Wie fasst man einen rund 60-minütigen Vortrag zusammen, ohne Wesentliches zu unterschlagen? Gefühlt war an diesem Abend jedes noch so kleine Detail erwähnenswert. Prof. Dr. Gabriele Krone-Schmalz bot am 27. September in Limbach-Oberfrohna unter dem Titel „Russland und der Westen – eine schwierige Beziehung“ einen dichten und nachdenklich stimmenden Einblick in eines der schwierigsten politischen Themen unserer Zeit.
Durch den Abend führte Wolfgang Dorn, Geschäftsführer der FZLO FREIZEITSTÄTTEN GMBH – Stadthalle Limbach-Oberfrohna. Die Begegnung mit Krone-Schmalz beschränkte sich nicht auf den Vortrag: Bereits vor Beginn, in der Pause und auch danach nahm sie sich Zeit für Gespräche mit den Besucherinnen und Besuchern und signierte Bücher.
Gleich zu Beginn stellte sie klar, dass der russische Einmarsch in die Ukraine 2022 völkerrechtswidrig gewesen sei. Für eine politische Analyse dürfe man jedoch nicht bei dieser Feststellung stehen bleiben. Wer Konflikte verstehen und überwinden wolle, müsse sich ebenso mit ihrer Vorgeschichte, den Interessen der Beteiligten und verpassten Möglichkeiten beschäftigen. Verstehen bedeute dabei nicht Rechtfertigen.
Ein zentraler Gedanke zog sich durch den gesamten Vortrag: Eine tragfähige europäische Sicherheitsordnung könne nach ihrer Auffassung langfristig nicht gegen Russland, sondern nur unter Einbeziehung Russlands entstehen. Geografische Realitäten ließen sich nicht verändern – Russland bleibe Europas Nachbar.
Dabei verwies Krone-Schmalz auf die unterschiedlichen historischen Erfahrungen innerhalb Europas. Besonders die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen sowie Polen seien durch ihre Geschichte mit Russland und der Sowjetunion geprägt. Das daraus entstandene Misstrauen gegenüber Moskau sei nachvollziehbar; zugleich vertrat sie die Auffassung, dass sich mit der Aufnahme dieser Staaten in die EU auch die europäische Russlandpolitik nachhaltig verändert habe.
Damit verbunden hinterfragte sie den Begriff „der Westen“. Europa und die USA seien zwar eng verbunden, hätten aber nicht zwangsläufig dieselben geopolitischen Interessen. Krone-Schmalz vertrat die These, dass eine enge wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit auf dem eurasischen Kontinent nicht unbedingt im strategischen Interesse der USA liege. Als Beispiel verwies sie auf den damaligen US-Verteidigungsminister Lloyd Austin und dessen 2022 geäußertes Ziel, Russland militärisch zu schwächen. Für sie war dies ein Hinweis darauf, die Interessen Europas, der USA, Russlands und der Ukraine nicht vorschnell gleichzusetzen.
Einen weiteren Schwerpunkt bildeten Medien, öffentliche Debatte und politische Sprache. Krone-Schmalz warnte vor Feindbildern, moralischer Überhöhung und einer wachsenden Kluft zwischen öffentlicher und veröffentlichter Meinung. Bildung verstand sie nicht als bloße Ansammlung von Wissen, sondern als Fähigkeit zum eigenständigen Denken.
Dabei sprach sie auch über ihre eigene mediale Präsenz. Ihr letzter Auftritt in einer öffentlich-rechtlichen Talkshow habe zwei Tage vor Beginn des Ukrainekrieges stattgefunden. Eine spätere Anfrage von Phoenix habe sie lediglich wegen eines bereits zugesagten Vortrags nicht wahrnehmen können. Ihre Schilderung machte deutlich, wie sehr sie sich mehr offene Debattenräume für unterschiedliche Positionen wünscht.
Gerade deshalb misst sie der Arbeit mit jungen Menschen große Bedeutung bei. Auf die Frage, ob sie auch an Schulen und Hochschulen spreche, antwortete sie ausdrücklich mit Ja. Solche Begegnungen seien ihr besonders wichtig, weil Schüler und Studenten die Entscheidungsträger von morgen seien. Zugleich schilderte sie, dass entsprechende Veranstaltungen mitunter daran scheiterten, dass Schulleitungen oder Hochschulen keine Räume zur Verfügung stellten oder Einladungen nicht ermöglichten.
An mehreren Beispielen erläuterte sie ihre Medienkritik. Dazu gehörte die Berichterstattung über den Drohnenfall am Flughafen Leipzig. Krone-Schmalz kritisierte dabei insbesondere, dass aus ihrer Sicht Verdachtsmomente und politische Zuschreibungen öffentlich sehr weit gegangen seien, obwohl belastbare Beweise noch fehlten. Gerade solche Fälle zeigten für sie, wie wichtig die Trennung zwischen Nachricht, Vermutung und Bewertung sei.
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