Altenburger Land. Der Tourismus im Altenburger Land ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor – und er wächst. Bei der Mitgliederversammlung des Tourismusverbandes Altenburger Land e.V. (TVAL) am 3. Juni 2026 im Best Western Hotel Altenburger Land präsentierte die dwif-Consulting GmbH die Ergebnisse zum „Wirtschaftsfaktor Tourismus 2024“. Sie belegen eine spürbar positive Entwicklung seit 2019.

Wirtschaftsfaktor mit klarer Aufwärtsentwicklung

2024 erzeugte der Tourismus im Altenburger Land 71,0 Millionen Euro Bruttoumsatz – ein Plus von 19,5 Prozent gegenüber 2019. Die Übernachtungen stiegen um 8,6 Prozent. Daraus resultiert eine touristische Wertschöpfung von 32,9 Millionen Euro, die rechnerisch rund 1.501 Menschen ein durchschnittliches Einkommen sichern kann; hinzu kommen 6,7 Millionen Euro Steueraufkommen für die öffentlichen Haushalte. Vom Tourismus profitieren dabei weit mehr als Hotels und Gaststätten – auch Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleister der Region.

Die Zahlen machen deutlich, welchen Stellenwert der Tourismus für unsere Region hat: Er sichert Einkommen, stärkt Handel und Gastronomie und macht das Altenburger Land als Standort attraktiver. Diesen Weg gehen wir als Verband konsequent und gemeinsam mit unseren Partnern weiter“, so André Neumann, Vorstandsvorsitzender des Tourismusverbandes Altenburger Land e.V.

2025: Unsere Arbeit wirkt

Hinter dieser Entwicklung steht die kontinuierliche fachliche Arbeit des Verbandes. 2025 hat der TVAL seine Binnenkommunikation gestärkt und seine Jahreskampagnen crossmedial, zielgruppengenau und themenorientiert ausgespielt. Das Marketing wirkt: 71 Prozent der Nachfrage nach Informationsmaterial entfallen auf sechs strategisch relevante Bundesländer – Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg sowie Berlin und Brandenburg. Das freut den Verband besonders, denn diese Märkte bringen Übernachtungsgäste, die pro Kopf eine höhere Wertschöpfung erzielen – bei Übernachtung, Gastronomie, Freizeiteinrichtungen, regionalen Produk-ten und im Einzelhandel. Die Nachfrage insgesamt stieg gegenüber dem Vorjahr um 10 Prozent. Entlang der gesamten „Reise des Gastes“ – von der Inspiration über die Buchung bis zum Aufenthalt – baut der Verband seine digitalen Kanäle weiter aus.

Strategischer Ansatz für eine nachhaltige Entwicklung

Der strategische Ansatz des TVAL für eine nachhaltige touristische Entwicklung folgt fünf Leitlinien: Der Verband arbeitet datenbasiert und weiß, woher seine Gäste kommen, warum sie reisen und wie zufrieden sie sind. Er arbeitet themenorientiert entlang seiner Tourismusstrategie, setzt auf Digitalisierung, macht mit regionalen Themen sichtbar, was das Altenburger Land besonders macht, und baut auf ein starkes Netzwerk aus Partnern der Region.

Ausblick 2026: Zwei Ziele, ein klarer Kurs

Für 2026 verfolgt der TVAL zwei zentrale Ziele: mehr Übernachtungen aus den Wachstumsmärkten Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg sowie Berlin und Brandenburg sowie eine durchgängige Online-Buchbarkeit von Unterkünften und Erlebnissen. Der Verband setzt auf bewährte Austauschformate wie den Beherbergungsstammtisch, den Produzentenstammtisch und den Stammtisch der Kulturakteure, auf einen starken Gruppenreiseservice sowie auf ein crossmediales, zielgruppengerechtes und themenorientiertes Außenmarketing.

Wir entwickeln uns nicht im luftleeren Raum zu einer Reisedestination, sondern orientieren uns konsequent an dem, was heute von einer zukunftsfähigen Destination erwartet wird – und entwickeln das Altenburger Land zukunftsfähig und nachhaltig weiter“, erklärte Jeannette Kreyßel, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Altenburger Land e.V.

 

Tourismusverband    Altenburger Land e.V.

 

BU-Foto (4. Beitrag_Tourismus als wachsender Wirtschaftsfaktor_Luftaufnahme Schloss.jpg):

Luftaufnahme mit Blick zum Residenzschloss Altenburg

Foto: Silvio Oeser, PicPond Photography

 

 

 

- Kurier fragt nach -

Welche Maßnahmen haben für den Tourismus im Altenburger Land höchste Priorität, um die Region noch attraktiver

für Gäste und Einheimische zu machen?

 

 

Altenburger Land. Bezugnehmend auf die Pressemitteilung des Tourismusverbandes Altenburger Land e. V. mit dem Titel „Tourismus als wachsender Wirtschaftsfaktor für das Altenburger Land“ hat der KURIER bei der Geschäftsführerin des Tourismusverbandes, Jeannette Kreyßel, genauer nachgefragt. Hintergrund ist, dass einige der in der Mitteilung dargestellten Entwicklungen aus Sicht des KURIER und Bürgern    nicht in allen Punkten mit dem öffentlichen Bild der Stadt und den vor Ort wahrgenommenen Gegebenheiten übereinstimmen. Ziel der Nachfrage ist es, diese Aspekte näher zu beleuchten und ein umfassenderes Bild der Situation zu erhalten.

Wie will der Verband steigende Gästezahlen bewältigen, wenn vielerorts Fachkräfte fehlen? Gibt es konkrete Maßnahmen zur Fachkräftegewinnung und -bindung?

Beim Thema Fachkräfte verstehen wir uns als Partner unserer Leistungsträger und bringen uns mit konkreten Angeboten ein. So bieten wir regelmäßig Stammtische und Infoveranstaltungen an, in denen es um Produktentwicklung, Qualitätssicherung sowie Fachkräftegewinnung und -bindung geht. Zuletzt war hierzu ein Referent der IHK zu Gast, der konkrete Unterstützungsangebote vorgestellt hat. Darüber hinaus stellen wir digitale Tools vor, die den Arbeitsalltag erleichtern, und qualifizieren die Betriebe in deren Anwendung. Ergänzend dazu dient unser regelmäßig erscheinender Partner-Newsletter als zentrales Kommunikationsinstrument: Er erreicht inzwischen mehr als 390 Kontakte aus Mitgliedsbetrieben, Partnerorganisationen und touristischen Akteurskreisen im Altenburger Land und trägt dazu bei, aktuelle Neuigkeiten, relevante Bran-cheninformationen, Fördermöglichkeiten und Best-Practice-Beispiele kontinuierlich und flächendeckend weiterzugeben.

2. Wo sehen Sie bei Sauberkeit, Ordnung und Stadtbild – insbesondere in Altenburg – Handlungsbedarf, und wie lässt sich die Aufenthaltsqualität verbessern?

Die Rückmeldungen der Gäste sind in diesem Punkt überwiegend positiv. In der Tourismusinformation äußern sie sich größtenteils zufrieden über ihren Aufenthalt –in Altenburg werden insbesondere die Architektur, das kulturelle Angebot und das Stadtensemble genannt. Die thüringenweite Gästebefragung 2024 bestätigt dies: Für ein intaktes Ortsbild wurde das Altenburger Land mit der Schulnote 2 bewertet. Solche Aussagen treffen wir nicht aus dem Bauch heraus – wir arbeiten datenbasiert und wissen, woher unsere Gäste kommen und wie zufrieden sie sind, die Gästebefragung ist ein Baustein dieser Grundlage. Sauberkeit, Ordnung und Stadtbild liegen in der Zuständigkeit der Städte und Gemeinden, als Tourismusverband bringen wir die Sicht unserer Gäste gern ein und nehmen uns des Themas mit an.

3. Wie bewerten Sie den Zustand von öffentlichen Toiletten, Beschilderung und Wegeleitsystemen, und welche Verbesserungen sind geplant?

Die Bereitstellung öffentlicher Toiletten obliegt den Städten und Gemeinden – gleichwohl tragen wir gern zu einem guten Angebot bei. Das Konzept der Stadtverwaltung Altenburg „Nette Toilette“, an dem sich mehrere Partner beteiligen, wird von den Gästen gut angenommen. Die touristische Beschilderung betreut der Wegewart des Verbandes, der regelmäßig zu Befahrungen unterwegs ist. Er entfernt Aufkleber von den Zielfahnen und ersetzt Wegweiser, die durch Vandalismus beschädigt oder entfernt wurden. Das Wegeleitsystem wird auf diese Weise fortlaufend instandgehalten.

4. Die Studie weist 32,9 Mio. Euro Wertschöpfung aus. Wie viel kommt bei regionalen Unternehmen und Beschäftigten an, und welche Branchen profitieren besonders?

Zunächst die Größenordnung: Gäste geben im Altenburger Land jährlich 71,0 Millionen Euro aus. Dieser Bruttoumsatz wird unmittelbar in der Region umgesetzt – den höchsten Anteil hat das Gastgewerbe mit 34,2 Millionen Euro (48 %), gefolgt vom Einzelhandel mit 21,6 Millionen Euro (30 %) und den Dienstleistern mit 15,2 Millionen Euro (21 %). Aus diesem Umsatz errechnet die dwif-Studie die touristische Wertschöpfung von 32,9 Millionen Euro – den Teil, der als Einkommen in der Region verbleibt. Er setzt sich aus 20,3 Millionen Euro direkter Wertschöpfung bei den Betrieben mit Gästekontakt und 12,6 Millionen Euro indirekter Wertschöpfung bei deren Vorleistern zusammen – also den Zulieferern und Dienstleistern, die die touristischen Betriebe mit Waren und Leistungen versorgen, vom Lebensmittellieferanten bis zum Handwerk. Rechnerisch entspricht diese Wertschöpfung dem Einkommen von rund 1.501 Personen, hinzu kommen 6,7 Millionen Euro Steueraufkommen. Über die Vorleistungskette sind weitere Branchen beteiligt, etwa Bäckereien, Handwerk und Baugewerbe, Werbeagenturen oder Steuerberater.

5. Sie nennen die durchgängige Online-Buchbarkeit als Ziel für 2026. Wie weit ist die Region davon entfernt, welche Hürden bestehen?

Die Reise des Gastes beginnt heute online. Dort sorgen wir bereits für digitale Sichtbarkeit – über unsere Website, Landingpages, den Endkunden-Newsletter, Social Media und Online-Reiseportale. Der konsequente nächste Schritt ist, diese Sichtbarkeit in Buchbarkeit zu überführen, hier sind die Vorbereitungen weit fortgeschritten. Gemeinsam mit der Thüringer Tourismus GmbH wurde das Buchungssystem HSD im Hintergrund eingerichtet, Zahlungsarten und technische Schnittstellen sind geprüft und getestet. Am 22. Juni 2026 fand der erste gemeinsame Workshop mit den Partnern touristischer Erlebnisangebote statt, in dem das System vorgestellt wurde. Damit werden die Erlebnisangebote der Leistungsträger künftig nicht mehr nur sichtbar, sondern auch buchbar sein.

6. Wie stellen Sie sicher, dass das Wachstum nicht zulasten der Lebensqualität der Einwohner geht, sondern vor Ort mitgetragen wird?

Tourismus trägt zur Lebensqualität von Gästen und Einwohnern bei. Mehrere Vorhaben, die durch den Tourismus mitgetragen werden, kommen unmittelbar den Menschen vor Ort zugute, die entstehende Spieleerlebniswelt „Yosephinum“, die Wiedereröffnung von Lindenau-Museum und Theater, der barrierefreie Anbau der Burg Posterstein, der die Burg auch für Menschen mit Gehbeeinträchtigungen zugänglich macht, sowie die touristische Infrastruktur am Haselbacher See. Grundsätzlich profitiert die Bevölkerung von allen infrastrukturellen Verbesserungen – auch von Straßen und Fußwegen, die mit öffentlichen Mitteln aufgewertet werden. Auch Gastronomie, Veranstaltungen, Rad- und Wanderwege und der Erhalt von Kultureinrichtungen werden durch touristische Nachfrage gestützt – Angebote, die ebenso von Einheimischen genutzt werden. Die Meinung der Einwohnerinnen und Einwohner ist uns wichtig. Touristische Themen sind regelmäßig Teil der Einwohnerbefragung des Landkreises.

7. Welche Rolle spielt die Verkehrsanbindung? Gibt es Defizite bei Bahn-, Bus- oder Radverkehrsangeboten für Gäste?

Die zentrale Herausforderung liegt – wie in vielen ländlichen Regionen bundesweit – auf der „letzten Meile“, dem Weg vom Bahnhof zur Unterkunft, zum Veranstaltungsort oder Museum. Mit dem Rufbus ist der Landkreis dieser Herausforderung aktiv begegnet, das Angebot wird weiter ausgebaut. Bei der Bahnanbindung erhalten wir überwiegend positive Rückmeldungen, insbesondere zu den S-Bahn-Verbindungen nach Leipzig und Zwickau. Das Radwegenetz prüft der Wegewart regelmäßig, Mängel werden an die Bauhöfe gemeldet oder direkt beho-ben.

8. Reichen Öffnungszeiten, Serviceangebote und Personal der Museen und Kultureinrichtungen aus, um künftig mehr Gäste zu betreuen?

Wir stehen mit den kulturellen Einrichtungen in regelmäßigem Austausch und entwickeln gemeinsam mit ihnen Angebote weiter. Dabei arbeiten wir themenorientiert – entlang der Tourismus-strategie des Altenburger Landes mit ihren Schwerpunkten Kultur, Natur, Spiel und Genuss – und entwickeln mit den Partnern Themen, die nur für unsere Region stehen und sie unverwechselbar machen, etwa Spiel, Safran oder die Regionalität der Vierseithöfe. Ergänzend führen wir Schulungen zu Barrierefreiheit, Digitalisierung und Nachhaltigkeit durch, diese Themen sind Bestandteil unserer Binnenkommunikationsveranstaltungen. Die Frage der Öffnungs-zeiten, etwa an Montagen, ist den Leistungsträgern bewusst, an Lösungen wird derzeit gearbeitet.   

9. Gibt es ausreichend Bettenkapazitäten in Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen, oder sehen Sie Engpässe? Gibt es positive Neuerungen?

In den kommenden Jahren entstehen sowohl in der Stadt Altenburg als auch im Landkreis weitere Übernachtungsangebote. Im April dieses Jahres hat das Best Western Hotel Altenburger Land mit 144 Zimmern eröffnet. Darüber hinaus wird in der Stadt Altenburg u. a. ein Hostel eröffnen, dass das Beherbergungsangebot um ein weiteres Segment ergänzt. Hinzu kommen Investitionen im Bestand: Das Parkhotel saniert derzeit seine Zimmer, und die Hotel-Pension Treppengasse investierte ebenfalls in ihr Angebot. Mit Blick auf die Bettenkapazitäten und die touristische Entwicklung der Region sehen wir diese Entwicklung positiv.

10. Welche Themen – Toiletten, Wegweisung, Leerstände, Barrierefreiheit – haben für den Verband derzeit die höchste Priorität?

Auch hier verweisen wir auf die thüringenweite Gästebefragung: Das Altenburger Land erreichte die Gesamtnote 1,6. Besonders zufrieden sind die Gäste mit der Gastfreundschaft, den Unterkünften, der Gastronomie, der Landschaft, dem Familienangebot, den regionalen Produkten und dem Service in der Tourismusinformation. Entwicklungsbedarf besteht bei der Barrierefreiheit, dem Mobilitätsangebot vor Ort, der Internetverfügbarkeit und dem Angebot für Vegetarier und Veganer. An diesen Punkten arbeiten wir gezielt: Beim Thema Barrierefreiheit sind wir seit 2025 aktiv und haben Informationsveranstaltungen durchgeführt; inzwischen sind zwölf Leistungsträger im Landkreis nach „Reisen für Alle“ zertifiziert. Die Gastronomie sensibilisieren wir für vegetarische und vegane Angebote, der Glasfaserausbau wird bis Jahresende abgeschlossen, und das Rufbus-Angebot wird weiter ausgebaut.

Unsere zwei strategischen Ziele für 2026

Für 2026 stehen zwei strategische Ziele auf der Agenda. Erstens die Erhöhung der Übernachtungszahlen: Ein Übernachtungsgast gibt ein Vielfaches eines Tagesgastes aus – in Beherbergungs- und Gastronomiebetrieben, in Freizeiteinrichtungen, bei regionalen Produkten und im Einzelhandel. Ziel ist es, die Wertschöpfung in der Region weiter zu erhöhen. Zweitens die Erhöhung der Online-Buchbarkeit von Beherbergungsbetrieben und Erlebnisangeboten: Angebote sollen nicht nur sichtbar, sondern ohne Hürde buchbar sein. Unsere Themen rollen wir dabei cross-    medial, zielgruppenorientiert und überregional aus. Tourismus entsteht nicht von selbst – er muss gemeinsam und kontinuierlich entwickelt werden. Erfolgreich ist diese Entwicklung nur im Schulterschluss mit allen touristischen Leistungsträgern der Region.

 

Die Anfrage stellte Silke Konzag.

 

BU-Foto (4. Beitrag_Tourismus als wachsender Wirtschaftsfaktor_Toilette.jpg):

Seit Jahren ist diese Toilette geschlossen. Für alle, die dringend austreten müssen und alle „Netten Toiletten“ geschlossen sind, bleibt nur eine Erkenntnis im Innenstadtgebiet: „Pinkeln“? Fehlanzeige.

 

Foto: ©sk

 

BU-Foto (4. Beitrag_Tourismus als wachsender Wirtschaftsfaktor_Parkleitsystem.jpg):

In der gesamten Altenburger Innenstadt zeigt das digitale Parkleitsystem derzeit eindrucksvoll, dass auch moderne Technik manchmal lieber Parkplätze sucht als Orientierung gibt.

 

Foto: ©GH