Altenburg. Nach fast 18 Jahren Mitgliedschaft hat Kai Lange seinen Austritt aus der Partei DIE LINKE erklärt. Der Altenburger begründet diesen Schritt mit wachsender Enttäuschung über die Entwicklung der Partei vor Ort und auf Bundesebene. „Ich gehe nicht leise und ohne Begründung“, so seine Worte gegenüber dem KURIER. „Auch wenn man aus einer Partei austritt, legt man seine Gesinnung und tiefste Überzeugung nicht ab. Mir ist die Entscheidung nicht leicht gefallen. Fast zwei Jahre habe ich gebraucht, um diesen Schlussstrich zu ziehen“, sagt der 60-Jährige. Die Partei DIE LINKE wurde 2007 durch den Zusammenschluss der PDS (Partei des Demokratischen Sozialismus), der Nachfolgepartei der DDR-Staatspartei SED, und der WASG (Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit) gegründet. Auslöser war vor allem die Kritik an den Sozialreformen der rot-grünen Bundesregierung unter Bundeskanzler Gerhard Schröder, insbesondere an der Agenda 2010 und den Hartz-Gesetzen. Nach einer erfolgreichen Zusammenarbeit bei der Bundestagswahl 2005 fusionierten beide Parteien am 16. Juni 2007 zur Partei DIE LINKE. Ziel war die Schaffung einer gesamtdeutschen linken Partei mit starker Verankerung sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland. „Ich bin 14 Tage vor der Gründung eingetreten“, erinnert er sich. Obwohl die PDS aus der SED hervorgegangen war, habe er sich damals bewusst für eine Mitgliedschaft entschieden. „Es ging ja um eine Partei für soziale Gerechtigkeit. Ich fühlte mich angesprochen und vertreten.“ Der 60-Jährige ist anerkanntes Opfer des SED-Unrechtsregimes und ehemaliger politischer Häftling der DDR. „Ich wäre keiner Partei beigetreten, die die legitime Nachfolge der SED antritt“, sagt er rückblickend. Entscheidend sei für ihn gewesen, dass die neu entstehende Partei aus vielen Gewerkschaftern und sozial engagierten Menschen bestanden habe und nicht mehr von ehemaligen SED-Funktionären geprägt gewesen sei. Wegen schwerer gesundheitlicher Probleme infolge der Inhaftierung blieb Kai Lange zunächst ein eher passives Mitglied. Nach seinem Umzug nach Altenburg im Jahr 2010 hat er versucht, sich stärker einzubringen. Doch seine Erfahrungen im Kreisverband hätten ihn zunehmend enttäuscht. „Ich habe die letzten Jahre gemerkt, dass der Vorstand nur aus Karrieristen und Heuchlern besteht, die hoch hinaus wollen und die Basis ignorieren“, sagte er. Viele Funktionäre seien aus seiner Sicht mehr an politischen Ämtern als an inhaltlicher Arbeit interessiert. Ein prägendes Erlebnis war für ihn der Umgang der Partei mit seiner Petition „Das Recht auf medizinische Behandlung für alle“. Hintergrund war seine eigene Suche nach einer Traumatherapie. Nach mehreren Ablehnungen durch Ärzte und Therapeuten habe er versucht, das Thema politisch aufzugreifen. „Ich habe mich dann auch an ‚meine‘ Partei gewandt und erfuhr nur durch den früheren Bundestagsabgeordneten Frank Tempel Unterstützung. Nachdem die Petition geschrieben war, wurde diese beim Thüringer Landtag eingereicht. Als die Petition schließlich auch durch ‚meine‘ Partei abgelehnt wurde, verstärkte sich meine Enttäuschung über die Halbherzigkeit ‚meiner‘ Partei, die zu diesem Zeitpunkt Regierungsverantwortung in Thüringen besaß“, erklärte Lange rückblickend. Auch innerparteiliche Abläufe kritisiert der Altenburger scharf. Besonders eine Vorstandswahl im Kreisverband Altenburger Land am 14. Dezember 2024 sei für ihn zum Symbol geworden. Aufgrund seiner Traumaerkrankung habe er darum gebeten, die Teilnahme an der Wahl organisatorisch zu erleichtern. Stattdessen habe er sich ausgegrenzt gefühlt. „Ich stand dann wie ein Hund drei Stunden vor der Tür des Wahllokals und wartete im Auto, bis ich schließlich wählen durfte“, schildert er seine Erfahrung. Erschwerend kam hinzu, dass er aufgrund einer angeblichen zeitlichen Verspätung von fünf Minuten von der Wahl ausgeschlossen werden sollte. „Getoppt wurde das alles, noch mit der Infragestellung meiner Kandidatur als Beisitzer im Kreisvorstand aufgrund meiner Schwerbehinderung. „Wie kann das sein, in einer Partei, die sich Inklusion hoch auf die Fahnen schreibt!?“, ergänzte er. Nach eigenen Angaben reichte er Beschwerde beim Thüringer Landesvorstand der Partei ein, erhielt jedoch bis heute keine Antwort. Die Kritik des langjährigen Mitglieds richtet sich jedoch nicht nur gegen den Vorstand des Kreisverbandes. Auch die Entwicklung der Landes- und Bundespartei betrachtet er zunehmend skeptisch. Zwar unterstütze er weiterhin klassische linke Forderungen wie soziale Absicherung, höhere Unterstützung für Bedürftige oder eine solidarische Finanzierung des Sozialstaats. „Wenn es um Soziales geht, bin ich immer noch links“, betont er. Gleichzeitig stellte er fest, dass die Partei ihre Ziele nicht mehr glaubwürdig in der Öffentlichkeit vertrete und konstruktive Ansätze und Lösungen fehlten. Nach fast zwei Jahrzehnten zieht Kai Lange deshalb einen Schlussstrich. „Es ist keine linke Partei mehr, es ist eine Karrieregruppe. Nachdem Torge Dermitzel bei der Landtags- und Kreisvorstandswahl gescheitert ist, versucht er es nun mit einem Platz im Parteivorstand auf Landesebene (OVZ/OnlineAusgabe vom 28.05.2026, 16.57 Uhr, mit dem Titel „Altenburg: Torge Dermitzel kandidiert für den Parteivorstand der Linken“ von Christina Gutsmiedl). Bis auf den ersten CSD hat er nichts geleistet. Unterstützt wird dieser durch seinen ehemaligen Arbeitgeber Ralf Plötner, der nach seiner gescheiterten Wiederwahl in den Landtag abtauchte und irgendwann mit dem Posten des Landesvorsitzenden wieder auftauchte“, sagt er. Abschließend seine Worte: „Und schließlich Mandy Eißing die nach ihrer gescheiterten Kandidatur für den Thüringer Landtag, den Kreisverband wechselte und jetzt dank der Frauenquote im Bundestag, die Frisuren der Bundestagsabgeordneten (https://www.instagram.com/reel/DQrpvaXjQzM/ und https://www.instagram.com/reel/DUvTFuCDZOE/) bewertet, aber sonst nichts Inhaltliches zu bieten hat. Was die drei verbindet: Sie kümmern sich um ihre Ämter, aber nicht um linke Werte und die Menschen, um die es eigentlich gehen sollte.“ Das Gespräch führten Silke Konzag und Andreas Popelka.
