Meuselwitz. Der Dartsport gewinnt vielleicht auch im Altenburger Land immer mehr an Bedeutung – einer, der diese Entwick-lung mitprägt, ist der 18-jährige Jonas Friedl aus Meuselwitz. Erst seit Kurzem nimmt er an offiziellen Wettkämpfen teil, doch bereits jetzt zählt er zu den erfolgreichsten Nachwuchsspielern Thüringens in dieser Sportart. Mit starken Leistungen bei den Ranglistenturnieren des Thüringer Dartverbands qualifizierte sich Jonas Friedl für die German Masters 2026 in Mainz, wo er Thüringen bei den Deutschen Meisterschaften vertreten wird. Im Interview spricht er über seinen sportlichen Weg, besondere Erfolge und die wachsende Begeisterung für den Dartsport in der Region.

Der KURIER besuchte den jungen Dartsportler im heimischen Um-feld und sprach mit ihm über seine Nomminierung für diesen span-nenden Wettbewerb. Wir verein-barten, dass ich Jonas Friedl dutzen darf … 

Du hast Dich mit 18 Jahren für die German Masters 2026 im Steeldart qualifiziert. Was ging Dir in diesem Moment durch den Kopf und wie ist es überhaupt dazu gekommen, wo Dart als Sportart im Altenburger Land doch kaum eine Rolle spielt?“

Als ich realisiert habe, dass ich sicher qualifiziert bin und nicht mehr aus der Rangliste fallen kann, dachte ich nur: „Krass.“ Erst seit etwa eineinhalb Jahren nehme ich überhaupt an offiziellen Wettkämpfen teil. Mittlerweile spiele ich in der Landesliga der Mitteldeutschen Steeldartliga (kurz MDSL) für den Verein Dartsport Gera e.V. und stehe aktuell auf Ranglistenplatz 5 in Thüringen. Ein besonderes Highlight war im vergangenen Jahr der Gewinn des MDSL Kids Cups (Altersklasse 15–17) in Dessau-Roßlau.

Zu Beginn der Saison 2025/26, also im August/September vergangenen Jahres, haben meine Teamkollegen und ich an den TDV-Turnieren des Thüringer Dartverbands teilgenommen. Dieser Verband gehört zum Deutschen Dartverband. Dort gibt es Ranglistenturniere, über die man sich für die Deutschen Meisterschaften qualifizieren kann. Anfangs wusste ich gar nicht, dass das überhaupt möglich ist. Ich habe einfach mitgespielt, und die ersten Turniere liefen direkt gut. Vor allem in der späteren Phase der Saison bin ich regelmäßig bis ins Viertelfinale gekommen und konnte wichtige Punkte sammeln. Dadurch habe ich schließlich die Qualifikation geschafft. Vor zwei Jahren hätte ich mir das niemals vorstellen können.

Wann hast Du gemerkt, dass Du auf diesem hohen Niveau mithalten kannst?

Ich habe seit 2021 zu Hause im Keller gespielt und gemerkt, dass mein Niveau immer besser wurde. Vor zwei Jahren habe ich dann beschlossen, an ersten Wettbewerben teilzunehmen. Mein erstes Turnier war in Hohenmölsen bei Weißenfels. Dort habe ich direkt den dritten Platz belegt. Schon an diesem Tag wollten mich mehrere Vereine anwerben.

Also könnte man Dich als Naturtalent einordnen. Wie siehst Du Dich selbst?“

So ähnlich könnte man es formulieren. Damals war ich 16 Jahre alt und habe bei einem Verein in Hohenmölsen angefangen, wo ich nebenbei immer noch spiele. Im Mai letzten Jahres bin ich dann zum Verein Dartsport Gera e.V. gewechselt. Der Verein spielt in der Landesliga der MDSL, der Mitteldeutschen Steeldartliga, in der Teams aus Thüringen, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Brandenburg vertreten sind. Aktuell stehen wir auf dem zweiten Platz und konnten bereits den Klassenerhalt sichern. Der Verein ist erst in der vergangenen Saison aus der Bezirksliega in die Landesliga aufgestiegen.

2025 hast du den MDSL-Kids-Cup gewonnen. Wie kam es dazu?

Genau, im April 2025 konnte ich den MDSL-Kids-Cup in der Altersklasse der 15- bis 17-Jährigen für mich entscheiden. Das Finale wurde sogar im YouTube-Livestream übertragen – mit Kameras und auf einer Bühne. Das war einfach Wahnsinn. Mein Gegner im Finale hatte ein unglaublich hohes Niveau. Er wurde bei einem anderen Turnier Dritter in einer der höchsten mitteldeutschen Ligen. Dass ich ihn im Finale geschlagen habe, war schon krass.

Wie oft trainierst Du in der Woche und in welchem Zeitfenster?

Täglich – so, wie es die Schule zulässt. Etwa zwei bis drei Stunden am Tag. Derzeit befinde ich mich in der Abiturvorbereitung und in den Prüfungen. Trotzdem stehen die Aufgaben für die Schule selbstverständlich immer an erster Stelle.

Mutti Ina: Er hatte das Glück, seine Seminarfacharbeit über dieses Thema schreiben zu können. Dabei hat er auch sehr gut abgeschlossen. Das Thema hat ihn einfach interessiert.

Weißt Du schon, was Du später machen möchtest?

Lehramt wäre durchaus denkbar. Ich habe mich für ein Freiwilliges Soziales Jahr an der Grundschule in Meuselwitz beworben und hatte das Glück, angenommen zu werden. Erst einmal möchte ich dort hineinschnuppern und schauen, wie es danach weitergeht.

Bereitest Du Dich auf die German Masters speziell vor oder trainierst du wie immer?

Ich mache da keinen Unterschied. Dieses Turnier ist für mich wie jedes andere auch. Ich trainiere einfach wie immer.

Hast Du Vorbilder unter den jüngeren oder älteren Spielern in deiner Sportart?

In meinem Alter ist das eher schwierig. Auf Profi-Niveau ist es natürlich Luke Littler. Er wurde mit 17 Jahren erstmals Weltmeister und konnte mit 18 schon zweimal den Weltmeistertitel gewinnen. Das, was er erreicht hat, ist enorm. Mittlerweile bekommt man für einen WM-Sieg eine Million Pfund Preisgeld. Damit hat man ausgesorgt (Jonas lachend).

Wenn man in dieser Liga spielt, hat man als Sportler Sponsoren. Wer unterstützt Dich dabei, regelmäßig an Turnieren teilnehmen zu können?

Leider habe ich noch keine Sponsoren. Momentan sind meine Eltern meine Sponsoren, wofür ich sehr dankbar bin. Ohne sie könnte ich die Fahrtkosten, Startgelder und Übernachtungen in anderen Turnierstädten nicht finanzieren. Wenn ich selbst mobil bin und meinen Führerschein habe, wird der Aufwand für meine Eltern etwas entspannter.

Mutti Ina: Fast jedes Wochenende sind wir unterwegs. Dazu kommen die Ligaspiele im Verein und andere Turniere, an denen Jonas teilnimmt. Ein Turnier kann schon einmal zehn Stunden dauern.

Wie gehst Du mit dem Druck und der Nervosität auf der Bühne um, gerade wenn die Turniere gestreamt werden?

Ich versuche, mir das nicht zu sehr bewusst zu machen. Am Ende ist es „nur“ ein Dartspiel. Natürlich gehört Druck dazu, und man braucht ihn auch ein Stück weit. Ohne Druck spielt man oft nicht seine besten Darts. Wenn der Gegner stark spielt, muss man mithalten können – das erzeugt automatisch Druck.

Unterscheidet sich deine Wurftechnik von anderen Spielern?

Eigentlich nicht. Ich werfe recht zügig. Jeder entwickelt mit der Zeit seine eigene Technik. Manche Bewegungen sehen beim Darts manchmal schon lustig aus, und einige Spieler machen daraus fast Kunstwürfe. Ich halte es eher schlicht: Ziel anvisieren und abschießen.

Wer glaubt, dass Dart nur aus dem Pfeilwerfen besteht, irrt sich gewaltig. Um auf hohem Niveau bestehen zu können, muss man sehr gut im Kopfrechnen sein und ständig mitdenken, denn Darts ist ein strategisches Spiel, das ein hohes Maß an Konzentration erfordert.

Wenn man weit kommen will, muss man die Konzentration den ganzen Tag hochhalten. Wir haben oft zweitägige Turniere mit fast 100 Teilnehmern.

Wie läuft ein Dartspiel ab?

Jeder Spieler beginnt mit 501 Punkten. Ziel des Spiels ist es, die Punktzahl durch Treffer auf die verschiedenen Felder der Dartscheibe Schritt für Schritt zu reduzieren.

Die Punkte der geworfenen Darts werden jeweils von der aktuellen Punktzahl abgezogen. Gewonnen hat, wer seine Punktzahl genau auf 0 bringt. Dabei gilt die Regel „Double Out“: Der letzte Wurf muss ein Treffer in ein Doppelfeld sein, also in den äußeren schmalen Ring der Dartscheibe.

Beispiel: Hat ein Spieler noch 40 Punkte übrig, kann er das Spiel mit Doppel 20 beenden.

Wird die Punktzahl unterschritten oder erreicht man 0 ohne ein Doppelfeld als letzten Treffer, zählt die Aufnahme nicht („Bust“) und der Punktestand bleibt wie vor der Runde bestehen.

Was gibt es Wissenswertes über die Dartpfeile zu berichten? 

Dartpfeile bestehen aus Spitze, Barrel, Schaft und Flight, wobei Gewicht, Material und Form das Flugverhalten und das Griffgefühl stark beeinflussen. Hochwertige Pfeile bestehen meist aus Tungsten, und selbst kleine Änderungen am Setup können große Auswirkungen auf Präzision und Wurfstil haben. Viele Dartspieler gestalten ihre Pfeile mit Konterfei oder eigenen Motiven. 

Gibt es eine Kleiderordnung bei Dart? 

Bei Dartturnieren variiert die Kleiderordnung je nach Niveau und Veranstalter. Während bei Hobbyturnieren meist legere Kleidung erlaubt ist, werden bei Liga-, Verbands- und Profi-Turnieren oft ein Dartshirt oder Polohemd, eine dunkle Hose und geschlossene Schuhe erwartet. Jogginghosen sind häufig nicht erlaubt.

Spielt man im Dart allein oder finden auch Mannschaftswettkämpfe statt?

Ja, sowohl als auch. In meinem Verein in Gera spielen wir mit vier oder fünf Leuten in einer Mannschaft. Dort spielt man nicht nur Einzel, sondern auch Doppel. Dabei wechselt man sich beim Werfen ab, und es ist wichtig, dass man als Team zusammenhält. Darts ist eine sehr faire Sportart.

Wenn Du jetzt die German Masters vor Augen hast: Würdest Du gerne noch weitergehen, wenn du die Chance bekommst? Oder ist das illusorisch in deinem Alter?

Momentan ist das noch nicht so wirklich vorstellbar, weil die Konkurrenz sehr groß ist. Aber wenn ich die Möglichkeit bekommen würde, würde ich es natürlich versuchen.

Wo würden denn die World Darts Championship stattfinden?

Für die World Darts Championship der PDC, also des professionellen Dartverbandes, muss man sich, wie in jeder Sportart, qualifizieren. Es gibt 128 Spieler, die auf der Profi-Tour mitspielen. Um dazuzugehören gibt es jedes Jahr, Januar, nach dem WM-Finale, ein Qualifikationsturnier – die sogenannte Q-School. Dort kann man sich gegen ein Startgeld anmelden. Wenn man dort gut genug ist, erhalten etwa 20 Spieler pro Jahr eine Tourkarte und dürfen an den großen Turnieren beziehungsweise an der Weltmeisterschaft teilnehmen. 

Woher kommen die Spieler bei der Q-School oder der World Darts Championship?

Sie kommen aus ganz Europa. Das Turnier findet meistens in der Nähe der niederländischen Grenze statt. Wenn man dort gut genug ist, kann man eine Tourkarte bekommen und auf der PDC-Tour mitspielen. Das ist allerdings ein langer Weg und sehr unrealistisch, weil man Leute braucht, die einen unterstützen – Sponsoren und andere Helfer. Man muss die Fahrten selbst bezahlen, Hotels buchen, und die meisten Turniere finden in England statt. Das ist natürlich schwierig und kaum realisierbar.

Ist Dart eine olympische Sportart?

Nein. Der Höhepunkt ist die Weltmeisterschaft in England an Weihnachten. Dieser Sport hat durch die PDC einen enormen Aufschwung erlebt – auch in Deutschland. Vor 20 Jahren war das noch undenkbar. Damals wurden Tickets für große Turniere teilweise verschenkt. Heute muss man froh sein, überhaupt welche zu bekommen. Der Sport hat eine bemerkenswerte Entwicklung vom Kneipensport zum globalen Profisport genommen. Bei Turnieren wird heute auch kein Alkohol mehr getrunken oder geraucht, wie das früher üblich war.

Gibt es im Altenburger Land keinen Dartverein, bei dem Du trainieren könntest?

Leider nicht. Die nächsten Möglichkeiten sind Gera oder Leipzig. Irgendwann könnte ich mir vorstellen, selbst einen Verein zu gründen und andere für die Sportart zu begeistern. Natürlich benötigt man dafür passende Räumlichkeiten, Sponsoren und hochwertige Dartboards (dt. Dartscheiben). So einfach ist das aber nicht – wir schauen weiter.

Die German Masters 2026 stehen am 20. und 21. Juni in Mainz vor der Tür. Weißt Du schon, wie dieses Turnier ablaufen wird?

Auf dem Turnier treffen sich die besten Spieler aus allen Bundesländern. Es sind wieder über 200 Teilnehmer dabei. Am ersten Tag steht der Mannschaftswettkampf, am zweiten das Einzel an. 

Ich sammle bei diesem Turnier wichtige Erfahrungen – sowohl Siege als auch Niederlagen. Mental ist das sehr anspruchsvoll. Wenn man die Doppel nicht trifft, merkt man sofort, dass die anderen erfahrener und abgeklärter sind. Gleichzeitig kommt man mit vielen Leuten ins Gespräch und bekommt viele Tipps.

Das Spannende für mich wird sein, dass ich direkt nach der Abschlussfeier meiner Abiturprüfung nach Mainz fahren muss und deshalb nicht an der Feier teilnehmen kann. Das ist zwar schade, aber dieses Turnier geht vor.

Bist Du schon einmal mit Profidartspielern zusammengetroffen?

Mutti Ina: Ja, das ist schon vier oder fünf Jahre her. Wir waren als Zuschauer bei einem Turnier, und auf einmal kam der Promotor der Veranstaltung auf Jonas zu und fragte ihn, wen er gern auf der großen Bühne begleiten möchte. Da gab es nur eine Antwort: Jonny Clayton, dessen Fan-Trikot Jonas bereits trug.

Jonas: Das war schon genial.

Vati Michael: Es gab noch eine tolle Begebenheit. Jonas gewann einen von zehn Dartkoffern des 16-fachen Weltmeisters Phil Taylor – mit Originalunterschrift. Unglaublich. Er hatte das Glück, einer von nur zwei Deutschen zu sein, die einen solchen Koffer gewonnen haben. 

Jonas: Ich werde dieses Andenken auf jeden Fall in Ehren halten und mich gern an die Geschichte dahinter erinnern.

Was sind die nächsten Höhepunkte und Turniere, an denen du noch vor den German Masters teilnehmen wirst?

Vati Michael: Als Nächstes steht für Jonas ein Turnier in Stößen an. Dieses wird eine Woche vor den German Masters, am 13. Juni, stattfinden und dient vor allem dazu, noch einmal Spielpraxis zu sammeln. Es ist somit die „Generalprobe“ vor den Deutschen Meisterschaften.

Zudem waren wir im Mai bei einer großen Dart-Gala in Magdeburg dabei. Dort konnten wir die Profisportler hautnah erleben, persönlich treffen und mit ihnen sprechen. Jonas spricht perfekt Englisch und kann sich auch mit Medienvertretern sehr gut verständigen. So ein Event gönnen wir uns ein- bis zweimal im Jahr, denn auch ich bin begeisterter Dartspieler.

Frau Friedl, wurden Sie auch vom Dartfieber Ihrer Familie infiziert?

Schon, aber ich bin Fußballfan und fahre regelmäßig zu Spielen von der BSG Chemie Leipzig – das ist meine Welt. 

Was sagen deine Familie und deine Freunde zu deinem Erfolg und dazu, dass du dich qualifizieren konntest?

Meine ganze Familie findet das toll. Alle sind stolz auf mich und unterstützen mich. Auch meine Freunde finden diesen Erfolg klasse.

Daumendrücken

Der KURIER und sicher auch die Bürger des Altenburger Landes wünschen Jonas Friedl „Good Darts“ bei den German Masters 2026 im Juni in Mainz und hoffen auf einen kleinen Nachbericht nach seiner Teilnahme an diesem Turnier, um den Sport im Land-kreis noch populärer zu machen.

Das Gespräch führte Silke Konzag.

 

BU-Foto:

Dartsportler Jonas Friedl, 18 Jahre jung, konnte sich für die am 20. und 21. Juni stattfindenden German Masters 2026 in Mainz qualifizieren. 

Foto: ©Silke Konzag