Altenburg. Wenn es um das Stadtklima geht, hat Granitpflaster gegenüber Bitumen (Asphalt) fast immer die Nase vorn. Während Asphalt oft wie eine Wärmezelle wirkt, bietet Naturstein physikalische Vorteile, die besonders in heißen Sommern spürbar sind.

Hier ist der direkte Vergleich der beiden Materialien:

1. Der Albedo-Effekt (Reflexion)

Der wichtigste Faktor für die Aufheizung ist die Helligkeit der Oberfläche.

Bitumen: Da Asphalt meist tiefschwarz ist, absorbiert er bis zu 95 Prozent der einfallenden Sonnenstrahlung. Er heizt sich extrem auf (oft über 60 °C) und strahlt diese Wärme zeitversetzt nachts wieder ab – das befeuert den sogenannten Urban Heat Island Effekt.

Granitpflaster: Heller Naturstein hat eine höhere Albedo. Das bedeutet, er reflektiert mehr Sonnenlicht und nimmt dadurch weniger thermische Energie auf. Die Oberfläche bleibt kühler.

2. Entsiegelung und Wasserhaushalt

Ein gesundes Stadtklima braucht Feuchtigkeit zur Kühlung durch Verdunstung.

Bitumen: Asphalt bildet eine          geschlossene, vollversiegelte Schicht. Regenwasser kann nicht versickern, sondern fließt direkt in die Kanalisation ab. Die kühlende Verdunstung am Boden entfällt komplett.

Granitpflaster: Durch den Fugenanteil ist Pflaster zumindest teilversiegelt. Wenn die Fugen mit wasserdurchlässigem Material gefüllt sind, kann Regenwasser im Untergrund gespeichert werden. Bei Hitze verdunstet dieses Wasser

und kühlt die bodennahe Luftschicht aktiv ab.

3. Wärmespeicherkapazität

Bitumen: Asphalt wirkt wie ein massiver Akku. Er speichert die Hitze tief in seinem Gefüge und gibt sie über viele Stunden hinweg ab, was die Tropennächte in Städten unerträglich macht.

Granit: Stein hat zwar auch eine hohe thermische Masse, doch durch die Strukturierung der Pflastersteine und die Fugen wird der Wärmetransport in die Tiefe unterbrochen und die Wärmeabgabe an die Luft erfolgt gleichmäßiger und weniger intensiv. 

Ein kleiner „Haken“ beim Pflaster

Trotz der klimatischen Vorteile hat Granitpflaster zwei Nachteile:

- die Lärmbelastung durch Abrollgeräusche der Reifen

- die schlechtere Barrierefreiheit für Radfahrer oder Menschen mit Rollstuhl.

In modernen Stadtplanungen setzt man daher oft auf „geschliffenes“ Pflaster oder kombiniert beide Materialien gezielt.

 

Peter A. Schubert