Altenburg. Die Stadt feiert „1050 Jahre Altenburg“, der Kalender ist voll bis zum Rand. Ein Datum fehlte trotzdem: Am 16. September wäre Herzog Ernst I. von Sachsen-Altenburg 200 Jahre alt geworden. Im Jubiläumsprogramm kam er nicht vor.
Erinnert wurde anderswo. Der Förderverein Schloss Hummelshain im Saale-Holzland-Kreis, früher Westkreis des Herzogtums, hatte für den 12. September ans Jagdschloss eingeladen, um an der Hirschgruppe einen neuen Herzogsstein einzuweihen. Die Bronzehirsche stehen dort seit 1896, aufgestellt zum 70. Geburtstag des Herzogs. Der Ort passt. Die Jagd war Ernsts große Leidenschaft, das Schloss ließ er nach einem Brand von 1880 bis 1885 im Stil der Neorenaissance umbauen.
Geboren wurde er 1826 in Hildburghausen. Kurz darauf wurden die ernestinischen Länder neu verteilt, Großvater Friedrich tauschte Hildburghausen gegen Altenburg. Aus dem Hildburghäuser Prinzen wurde ein Altenburger.
1853 ging es dann schnell. Der schwer kranke Vater Georg übergab ihm im Mai die Regierung und starb im August, ausgerechnet in Hummelshain. Ernst war 26. Er regierte fast 55 Jahre, bis zu seinem Tod im Februar 1908. Länger hat kein Altenburger Herzog regiert.
Politisch hielt er sich an Preußen. 1866 schloss er ein Bündnis mit Berlin, obwohl viele Wettiner zu Österreich neigten. Im Krieg 1870/71 war er selbst in Frankreich, unter anderem bei der Belagerung von Paris. Am 18. Januar 1871 stand er im Spiegelsaal von Versailles, als Wilhelm I. zum Kaiser ausgerufen wurde. Dem ließ er 1891 in Altenburg ein Denkmal setzen. 1907 machte ihn Wilhelm II. zum Generaloberst im Rang eines Generalfeldmarschalls.
Für die Altenburger zählte anderes. 1864 ließ er das Rathaus restaurieren, 1871 öffnete das neue Hoftheater, das heutige Landestheater. 1876 bekam das Lindenau-Museum sein eigenes Haus, samt Zeichen- und Modellierschule. In seiner Regierungszeit wurde aus der Residenz eine Industriestadt.
Das Jubiläumsjahr ist bisher nicht zu Ende. Ein paar Worte über den Mann, der Theater und Museum auf den Weg gebracht hat, hätten darin noch Platz. Bis dahin muss man für den Herzog nach Hummelshain fahren.
Peter A. Schubert
