Oranienbaum/Göhren OT Romschütz. Mit bis zu 50 Kilometern pro Stunde jagt Maxwell Vogt über die Geländestrecke, nimmt enge Kurven und hebt mit seinem kleinen Motorrad über Sprunghügel ab. Was für manchen Erwachsenen eine Herausforderung wäre, gehört für den Sechsjährigen aus Romschütz längst zum Alltag. „Am meisten Spaß macht mir das Springen. Und alle überholen!“, erzählt der Nachwuchsrennfahrer begeistert. Und natürlich gehört auch das Spielen mit seinen Freunden für ihn zu einem gelungenen Rennwochenende. Zuletzt stellte Maxwell sein Können beim Saisonfinale der Rennserie des Motorsportvereins X-Sport in Oranienbaum unter Beweis. Mit seinem 14. Saisonsieg von 16 Rennen sicherte er sich den Gesamtsieg und verteidigte seinen Titel. Der MDR berichtete bereits in seiner Sendung „Sachsen-Anhalt heute“ über den jungen Rennfahrer. In seiner Heimatregion blieb die außergewöhnliche Leistung dagegen bislang weitgehend unbeachtet. Das wollte seine Oma Sabine nicht auf sich beruhen lassen. Sie wandte sich an unsere Redaktion, damit auch im Altenburger Land bekannt wird, welches Nachwuchstalent hier zu Hause ist.
Mehr als 250 Fahrer beim Saisonfinale
Die Rennserie wird vom Motorsportverein X-Sport mit Sitz in Giersleben im Salzlandkreis veranstaltet. Unter der Leitung von Initiator Danny Obeck organisiert der Verein jährlich acht Rennveranstaltungen in Mitteldeutschland, unter anderem in Ballenstedt, Jessen und Oranienbaum. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Nachwuchsförderung. Bereits Drei- und Vierjährige können hier erste Rennerfahrungen sammeln. Rund 20 ehrenamtliche Helfer sorgen bei den Veranstaltungen unter anderem für die Zeitnahme, die Streckensicherung und die Versorgung der Teilnehmer. Wie groß das Interesse an der Rennserie ist, zeigte sich beim Saisonfinale in Oranienbaum: Mehr als 250 Fahrer gingen auf zwei und vier Rädern an den Start, darunter auch Motorsportler aus Tschechien und Dänemark. Mittendrin: Maxwell Vogt, für den Motorradfahren längst viel mehr als ein Hobby ist.
Mit drei Jahren zum ersten Rennen
Die Begeisterung für den Motorsport hat Maxwell von seinem Papa Toni geerbt. Der fuhr früher selbst Motocross, musste den Sport während seiner Ausbildung jedoch aufgeben. Ganz losgelassen habe ihn das Motorradfahren allerdings nie. Später besaß er wieder eine größere Maschine und nahm seinen kleinen Sohn mit. Der war sofort begeistert, wollte am Gasgriff drehen und selbst fahren. Als Maxwell Fahrrad fahren konnte, bekam er sein erstes kleines Motorrad. Nach anfänglichen Fahrversuchen im heimischen Garten und einem Winter voller Training ging er mit drei Jahren erstmals bei einem Rennen an den Start – und belegte auf Anhieb den zweiten Platz. Seither ging es sportlich steil bergauf. In der zurückliegenden Saison nahm die Familie nach Angaben von Papa Toni sogar an zwei Rennserien teil mit insgesamt 18 Rennen teil. Alle habe Maxwell gewonnen. Besonders beeindruckt den Vater, wie überlegt sein Sohn dabei vorgeht.
„Er fährt einmal die Strecke ab und weiß dann ganz genau, wo er ansetzen muss“, beschreibt er dessen Fahrweise. Während andere Kinder noch vorsichtig über einen Sprung fahren, komme Maxwell oftmals mit deutlich höherer Geschwindigkeit von hinten und überhole seine Konkurrenten sogar in der Luft. Der Sechsjährige selbst sieht das ganz gelassen. „Ich bin aufgeregt, gucke mir noch kurz die Strecke an, denke kurz nach und dann geht's los“, beschreibt er seine Vorbereitung auf ein Rennen. Von seinen Erfolgen macht Maxwell dagegen wenig Aufhebens. Auf die Frage, was er seinen Schulkameraden erzählt, wenn er wieder gewonnen hat, antwortet er ganz selbstverständlich: „Ich sage einfach, ich bin gut gefahren.“
Der Stolz ist größer als die Angst
Dass Motocross auch Gefahren birgt, haben Vater und Sohn bereits erfahren. Maxwell erinnert sich an ein Rennen, bei dem er stürzte und ihm ein anderer Fahrer über den Finger fuhr. Doch anstatt aufzugeben, setzte er sich wieder auf sein Motorrad. „Da war ich vorletzter. Und dann habe ich alle wieder eingeholt“, erzählt er stolz. „Und die letzte Runde habe ich dann gewonnen.“ Papa Toni erinnert sich noch gut an diesen Vorfall. Sein Sohn habe Tränen in den Augen gehabt, sei aber wieder aufgestanden und weitergefahren. Dieser Kampfgeist zeichne Maxwell aus. Dennoch sieht der Vater die Risiken des Sports durchaus. „Sorge ist immer dabei, dass irgendwas passieren kann. Es muss nicht mal sein, dass er daran schuld ist“, sagt er. Die Gesundheit seines Sohnes stehe immer an erster Stelle. Trotzdem überwiege der Stolz auf dessen Leistungen. Dabei betont Papa Toni, dass Maxwell keineswegs zu Höchstleistungen gedrängt werde. Im Gegenteil: „Maxi wird nicht dazu gezwungen. Eher werden wir dazu gezwungen und gefragt, wann es denn endlich wieder zur Rennstrecke geht.“ Selbst Regen und Kälte können den kleinen Rennfahrer kaum bremsen. Nur wenn seine Hände vor Kälte schmerzen, lässt die Begeisterung kurzzeitig nach. Aber Maxwell hat dafür eine einfache Lösung: „Dann wärmen wir die einfach und dann geht es weiter.“
Der nächste Schritt wird schwieriger
Nach der erfolgreichen Saison steht für Maxwell der Wechsel in eine höhere Motorradklasse bevor. Bisher fuhr er auf einer Yamaha PW50, künftig soll er mit einer deutlich leistungsstärkeren GasGas MC50 antreten. Die neue Maschine ist nicht nur schneller, sondern auch wesentlich größer als sein bisheriges Motorrad. Weil Maxwell mit seinen Füßen noch nicht richtig auf den Boden kommt, hat Papa Toni die Maschine bereits etwas tiefergelegt und die Kraftentfaltung angepasst. Wenn Maxwell im März sieben Jahre alt wird, trifft er in der neuen Klasse auf Kinder, die teilweise schon mehrere Jahre Erfahrung auf den größeren Maschinen gesammelt haben. „Da geht es dann schon anders her“, weiß sein Vater. Trotzdem freut sich die Familie auf die Herausforderung. Papa Toni übernimmt dabei gleich mehrere Aufgaben. Er ist nicht nur Vater, sondern auch Trainer und Mechaniker. Er begleitet Maxwell beim Üben, zeigt ihm günstigere Fahrlinien und erklärt, wie sich Kurven schneller und sicherer durchfahren lassen. Doch auf der Strecke entscheidet Maxwell weitgehend selbst. „Das Kind fährt auf der Strecke seinen eigenen Kopf und findet im Rennen selber die ordentliche Bahn“, erzählt sein Vater. „Das Rennen ist das beste Training.“
Unterstützung durch Opa Uwe und Motorrad Geier
Bei der Wartung und Vorbereitung der Maschinen erledigt Papa Toni und Opa Uwe vieles selbst. Doch gerade bei einem Sport, in dem die Technik stark beansprucht wird, ist zuverlässige Unterstützung wichtig. Diese bekommt die Familie unter anderem von Motorrad Geier aus Lehndorf. Besonders Tom Geier sei für sie ein wichtiger Ansprechpartner, wenn an den Maschinen etwas repariert oder kurzfristig in Ordnung gebracht wer-den müsse. „Wir machen vieles alleine“, erzählt Papa Toni. Wenn sie allerdings bei einem technischen Problem nicht weiterkämen, sei Tom Geier eine verlässliche Anlaufstelle. Dort werde ihnen häufig sehr schnell geholfen, teilweise sogar noch am selben Tag. Gerade während der Rennsaison sei das von großer Bedeutung. Schließlich könne ein technischer Defekt schnell darüber entscheiden, ob Maxwell überhaupt an den Start gehen kann. Für diese Unterstützung ist Papa Toni dankbar. Denn hinter den Erfolgen seines Sohnes stehen nicht nur viele Trainingsstunden, sondern auch Menschen, die der Familie bei ihrer Leidenschaft zur Seite stehen.
Ein teures Hobby, das die ganze Familie fordert
Die Erfolge des kleinen Rennfahrers haben allerdings ihren Preis. Allein die neue GasGas kostet nach Angaben des Vaters zwischen 4.000 und 4.500 Euro. Dazu kommen Ersatzteile, Reparaturen, Kraftstoff und die Fahrten zu den Wettbewerben mit dem Wohnmobil. Um zu verhindern, dass ein technischer Defekt die Teilnahme an einem Rennen unmöglich macht, versucht Papa Toni stets, ein Ersatzmotorrad bereitzuhalten. Schließlich sei Maxwell mit so viel Begeisterung dabei, dass die Enttäuschung groß wäre, wenn er wegen einer kaputten Maschine nicht fahren könnte. Die alte Yamaha PW50 soll dagegen einen Ehrenplatz bekommen. „Die bleibt als Andenken. Die kommt in die Garage und bleibt dort stehen“, erzählt der Vater. Ein wenig Unterstützung erhält die Familie bereits, unter anderem durch Sachleistungen von Weber Werke, beispielsweise Pflegeprodukte für die Motorräder. Weitere Sponsoren wären willkommen. Auch geeignete Trainingsmöglichkeiten in der Umgebung sind rar. Über zusätzliche Gelegenheiten zum Üben würde sich die Familie deshalb freuen.
Die ganze Familie steht hinter Maxwell
Doch nicht nur Papa Toni fiebert bei jedem Rennen mit. Auch Maxwells Mutti, sein Bruder Sidney und die Großeltern stehen hinter dem sechsjährigen Nachwuchsrennfahrer. Sie teilen seine Begeisterung, freuen sich über seine Erfolge und begleiten seinen sport-lichen Weg. Dabei geht es längst um mehr als Pokale und Platzierungen. Die gemeinsamen Rennwochenenden sind zu einem wichtigen Teil des Familienlebens geworden. Wenn die Familie mit dem Wohnmobil zu den Wettbewerben reist, treffen sich im Fahrerlager oft Bekannte und befreundete Familien. Während die Erwachsenen sich austauschen oder gemeinsam die Strecke besichtigen, sind die Kinder meist den ganzen Tag unterwegs, spielen im Dreck oder fahren Fahrrad. Dass die Familie stolz auf Maxwell ist, zeigt nicht zuletzt seine Oma Sabine. Sie war es schließlich, die sich an unsere Redaktion wandte, damit die Erfolge ihres Enkels auch in seiner Heimatregion bekannt werden.
Auch ein ganz normaler Sechsjähriger
Dass sich bei Maxwell alles nur um Motoren und Geschwindigkeit dreht, stimmt allerdings nicht ganz. Er spielt Fußball beim SV Starkenberg, verbringt Zeit mit seinem Bruder Sidney und trifft sich gerne mit Freunden. Zu Hause beschäftigt er sich häufig mit kleinen Spielzeugmotorrädern. Selbst an der Nintendo Switch bevorzugt er Motorradspiele. Doch es gibt auch Ausnahmen. „Ich spiele nur ganz selten Traktor, ganz selten“, erzählt er. In seinem Kinderzimmer erinnern inzwischen zahlreiche Pokale an seine Erfolge. Wie viele es genau sind, weiß Maxwell selbst nicht. „Sind viele, ne?“, antwortet er auf die Frage. Papa Toni schätzt ihre Zahl auf 30 bis 40. Und weitere Trophäen sollen bei den anstehenden Meisterfeiern hinzukommen. „Da kriege ich noch einen ganz, ganz großen Pokal“, freut sich Maxwell. „Ich glaube, der passt nicht mehr hin.“ An Zukunftsplänen mangelt es dem kleinen Rennfahrer ebenfalls nicht. Später möchte er Motocrosser werden. Und irgendwann will er spektakuläre Tricks ausprobieren: auf der Sitzbank stehen, einen Handstand auf dem Lenker machen und sogar einen Vorwärtssalto. „Mitten in der Luft!“, erklärt er begeistert. Papa Toni reagiert auf diese hochfliegenden Pläne mit einem ebenso einfachen wie wichtigen Satz: „Da müssen wir gesund bleiben auf jeden Fall.“ Bis dahin muss Maxwell ohnehin noch ein Stück wachsen. Gerade ist ihm einer seiner Milchzähne ausgefallen. „Das ist heute (23.10.) früh passiert“, berichtet er aufgeregt. „Da habe ich dran gewackelt, gedreht und dann war er draußen.“ Und schon wackelt der nächste. Auf Maxwell warten damit nicht nur neue Zähne, sondern auch ein größeres Motorrad und stärkere Gegner. Seine Begeisterung dürfte das kaum bremsen. Denn am liebsten möchte er einfach wieder auf die Rennstrecke – springen, Gas geben und die anderen überholen.
Die Redaktion
Anmerkung der Redaktion
Auf unserem Titelbild ist Maxwell mit einer Flasche Sekt zu sehen. Natürlich hat er davon nichts getrunken. Die Siegerehrung sollte schließlich ganz wie bei einem „richtigen Rennen“ ablaufen – inklusive der traditionellen Sektdusche. Nach vorheriger Absprache mit den Organisatoren haben die Eltern die drei Erstplatzierten mit Sekt geduscht. Für die Kinder selbst gab es selbstverständlich nur „Kindersekt“, also Fruchtsaft mit Kohlensäure.
Wer dem jungen Motorsporttalent folgen möchte, findet auf Instagram unter @Mxmaxwell703 weitere Bilder und Videos.
