Die Situation rund um Kinderarzt Dipl.-Med. Christian Hönemann (MVZ Am Waldessaum) sorgt bei zahlreichen Eltern für wachsenden Unmut. Nach bisherigem mutmaßlichen Kenntnisstand soll seine Tätigkeit zum 30. September 2026 enden. Eine offizielle Bekanntgabe dazu vermissen die betroffenen Familien bislang ebenso wie eine nachvollziehbare Erklärung.

Schon die vergangenen Monate waren von Unsicherheit geprägt. Viele Eltern geben an, von Veränderungen und der Reduzierung der Öffnungszeiten zunächst vor allem über soziale Medien erfahren zu haben. Seit dem 28. Mai 2026 ist die Sprechzeit auf zwei Tage pro Woche begrenzt. Auch wenn diese Einschränkung für viele Familien schwierig ist, sei sie noch praktikabel. Umso größer ist die Sorge, die vertraute kinderärztliche Betreuung nun vollständig zu verlieren.

Die Kommunikation des MVZ wirft dabei Fragen auf. Unter den Eltern herrscht Unklarheit darüber, aus welchen Gründen die Tätigkeit von Hönemann offenbar vor Veränderungen steht und von wem entsprechende Entscheidungen getroffen wurden. Auch die Frage, ob organisatorische oder wirtschaftliche Gründe eine Rolle spielen, wird unter den Familien diskutiert. Belege dafür liegen bislang nicht vor. Sie erwarten deshalb eine klare Stellungnahme zu den Hintergründen und zur weiteren Entwicklung.

Hönemann genießt bei vielen Eltern großes Vertrauen. Sie beschreiben ihn als gründlichen, vorausschauenden und diagnose-sicheren Arzt, der Behandlungsmöglichkeiten sorgfältig abwägt und nicht vorschnell zu Medikamenten greift. Besonders geschätzt werden sein offener Umgang mit den Familien, seine enge Begleitung bei schweren Krankheitsverläufen und seine gute Vernetzung mit Fachärzten.

Für viele Eltern steht das Kind bei ihm spürbar im Mittelpunkt. Seine Art sei direkt und ehrlich, auch wenn seine Einschätzungen nicht immer angenehm seien. Gerade dieses „Nicht-Schönreden“ habe über Jahre Vertrauen geschaffen. Viele Kinder werden seit ihrer Geburt von ihm betreut und begegnen ihm entsprechend vertraut. Auch bei Fragen zu Impfungen und Nachholimpfungen berichten Eltern von einer individuellen Beratung und einem Vorgehen in Abstimmung mit den Familien. Einige Eltern geben an, Hönemann sei ihnen bereits vor der Geburt ihres Kindes von anderen Ärztinnen empfohlen worden. Andere seien bei verschiedenen Kinderärzten abgewiesen worden und hätten erst bei ihm Unterstützung gefunden. Sie schätzen, dass er auch kranke Kinder aufgenommen und Eltern ausführlich über Diagnosen und Behandlungsmöglichkeiten informiert habe.

Entsprechend kritisch sehen viele Familien mögliche Alternativen. Einige berichten von wenig guten Erfahrungen mit Vertretungsärzten oder dem ärztlichen Bereitschaftsdienst und schildern Unterschiede in Behandlung und Beratung. Einzelne Eltern berichten zudem, dass sie bei anderen Ärzten mitunter eine eher zurückhaltende oder reservierte Reaktion wahrgenommen hätten, sobald bekannt wurde, dass Hönemann ihr behandelnder Kinderarzt sei. Dabei handelt es sich um persönliche Erfahrungen und Wahrnehmungen, aus denen sich keine Rückschlüsse auf die Gründe für diese Reaktionen ziehen lassen.

Die zentrale Frage bleibt, wie die kinderärztliche Versorgung sichergestellt werden soll, falls Hönemanns Tätigkeit tatsächlich zum 30. September endet. Aus Sicht vieler Eltern würde damit nicht nur ein Arzt gehen, sondern eine über Jahre gewachsene und verlässliche Anlaufstelle für Kinder und Familien in der Region verloren gehen. Einen vergleichbaren Kinderarzt mit derselben fachlichen und menschlichen Nähe sehen viele derzeit nicht.

Deshalb wollen betroffene Eltern die Entwicklung nicht widerspruchslos hinnehmen. Ihre Haltung ist klar: „Wir geben Dipl.-Med. Hönemann und sein Team nicht kampflos auf.“

Vom MVZ fordern sie vor allem Transparenz: Ist ein Ende der Tätigkeit zum 30. September vorgesehen? Falls ja: Warum? Wer hat die Entscheidung getroffen? Welche Möglichkeiten zum Erhalt der Versorgung wurden geprüft? Und welche konkrete Perspektive gibt es für die betroffenen Kinder?

Gerade bei der medizinischen Versorgung von Kindern braucht es Verlässlichkeit, Kontinuität und Vertrauen. Die Eltern erwarten deshalb jetzt vor allem klare und nachvollziehbare Antworten.

Die Redaktion

 

KURIER fragt nach

Der KURIER fragte bei Dipl.-Med. Christian Hönemann nach und wollte wissen, aus welchen Gründen seine Tätigkeit zum 30. September endet, ob er grundsätzlich zu einer Fortsetzung bereit gewesen wäre und welche Möglichkeiten für ihn bestehen, weiterhin als Kinderarzt in der Region tätig zu sein.

Antwort Dipl.-Med. Christian Hönemann: „Offiziell endet meine Tätigkeit am 30. September. Das hat vorrangig mit Biologie zu tun, denn schon im April 2026 erreichte ich das reguläre Renteneintrittsalter. Meine Tätigkeit wurde danach „auf Sparflamme" fortge-setzt, d.h. ich arbeite noch zweimal fünf Stunden pro Woche in der Praxis. Der Arbeitsvertrag war bis Ende September 2026 befristet. Vorrangiges Ziel dieser Tätigkeit war und ist es, meinen Patienten sanft den Übergang zu ihren neuen Kinderärzten zu ermöglichen.

Der Umfang einer ambulanten Tätigkeit von zweimal fünf Stunden pro Woche reicht m.E. nicht aus, um verantwortungsvoll eine Kinderarztpraxis führen zu können. Akutmedizin für Kinder bedeutet oft, die kleinen Patienten innerhalb einer Woche mehrmals zu untersuchen, um ggf. den Krankheitsverlauf neu beurteilen zu können. In meiner vorübergehenden Tätigkeit lag der Schwerpunkt deshalb auch auf Vorsorgeuntersuchungen und nicht mehr primär auf akuten Erkrankungen.

In der Zwischenzeit könnte ich mir vorstellen, meine Tätigkeit in o.g. Zeitumfang noch für einige Monate fortzusetzen. Eine Entscheidung der Geschäftsführung und der Kassenärztlichen Vereinigung dazu steht zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch aus.“

Vom MVZ Altenburger Land wollte der KURIER wissen, wer die Beendigung der Tätigkeit von Dr. Hönemann zum 30. September 2026 veranlasst hat und welche Gründe dafür ausschlaggebend waren – insbesondere, ob wirtschaftliche Aspekte eine Rolle spielten. Zudem fragte wir nach, wie die kinderärztliche Versorgung der betroffenen Familien ab Oktober sichergestellt werden soll und welche Lösungen gegebenenfalls noch geprüft werden.

Antwort Presseabteilung des MVZ Altenburger Land/Klinikum Altenburger Land: Wie Sie wissen, kommentieren wir prinzipiell keine Personalangelegenheiten.  Hier können wir jedoch sagen, dass Kinderarzt Christian Hönemann selbst bereits Anfang des Sommers einen neuen Lebensabschnitt begonnen und seine Sprechzeiten reduziert hat. Dabei wird es bis auf Weiteres auch bleiben. Eine Mitteilung dazu von Christian Hönemann ist auf der Webseite der MVZ-Praxis nachzulesen.

Die weitere Betreuung der kleinen Patienten ist gesichert. Für ehemalige kleine Patienten der Praxis Hönemann sowie Eltern, die nach einer Kinderarztpraxis im Altenburger Land suchen, steht die MVZ-Kinderarztpraxis Katharina Heine und Anne-Kristin Zienau im Doktorhaus in der Käthe-Kollwitz-Straßes 61 in Altenburg zur Verfügung.

https://klinikum-altenburgerland.de/kkhabg/mvz/altenburg/fachbereiche/kinder-und-jugendmedizin/katharina-heine-und-anne-kristin-zienau.html

Die (kinder-)ärztliche Versorgung aller Patientinnen und Patienten liegt den Kolleginnen und Kollegen im Medizinischen Versorgungszentrum Altenburger Land am Herzen. Die Sicherstellung dessen liegt jedoch nicht in ihrer Verantwortung. Das ist alleinige Aufgabe der Kassenärztlichen Vereinigung. 

Die Anfrage stellte Silke Konzag.