Meuselwitz. Am 30. Oktober 2026 wäre die Meuselwitzer Mundartdichterin Luise Perchner 100 Jahre alt geworden. Mit ihren humorvollen Versen, ihrer tiefen Heimatverbundenheit und ihrer herzlichen Art machte sie die Altenburger Mundart weit über die Region hinaus bekannt.

Luise Perchner war ein echtes Original. Ob Alltagsbegebenheiten, Stadtjubiläen oder gesellschaftliche Ereignisse – mit spitzer Feder, feinem Humor und einem wachen Blick für ihre Mitmenschen hielt sie das Leben in ihrer geliebten Altenburger Mundart fest. Auch vor kritischen Themen schreckte sie nicht zurück. So nahm sie bereits zu DDR-Zeiten die alltägliche Mangelwirtschaft augenzwinkernd aufs Korn.

Als aktives Mitglied und späteres Ehrenmitglied des Meuselwitzer Heimatvereins begeisterte sie bei zahlreichen Veranstaltungen ihr Publikum. Auch mit dem Folkloreensemble Altenburg war sie eng verbunden. Ihre Gedichte erschienen in mehreren Broschüren, die in der örtlichen Buchhandlung stets schnell vergriffen waren.

Wie bekannt sie war, zeigt eine amüsante Begebenheit: Eine Postkarte, die Wido Hertzsch lediglich an „Madame Stadtbekannt“ adressierte, erreichte sie tatsächlich. Selbst der damalige Trainer des FC Bayern München, Ottmar Hitzfeld, bedankte sich persönlich für ein humorvolles Gedicht über seine Mannschaft – und legte seiner Antwort einen Scheck über 200 Euro bei, damit sich Luise einen Wunsch erfüllen konnte.

Doch Luise Perchner war weit mehr als eine Mundartdichterin. Sie war eine lebensfrohe, aufgeschlossene Frau, die den Austausch mit Menschen liebte. Ihr Zuhause stand Besuchern stets offen. Bis ins hohe Alter interessierte sie sich für das Weltgeschehen, erzählte leidenschaftlich gern aus der Geschichte ihrer Heimatstadt und genoss ihre Auftritte vor Publikum.

Die Liebe zur Bühne begleitete sie von Kindheit an. Schon als kleines Mädchen sang sie, in eine Gardine gehüllt, auf einer Bühne in Rolika „Wenn ich ein Vöglein wär“. Im gesegneten Alter von 91 Jahren verstarb Luise Perchner. Bei ihrer Beisetzung erklang noch einmal dieses Lied, gespielt vom Jugendblasorchester Lucka, das sie besonders verehrte – ein bewegender Abschied von einer außergewöhnlichen Frau.

Ihre Herzlichkeit und Gastfreundschaft leben bis heute weiter. Mit „LUISES GÄSTEHAUS“ führt ihre Familie die schöne Tradition fort, Gäste willkommen zu heißen und ihnen die Heimat näherzubringen, die Luise so sehr liebte.

Anlässlich ihres 100. Geburtstages erinnern wir uns voller Dankbarkeit an eine Frau, die mit ihren Gedichten Menschen zum Lachen brachte, die Altenburger Mundart lebendig hielt und mit ihrer Herzenswärme unzählige Menschen berührte.

Ihre Stimme ist verstummt, doch ihre Worte und die Erinnerung an „Madame Stadtbekannt“ bleiben lebendig.

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