Meuselwitz/OT Mumsdorf. Seit Freitag, 26. Juni, kämpfen zahlreiche Einsatzkräfte gegen einen großflächigen Vegetationsbrand zwischen Mumsdorf und Falkenhain. Das Feuer brach auf einem ehemaligen Braunkohleabbaugebiet mit Wald- und Ödland aus und beschäftigt Feuerwehr, Polizei und weitere Helfer seit Tagen.
Wie aus einem Polizeibericht der Landespolizeiinspektion Gera hervorgeht, erfasste der Brand zunächst eine Fläche von rund sechs Hektar. Zu Beginn des Einsatzes musste zudem eine durch das Brandgebiet verlaufende Stromtrasse abgeschaltet werden. Dadurch war die Stadt Meuselwitz zeitweise für etwa fünf Stunden von der Stromversorgung abgeschnitten.
Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei wurde der Brand durch einen Kurzschluss an einer Hochspannungsleitung verursacht, die mit Bäumen in Kontakt geraten war.
Auch Tage nach Ausbruch des Feuers gestaltet sich die Brandbekämpfung schwierig. Im Polizeibericht heißt es: „Seit Sonntagnachmittag sind keine offenen Flammen mehr sichtbar. Allerdings bestehen weiterhin erhebliche Gefahren durch einen unterirdischen Schwelbrand. In dem renaturierten Gebiet befindet sich etwa einen Meter unter der Erdoberfläche eine weiterhin brennende Kohleschicht. Da ein direkter Löschangriff derzeit nicht möglich ist, beschränken sich die Maßnahmen auf die Kühlung des Bodens. Die Einsatzkräfte bereiten sich deshalb auf einen mehrtägigen Einsatz vor.“
Zur Brandbekämpfung kam zeitweise auch ein Löschhubschrauber zum Einsatz. Wie die Leipziger Volkszeitung am 28. Juni berichtet, wurden dessen Flüge am Sonntag jedoch eingestellt. Demnach verdunstete das Wasser aufgrund der hohen Temperaturen und des aufkommenden Windes bereits weitgehend, bevor es den Boden erreichte.
Auch das Landratsamt Altenburger Land informierte am 29. Juni in einer Pressemitteilung über die angespannte Lage. Nach dessen Angaben weitete sich der Brand inzwischen auf gut acht Hektar aus. „Die Lage ist angespannt. Der Brand ist schwer zu löschen, weil die Kohlereste, die sich noch im Boden befinden, immer wieder neue Flammen entfachen.“ Zudem komme es zu unterschiedlich starker Rauchentwicklung. Die Einsatzleitung empfiehlt den Bürgerinnen und Bürgern deshalb, Fenster geschlossen zu halten und Klimaanlagen möglichst abzuschalten.
Nach Angaben des Landratsamtes sind aktuell rund 80 Feuerwehrleute aus Meuselwitz, Lucka, Rositz, Wintersdorf, Starkenberg und Altenburg im Einsatz. Unterstützung erhalten sie von Feuerwehren aus Gera, Greiz, dem Saale-Orla-Kreis, dem Saale-Holzland-Kreis und dem Kyffhäuserkreis. Das Landratsamt sprach allen beteiligten Einsatzkräften seinen ausdrücklichen Dank aus: „Mit ihrem Mut und ihrem Einsatz kämpfen sie unermüdlich gegen den Waldbrand und schützen Menschen, Tiere und die Natur. Dafür gebührt ihnen allerhöchster Respekt und Dank.“
In einem Nachtrag auf seinem Social-Media-Kanal (Instagram: @landkreis_altenburger_land) bedankte sich das Landratsamt zudem beim THW-Ortsverband Altenburg für dessen Unterstützung. Demnach sind seit Samstag 14 Einsatzkräfte des THW vor Ort. Sie unterstützen unter anderem mit der Tanklogistik, einer Drohne zur Erkundung des Brandgebietes sowie drei Faltbecken mit einer Gesamtkapazität von bis zu 30.000 Litern Löschwasser.
Bürgerin vermisst Information der Stadt
Im Zusammenhang mit dem Vegetationsbrand zwischen Mumsdorf und Falkenhain wandte sich eine besorgte Bürgerin an die Redaktion. Sie schilderte, dass im Stadtgebiet zeitweise ein plastisch-verbrannter Geruch wahrnehmbar gewesen sei. Zudem äußerte sie Unverständnis darüber, dass seitens der Stadt Meuselwitz nach ihrer Wahrnehmung keine eigene Empfehlung veröffentlicht worden sei, Fenster und Türen geschlossen zu halten sowie Klimaanlagen abzuschalten. Das Landratsamt Altenburger Land sprach aufgrund der Rauchentwicklung eine entsprechende Handlungsempfehlung aus.
Auch nach Beobachtungen des KURIER zog der Rauch zeitweise deutlich bis in das Stadtgebiet und hing stellenweise wie ein Schleier in den Straßen.
Der KURIER bat die Stadtverwaltung Meuselwitz daraufhin um eine Stellungnahme und stellte unter anderem folgende Fragen:
- Weshalb erfolgte seitens der Stadt Meuselwitz keine eigene Information oder Handlungsempfehlung an die Bürgerinnen und Bürger hinsichtlich der Rauchentwicklung?
- Wurde eine eigene Information der Bevölkerung geprüft? Falls ja, weshalb wurde darauf verzichtet?
- Wie bewertet die Stadtverwaltung die Rauchentwicklung im Stadtgebiet? Gab es hierzu eigene Einschätzungen oder Messungen?
- Welche Rolle sieht die Stadtverwaltung grundsätzlich bei der Information der Bevölkerung in einer solchen Gefahrenlage?
- Plant die Stadtverwaltung, die Bevölkerung bei vergleichbaren Einsatzlagen künftig zusätzlich über eigene Kanäle zu informieren?
Die Stadtverwaltung Meuselwitz beantwortete unsere Anfrage wie folgt: „Die Luftmessungen durch die zuständigen Facheinheiten ergaben, dass zu keinem Zeitpunkt Gefahren für die Bevölkerung bestanden haben; dies gilt unverändert zum gegenwärtigen Zeitpunkt. Die Information der Bevölkerung in Gefahrenlagen erfolgt abhängig von der jeweiligen Einsatzlage und der tatsächlichen Gefährdung. Hierfür wird das vom Bund vorgegebene Modulare Warnsystem (MoWaS) genutzt, das als zentrales Warnsystem des Katastrophenschutzes Warnmeldungen über verschiedene Kanäle an die Bevölkerung weitergibt. Im Zusammenhang mit dem Brandereignis haben die zuständigen Facheinheiten in den zurückliegenden Tagen wiederholt Messungen im Nahbereich und im Umfeld durchgeführt. Diese ergaben keine Gefährdung für die Bevölkerung. Die Stadtverwaltung steht während solcher Einsatzlagen in engem Austausch mit den zuständigen Einsatzkräften und Fachbehörden. Eine sichtbare Rauchentwicklung lässt sich bei einem Großbrand in aller Regel nicht vermeiden.“
Eine ausdrückliche Antwort auf die Frage, weshalb seitens der Stadt keine eigene Handlungsempfehlung an die Bevölkerung veröffentlicht wurde, enthält die Stellungnahme nicht.
Die Anfrage stellte Gina Hartmann.
Foto: ©Stadtverwaltung Meuselwitz
