Vollmershain. Da uns der Sommer 2026 phasenweise mit tropischen Temperaturen verwöhnt, darf eine KURIER-Exkursion in ein Freibad im Altenburger Land natürlich nicht fehlen. In diesem Jahr ging es in die Dorfstraße 79 nach Vollmershain. Dort befindet sich ein gemütliches und weitläufiges Freibad, welches sich großer Beliebtheit erfreut.

Doch nun zur Auflösung der Überschrift: Dass „36 Grad“ ein Titel der Band „2raumwohnung“ ist, wissen sicherlich die meisten. Was „Po auf und zu“ bedeutet, wissen hingegen nur diejenigen, die das Freibad Vollmershain besuchen. Schwimmlehrerin Hanna kümmerte sich an diesem Mittwoch (29. Juli) liebevoll um die kleinen Schwimmschülerinnen und Schwimmschüler. Mit ihrer ebenso einprägsamen wie witzigen Anweisung „Po auf und zu“ half sie ihnen dabei, die Beinbewegungen richtig auszuführen.

Gern hätte sich auch der KURIER eingereiht, doch es scheiterte an der Schwimmnudel. Spaß beiseite: Selbstverständlich können vor Ort verschiedene Schwimmutensilien ausgeliehen werden. Im Anschluss an unseren Inkognito-Besuch sprachen wir mit Sina Burkhardt. Sie ist Vorstandsmitglied und Social-Media-Beauftragte des Sport- und Badvereins Sprottenaue e. V. Der Sport- und Badverein Sprottenaue e. V. hält das Freibad Vollmershain mit viel ehrenamtlichem Einsatz am Laufen – und schafft damit einen sommerlichen Treffpunkt für die ganze Region.

 

Ein Freibad, das von Zusammenhalt lebt

Wenn die ersten Badegäste ihre Handtücher auf der großen Liegewiese ausbreiten und Kinder ins Wasser springen, liegt ein beträchtlicher Teil der Arbeit bereits hinter den Mitgliedern des Sport- und Badvereins Sprottenaue e.V. Sie bereiten das Becken vor, organisieren Personal, kümmern sich um die Wasserqualität und sorgen dafür, dass das Freibad während der Sommermonate zuverlässig betrieben werden kann.

„Der komplette Betrieb des Freibades liegt in unserer Hand“, erklärt Vereinsmitglied Sina Burkhardt im Gespräch. Dazu gehören die Einstellung der Kassenkräfte, des Schwimmmeisters und weiterer Hilfskräfte ebenso wie die Bestellung der benötigten Wasserchemie. Vor jeder Saison muss das Becken gründlich gereinigt, neu gestrichen und anschließend mit Wasser gefüllt werden. Hinzu kommen Absprachen mit den zuständigen Versorgungsunternehmen und zahlreiche organisatorische Aufgaben.

 

Vereinsmitglieder übernehmen feste Dienste

Auch während der Saison gibt es jeden Tag viel zu tun. Hilfskräfte setzen morgens und abends den Beckenstaubsauger ein, reinigen die Duschen und kümmern sich um das Kinderbecken und die Flächen rund um das Schwimmbecken. Fachkundige Vereinsmitglieder kontrollieren regelmäßig die Wasserwerte und stellen die Wasserchemie ein. Die Mitglieder selbst übernehmen außerdem wochenweise die Reinigung der Umkleideräume und Toiletten. Sie füllen Seife und Toilettenpapier nach und achten darauf, dass die Anlage sauber bleibt. Ergänzt wird das Team durch angestellte Kassenkräfte und den selbstständig betriebenen Imbiss.

Inzwischen engagieren sich im Verein mehr als 60 aktive Mitglieder. Gesucht werden weiterhin Menschen, die an der Kasse, bei der Grünpflege, bei Veranstaltungen oder bei Verwaltungsaufgaben helfen möchten. Das Engagement geschieht größtenteils neben Beruf und Familie. „Wir haben alle Jobs, denen wir hauptberuflich nachgehen. Und in unserer Freizeit sind wir für das Ehrenamt, also unser Freibad tätig“, bestätigte Sina Burkhardt. Trotzdem melden sich immer wieder Menschen, die das Freibad unterstützen möchten. Einige seien dem Verein beigetreten, weil sie dessen Arbeit gut fänden und einfach mithelfen wollten.

 

Wassertemperatur wird regelmäßig veröffentlicht

Wie warm das Wasser gerade ist und ob das Freibad wetterbedingt geöffnet bleibt, erfahren die Gäste vor allem über die sozialen Netzwerke. Der Verein informiert über Facebook, Instagram und WhatsKanal über Öffnungszeiten, Wassertemperatur, Schwimmkurse und mögliche Einschränkungen im Badebetrieb. Gerade an wechselhaften Tagen sei diese Information wichtig, erklärt Burkhardt. Bei anhaltend warmem Wetter sei meist offensichtlich, dass das Freibad geöffnet ist. Bei unsicheren Wetterlagen werde dagegen ausdrücklich mitgeteilt, ob der Badebetrieb stattfindet und welche Temperatur das Wasser hat. Während einer Hitzeperiode im Juni mit Lufttemperaturen von annähernd 40 Grad habe das Wasser nach Burkhardts Worten den höchsten Wert von 30 Grad Celsius erreicht, den das Team bis dahin gemessen hatte. 

 

In den Sommerferien täglich geöffnet

Für die Thüringer Sommerferien die noch bis 14. August 2026 gelten, sind die täglichen Öffnungszeit von 10.00 bis 19.00 Uhr bindend. Vor und nach den Ferien ist das Bad montags bis freitags von 12.00 bis 19.00 Uhr sowie samstags und sonntags von 10.00 bis 19.00 Uhr geöffnet. Kurzfristige Anpassungen werden am Eingang beziehungsweise am Kassenhaus sowie über die Informationskanäle des Freibades bekannt gegeben. Termine für ein mögliches Nachtbaden werden ebenfalls gesondert veröffentlicht. „Unser Freibad ist regulär Ende  Mai bis zum Anfang September 2026 geöffnet. Wir legen dennoch je nach Wetterlage fest, wie lange die Badesaison jedes Jahr dauert. Somit kann der Badbetrieb auch nach dem 6. September stattfinden. Bitte gern in den sozialien Netzwerken informieren“, so Sina Burkhardt. 

 

Bis zu 800 Gäste an besonders heißen Tagen

Wie viele Menschen das Freibad besuchen, hängt stark vom Wetter ab. An schwächeren Tagen sei der Verein bereits mit 50 bis 100 Gästen zufrieden, berichtet Burkhardt. Bei sommerlichen Temperaturen kämen häufig 300 bis 400 Besucherinnen und Besucher. Während einer besonders heißen Wetterlage seien sogar rund 800 Gäste gezählt worden. Trotzdem wirke das Gelände auch an gut besuchten Tagen nicht überfüllt. Die weitläufige Liegewiese und der alte Baumbestand bieten viel Platz und zahlreiche schattige Bereiche. Gerade Familien, ältere Menschen und Gäste, die starke Sonne nicht gut vertragen, schätzen diese natürlichen Schattenplätze.

 

Schwimmkurse liegen dem Verein am Herzen

Eine besondere Bedeutung haben die Schwimmkurse für Kinder. Sie sollen nicht nur zusätzliche Einnahmen für das Bad bringen, sondern vor allem dazu beitragen, dass Kinder sicher schwimmen lernen. Die Nachfrage kommt nicht allein aus Vollmershain. Auch Familien aus dem übrigen Altenburger Land und aus Orten in einem Umkreis von etwa zehn Kilometern nehmen die Angebote wahr. Sogar aus Gera habe es bereits Anfragen gegeben.

Anmeldungen sind über das Kontaktformular der Internetseite,  über Facebook oder direkt beim Schwimmmeister möglich.

 

Veranstaltungen helfen bei der Finanzierung

Mit Eintrittsgeldern allein lässt sich der Badebetrieb nicht finanzieren. Deshalb organisiert der Verein verschiedene Veranstaltungen. Dazu gehört ein Musikfestival „Nass mit Bass“ mit moderner und elektronischer Musik. Die Vereinsmitglieder buchen die Bühne und die Künstler, organisieren die Veranstaltung und übernehmen den Getränkeverkauf. Auch Aktionen zu Ostern und zum Saisonauftakt, Bastelangebote, Tombolas, Kuchenbasare und Veranstaltungen rund um den Kindertag helfen dabei, zusätzliche Einnahmen zu erzielen. Gleichzeitig machen sie das Freibad zu einem Treffpunkt, der weit über den normalen Badebetrieb hinausgeht.

Am 6. September 2026 um 11.00 Uhr ist außerdem ein Tauffest des Altenburger Kirchenkreises im Freibad Vollmershain vorgesehen. 

Fotos (4): © Sport- und Badverein Sprottenaue e. V. 

 

Trotzt großem ehrenamtlichen Engagement bleibt der Betrieb  eine finanzielle Wackelpartie

Trotz aller Veranstaltungen bleibt die Finanzierung schwierig. Ein verregneter oder kühler Sommer bedeutet weniger Gäste und damit geringere Einnahmen. Burkhardt bezeichnet den Freibadbetrieb deshalb als eine ständige „Wackelpartie“.

Aus ihrer Sicht sind Freibäder ein Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge. Gleichzeitig werde ein großer Teil der Verantwortung auf ehrenamtlich arbeitende Menschen übertragen. Die Vereinsmitglieder investierten viele Stunden mit Herzblut, ohne dafür bezahlt zu werden, um damit die Region für die hier lebenden Menschen zu bereichern und einen Aufenthalt bestmöglich aufrecht zu erhalten. 

Unterstützung erhält der Verein von der Gemeinde sowie von Unternehmen aus der Region. Diese helfen mit Geld- und Sachspenden oder kommen dem Verein bei benötigten Leistungen entgegen. Beim Ausbau des Spielplatzes konnten beispielsweise Materialien günstiger bereitgestellt oder Container zeitweise kostenlos überlassen werden. Der Verein wirbt deshalb regelmäßig um Sponsoren und Spenden.

„Dennoch ist ein Umdenken in der Politik gefragt, denn das Ehrenamt ist wichtig, sollte aber intensiver unterstützt werden“, unterstreicht Sina Burkhardt. 

 

Schwimmmeister sind schwer zu finden

Eine weitere Herausforderung ist die Besetzung der Badeaufsicht. Der Verein arbeitet dabei teilweise mit der Wasserwacht Koberbachtalsperre zusammen, die den Badebetrieb absichert. Dennoch beginne die Suche nach geeignetem Personal in jedem Jahr von Neuem, berichtet Burkhardt. Freibäder könnten Schwimmmeister meist nur für wenige Monate beschäftigen. Viele Fachkräfte entschieden sich daher für Hallenbäder oder andere Einrichtungen, die eine ganzjährige Anstellung anbieten können. Interessierte können sich gern an den Verein unter E-Mail: [email protected] wenden. 

 

Zum Saisonende dürfen die Hunde ins Wasser

Eine lieb gewonnene Besonderheit ist das Hundebaden zum Ende der Saison. Am letzten Badetag gehört das Becken den Vierbeinern. Viele Hundehalterinnen und Hundehalter freuen sich bereits lange im Voraus auf die Veranstaltung und kommen jedes Jahr wieder. Danach beginnt für die Ehrenamtlichen erneut die Zeit der Nachbereitung und Planung für die Saison 2027. Dazu gehören natürlich auch Arbeiten wie das Winterfestmachen des Bades und das Ablassen des Wassers im Frühjahr der neuen Saison 2027, damit der Frost dem Beton nichts anhaben kann. 

Das Freibad Vollmershain ist deshalb mehr als ein Ort zum Schwimmen. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt – getragen von Ehrenamt, regionaler Unterstützung und dem Wunsch, einen besonderen Ort für Kinder, Familien und Gäste aus der gesamten Umgebung zu erhalten.

Das Gespräch zum Artikel führte Silke Konzag.