Altenburger Land. Am Mittwoch, dem 7. Oktober 2026, demonstrierten um 16.00 Uhr Eltern mit ihren Kindern vor dem Landratsamt des Altenburger Landes für den Erhalt der Grundschulstandorte Großstechau und Thonhausen.
Laut beschlossenem Schulnetzplan sind beide Schulen bis zum 31. Juli 2030 gesichert. Gleichzeitig sieht dieser einen gemeinsamen Schulstandort mit Neubau an der Staatlichen Regelschule Nöbdenitz vor. Dagegen wehren sich die Eltern und Schulfördervereine. Der Schulnetzplan ist auf https://www.altenburgerland.de/media/full/28554/Schulnetzplan-2025-2030.pdf einsehbar.
Der kurzfristig angemeldete Protest fiel bewusst auf den Tag der 15. Kreistagssitzung. Unter Tagesordnungspunkt 10 stand die „Grundsatzentscheidung zur Standortzusammenlegung der Staatlichen Grund-schule Großstechau, der Staatlichen Grundschule Thonhausen und der Staatlichen Regelschule Nöbdenitz am Schulstandort Nöbdenitz“ zur Abstimmung.
Eltern kritisieren Schülerprognosen und fehlende Beteiligung
Vor Beginn des Protests sprach der KURIER mit Natalie Kirchner, Mutti und Mitglied vom Förderverein der Grundschule Thonhausen.
Frau Kirchner, warum ist Ihnen der Erhalt der Schule wichtig?
Ich habe diese Schule selbst besucht und möchte, dass auch meine Kinder dort lernen. Dieser Heimatbezug bedeutet mir viel. Außerdem beruhen die geplanten Entscheidungen aus unserer Sicht auf fehlerhaften Schülerzahlen.
Was kritisieren Sie konkret?
Gastkinder werden in den Prognosen nicht berücksichtigt. In Großstechau sind es aktuell meines Wissens zehn Kinder, die in den Statistiken der Verantwortlichen fehlen.
Welche Folgen hätte der gemeinsame Campus in Nöbdenitz?
Wir sehen es kritisch, wenn Erstklässler mit Schülern bis zur zehnten Klasse einen Schulhof teilen. Unsere Kinder brauchen zunächst einen geschützten Entwicklungsraum. Auch Studien zeigen, dass solche Zusammenlegungen für die Entwicklung der Kinder nicht förderlich sind.
Was möchten Sie den Kreistagsmitgliedern mitgeben?
Bitte überprüfen Sie die Entscheidung. Reden Sie mit uns, nicht über uns! Besuchen Sie unsere Schulen und schauen Sie sich an, was dort gemeinsam mit den engagierten Fördervereinen aufgebaut wurde. Wir haben nur zufällig von den Beschlussplänen erfahren.
Wurden Sie als Eltern und Förderverein zuvor einbezogen?
Nein, niemand hat mit uns gesprochen.
Landrat Melzer erklärt die Schulnetzplanung
Während des Protests trat Landrat Uwe Melzer vor die Eltern und erläuterte die Beschlusslage. Der 2024 gewählte Kreistag habe im vergangenen Jahr eine Schulnetzplanung mit insgesamt sieben Festlegungen beschlossen. Zwei davon beträfen das Obere Sprottental: Zum einen sei der Bestand der Grundschulen Großstechau und Thonhausen vom 1. August 2025 bis zum 31. Juli 2030 gesichert. Zum anderen habe der Landkreis den Auftrag erhalten, einen gemeinsamen, modernen und leistungsfähigen Schulstandort für beide Grundschulbezirke an der Regelschule Nöbdenitz zu entwickeln.
Dazu müssten zunächst die Planungsleistungen eingeleitet, Fördermittel beantragt und die erforderlichen Baumaßnahmen umgesetzt werden. Erst nach deren Abschluss könne die Zusammenlegung erfolgen. Ob die bisherigen Schulen über 2030 hinaus bestehen bleiben, sei derzeit nicht verbindlich absehbar. In den kommenden Jahren werde sich an den bestehenden Standorten zunächst nichts ändern, versicherte Melzer.
Anschließend lud er die Eltern ein, die Kreistagssitzung im Lichthof des Landratsamtes zu verfolgen. Aufgrund begrenzter Plätze im Sitzungssaal übertrug AltenburgTV die Sitzung live auf eine Videoleinwand. Die Eltern nahmen dieses Angebot gemeinsam mit ihren Kindern an.
Auch Löbichaus Bürgermeister Rolf Hermann suchte das Gespräch mit Eltern: „Wir haben unsere ablehnende Haltung als Gemeinde deutlich zum Ausdruck gebracht. Unsere Einwände wurden bis heute ignoriert. Weder haben wir eine Antwort auf unsere Anfragen erhalten, noch wurde geklärt, welche Alternativen es gibt. Das muss man deutlich sagen.“
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