitz sind ebenfalls weitgehend fertiggestellt. Am Haltepunkt Ponitz wurde außerdem der neue Bahnsteig 1 einschließlich Wetterschutzhäuschen in Betrieb genommen. Welche Arbeiten stehen aktuell im Mittelpunkt?Derzeit arbeiten wir unter anderem an der Herstellung der neuen Stützwand in der Alexander-Puschkin-Straße. Dafür werden die Baugrube und Bohrpfähle hergestellt und Baustraßen angepasst. Im Bahnhof Gößnitz erneuern wir die Gleise 1 bis 3 und den verbleibenden Abschnitt des Personentunnels (Unterführung der Gleise 7 bis 9). Zusätzlich finden Erdbau- und Entwässerungsarbeiten sowie die Herstellung der neuen Lärmschutzwände im Bereich der Walter-Rabold-Straße und Bahnstraße statt. Auf dem Abschnitt Ponitz bis Crimmitschau komplettieren wir die Lärmschutzwände sowie das bahnlinke Gleis. In Ponitz bauen wir derzeit den neuen Bahnsteig 2. Parallel dazu arbeiten wir an den Eisenbahnüberführungen an der Schmöllner Straße, am Paradiesbach und an der Breitscheidstraße. Laut Projektzeitplan ist das Bauende für November 2026 vorgesehen. Ist dieser Zeitplan weiterhin realistisch? Die Hauptarbeiten im Knoten Gößnitz werden bis Ende des Jahres fertiggestellt. Beim Bau der Stützwände entlang der Alexander-Puschkin-Straße sind jedoch Anpassungen erforderlich, da die Baugrundverhältnisse den Einsatz einer modifizierten Bauweise und neuer Bautechnologien notwendig machen. Zusätzlich wirkt sich die derzeit angespannte Ressourcenlage in der Leit- und Sicherungstechnik auf den Bauablauf aus. Diese werden derzeit bewertet und mit allen Beteiligten abgestimmt. Nach genauer Prüfung werden wir gesondert dazu informieren. Welche größeren Bauphasen oder Sperrungen stehen bis zum Abschluss des Projekts noch an? Derzeit ist geplant, die Hauptbaumaßnahmen in Ponitz und Crimmitschau sowie im Bereich des Bahnüberganges Walter-Rabold-Straße im Rahmen der Sperrpause vom 22. August bis 19. Oktober 2026 umzusetzen. Im Anschluss erfolgen Restleistungen entlang der Strecke und die Fertigstellung der Stützwände entlang der Alexander-Puschkin-Straße. In einer weiteren Sperrpause im Jahr 2027 ist die finale Abnahme vorgesehen. Welche Verbesserungen bringt der Ausbau für Reisende konkret? Die Modernisierung des Bahnhofs Gößnitz und der angrenzenden Bahnstrecke bietet die technischen Voraussetzungen für Geschwindigkeiten bis zu 160 km/h für den Personenverkehr und bis zu 120 km/h für den Güterverkehr. Das neue Elektronische Stellwerk ermöglicht eine flexiblere Steuerung der Züge und reduziert Störungen, was zu einem zuverlässigeren Bahnverkehr auf der Strecke beiträgt. Reisende profitieren künftig am Haltepunkt Ponitz und am Bahnhof Gößnitz von einer umfassenden Barrierefreiheit. Dazu zählen niveaugleiche Einstiege, stufenlose Wege zu den Gleisen und taktile Leitsysteme für sehbehinderte Menschen. Das Erscheinungsbild des Bahnhof Gößnitz wird insbesondere durch die künstlerische Gestaltung der neuen Personenunterführung aufgewertet. Hier arbeiten wir mit professionellen Graffitikünstlern und interessierten Schülerinnen und Schülern der Regelschule Gößnitz zusammen, um die Wände hell und einladend mit Motiven der Region zu gestalten. Eine hochwertige Lackierung sorgt für Schutz vor Vandalismus. Welche Bedeutung hat der Knoten Gößnitz künftig für Regionalverkehr, Güterverkehr und die Sachsen-Franken-Magistrale insgesamt? Der Knoten Gößnitz ist der Kreuzungspunkt zur Mitte-Deutschland-Verbindung und stellt somit einen wichtigen Umsteigpunkt in alle Richtungen dar. Darüber hinaus ist der Knoten Teil der Sachsen-Franken-Magistrale, der S-Bahn-Verbindung von Halle über Leipzig nach Zwickau sowie des Ostkorridors als Verbindung zu den Seehäfen im Norden und Regensburg im Süden und damit von hoher regionaler und überregionaler Bedeutung für Personen- und Güterverkehr. Inwieweit profitiert Gößnitz und das Altenburger Land langfristig von der Modernisierung? Mit der Modernisierung wird die Leistungsfähigkeit der Strecke erhöht und attraktive Pendlerverbindungen zwischen den Städten und dem Umland geschaffen. Barrierefreie Zugänge erleichtern das Ein-, Aus- und Umsteigen. Mit der Gesamtfertigstellung der Arbeiten an der Sachsen-Franken-Magistrale werden Reise- und Transportzeiten verkürzt. Wie geht die Deutsche Bahn mit Belastungen für Anwohnerinnen und Anwohner um ? Auf unserer Website www.sachsen-franken-magistrale.deinformieren wir umfangreich über die Arbeiten. Dort besteht auch die Möglichkeit, einen Newsletter zu abonnieren und Neuigkeiten somit direkt per E-Mail zu erhalten. Wir veröffentlichen alle ein bis zwei Monate Informationsschreiben zu den aktuellen Maßnahmen und Einschränkungen über die Amtsblätter der Gemeinden und unsere Website. Bei besonders wichtigen Änderungen erhalten betroffene Anwohnende über eine Postwurfsendung alle Informationen direkt in den Briefkasten. Wir sind außerdem bestrebt, lärmintensive Arbeiten in den Tagstunden durchzuführen. Da dies nicht immer möglich ist, bieten wir Betroffenen bei Überschreitung des zumutbaren Geräuschpegels Übernachtungen in einem Hotel an. Unter unserer Mailadresse [email protected] stehen wir für Fragen und Hinweise zur Verfügung. Für persönliche Gespräche öffnen wir in regelmäßigen Abständen unseren Informationspunkt in der Wehrstraße 18. Die Termine werden vorab kommuniziert. Welche Maßnahmen gibt es zur Verkehrsführung, Straßenreinigung und Kommunikation mit Stadt und Anwohnern? Wir stehen in regelmäßigem Kontakt mit den Verantwortlichen der Gemeinden und stimmen relevante Maßnahmen auf Arbeitsebene ab. Um Verschmutzungen so gering wie möglich zu halten, erfolgt in enger Abstimmung mit den Verantwortlichen der Gemeinden eine verstärkte Reinigung der betroffenen Verkehrsflächen. Dazu zählen die Reinigung der Anlieferstraßen mit Saug- und Spülwagen sowie die Reinigung der Gehsteige mit Wasser. Darüber hinaus wurden in besonders belasteten Bereichen Reifenwaschanlagen zur Reduzierung der Verschmutzung installiert. Gibt es beim Bau besondere technische Herausforderungen? Derzeit liegt eine besondere Herausforderung in der Herstellung der Stützwand entlang der Alexander-Puschkin-Straße, die als Voraussetzung für die nachfolgenden Arbeiten im Baufeld Süd dient. Ebenso stellt die Anbindung der neuen Personenunterführung im Bahnhof an den Bestandszugang von der Bahnhofstraße einen technisch komplexen Bauabschnitt dar, der eine Vielzahl kleinteiliger Arbeitsschritte erfordert. Die Fertigstellung der Personenunterführung bildet wiederum die Grundlage für den Aufbau der darüberliegenden Gleisanlagen. Welche Lärmschutz- und Umweltschutzmaßnahmen sind im Bereich Gößnitz vorgesehen bzw. bereits umgesetzt? Zum Schutz von Natur und Umwelt wurden im Rahmen des Planfeststellungsbeschlusses Lärm- und Umweltschutzmaßnahmen festgelegt. Dazu zählen passive Schallschutzmaßnahmen (z.B. der Einbau von Lärmschutzfenstern oder -lüftern) und aktive Maßnahmen (z.B. Lärmschutzwände). Im Bereich des Bahnhofs Gößnitz werden z. B. zwei Lärmschutzwände mit einer Gesamtlänge von über 800 Metern und einer Höhe von bis zu fünf Metern errichtet. Im Rahmen des Umweltschutzes wurde ein landschaftspflegerischer Begleitplan erstellt. Dort ist festgelegt, wie Eingriffe in die Natur gemindert oder kompensiert werden müssen. Bereits vor Baubeginn wurden beispielsweise Ersatzlebensräume für Zauneidechsen geschaffen und die Tiere umgesiedelt. Zwischen Gößnitz und Crimmitschau werden nach Abschluss der Arbeiten Streuobstwiesen angelegt. Die Anfrage stellte Anne Grahneis. (Foto: Gina Hartmann)
