Beim vorletzten Wochenende der DTM-Saison 2026 auf dem Sachsenring büßte Maro Engel seine Tabellenführung deutlich ein. Nach zwei Rennen und einer folgenschweren Strafe reist nun Porsche-Pilot Thomas Preining mit 197 Punkten und einem Polster von 23 Zählern nach Hockenheim, verfolgt von Maro Engel (174) und Marco Wittmann (173).
Vom 11. bis 13. September verfolgten 53.200 Zuschauer das Geschehen auf der 3,645 Kilometer langen Strecke bei Hohenstein-Ernstthal, 2.200 mehr als im Vorjahr.
Schon im Freitagstraining zeigte Preining im Manthey-Porsche, wie gut ihm die Mischung aus engen Links- und schnellen Rechtskurven liegt. Mit 1:18,148 Minuten war er 87 Tausendstelsekunden schneller als Kelvin van der Linde im BMW. Dahinter folgten Ricardo Feller und der schnellste Mercedes-Pilot, Jules Gounon. In der zweiten Session, näher an den Renn-Bedingungen, lag zwar van der Linde vorn, für die Ingenieure zählte da aber ohnehin mehr die Abstimmung als die nackte Zeit.
Den Samstag bestimmte Marco Wittmann. Im Schubert-BMW holte er seine erste Pole der Saison. Beim Boxenstopp fiel er kurz hinter Gounon zurück. Mit aufgewärmten Reifen kämpfte er sich aber wieder an die Spitze. Nach 41 Runden errang er seinen 21. DTM-Sieg. Es war der erste Sachsenring-Sieg für BMW überhaupt. Gounon wurde Zweiter und holte sein erstes Podium der Saison. Preining kam nach schwachem Start noch auf Platz 3 und übernahm damit rechnerisch die Gesamtführung. Engel, von Startplatz 8 gestartet, rettete mit Platz 5 wenigstens ein paar Punkte.
Richtig turbulent wurde es am Sonntag. Die Strecke war stellenweise noch feucht, stellenweise schon abgetrocknet. Fast das gesamte Feld setzte trotzdem auf Slicks, eine Wette, die aufging. Bastian Buus führte zunächst auf Regenreifen, ehe Ben Dörr im McLaren in Runde fünf an ihm und Engel vorbeizog und die Führung bis ins Ziel nicht mehr hergab, auch nicht durch zwei späte Safety-Car-Phasen. Es war Dörrs zweiter DTM-Sieg. Kurz vor Schluss schieden Gounon und Nicki Thiim nach einer Kollision aus, und Engel schob Kelvin van der Linde ins Kiesbett – die Rennleitung bestrafte ihn nachträglich mit 15 Sekunden, Engel fiel aus den Punkten. Preining wurde Zweiter, zum sechsten Mal in Serie stand er auf dem Podium, Teamkollege Feller Dritter. Wittmann fuhr von hinten noch auf Rang 6 vor.
Zwei sächsische Geschichten prägten das Wochenende zusätzlich. Maximilian Paul aus Dresden saß gut zwei Monate nach seinem schweren Unfall auf dem Norisring – Brüche an Schien- und Wadenbein sowie am ersten Lendenwirbel – wieder im Lamborghini-Cockpit und fuhr von Startplatz 18 auf Rang 10. Der 21 Jahre alte Simon Connor Primm aus Großschirma gab im Audi R8 LMS GT3 Evo2 sein DTM-Debüt und brachte die Marke mit den vier Ringen als neunten Hersteller zurück ins Feld.
Drumherum sorgten 50 Trabanten für Ostalgie, Schauspielerin Claudia Schmutzler kürte beim Trabi-Korso das kreativste Fahrzeug, und Drifter Elias Hountondji ließ einen umgebauten Trabi über den Asphalt tanzen. Diskus-Olympiasieger Lars Riedel überreichte den Siegerpokal, die frisch gebackenen Winter-Olympiasieger Max Langenhan und Jörn Wenzel gaben die Startkommandos. Nebenbei feierte ProSiebenSat.1 sein 150. DTM-Rennen im Free-TV.
Ob Preining seinen Vorsprung nach Hockenheim retten kann oder Engel und Wittmann noch einmal zuschlagen, entscheidet sich in gut drei Wochen beim Saisonfinale.
Peter A. Schubert
