Altenburg. Der Lindenau-Förderpreis, der mit 5.000 Euro dotiert ist, wurde 2026 zum dritten Mal Anfang September verliehen. Dieses Mal im Prinzenpalais. In zwei Jahren, so hoffen die Veranstalter, solle die Ausstellung und Preisübergabe dann im renovierten und neu eröffneten Lindenau-Museum stattfinden. Die mitteldeutschen Kunsthochschulen in Dresden, Halle, Leipzig und Weimar wählten, nach ihrem Gutdünken, je zwei Absolventen bzw. Absolventinnen aus, die ihre Arbeiten im Lindenau-Museum/ Prinzenpalais in Altenburg präsentierten durften. Das heißt: Acht internationale und nationale junge Kunstschaffende, unter anderem aus Georgien, Kuba, Israel und der Schweiz zeigen derzeit ihr Können in unterschiedlichsten Präsentationen, wie Malereien, Skulpturen, Rauminstallationen und Videoarbeiten. Sie verarbeiten darin auch ihre eigenen Lebensgeschichten, gesellschaftliche Themen, wie Migration und Konflikte auf teils bizarre, teils subtile, aber immer sehr kreative Art. Eine zehnköpfige Jury kürte die diesjährige Gewinnerin: Karen Kamiya, 1991 in Tokyo, Japan, geboren. Momentan lebt und arbeitet sie in Dresden. In der Begründung der Jury heißt es unter anderem, dass „Kamiya durch ihr herausragendes handwerkliches Talent und ihre Fähigkeit, bildhauerische Traditionslinien transnational neu denkt. Die japanische Bildkultur mit ihrem Hang zum dekorativen Element und ihrem hohen Gebrauchswert wird von der Künstlerin auf beeindruckende Art und Weise mit der europäischen Skulptur und der Performance in Resonanz gebracht. Ihre aufwendig gearbeiteten und äußerst sinnlichen Objekte aus Holz, Metall und Jeansstoff transferieren die digitale Welt zurück ins greifbare Hier und Jetzt, Kamiya verleiht dem Material durch intensive und subtile, in jedem Fall erfindungsreiche Behandlung Anwesenheit und Bedeutung. Dabei greifen Stoff und Form gesellschaftspolitische Debatten auf, etwa über Nachhaltigkeit oder den globalen Warenverkehr. In Betrachten von Kamiyas Arbeiten erleben wir uns selbst als Staunende und Beschenkte.“ Dem ist nichts hinzuzufügen. Kamiyas Werke bestechen durch ihre exakte und akribische Arbeitsweise und ihre gefälligen Designs. Für „Heart“ lernte diese zierliche Künstlerin extra das Schmiedehandwerk und arbeitete drei Jahre an diesem „monumentalen Herzen aus Metall“. Gleich einem „fehlerfreien“ Chirurgen meißelt sie Muster in Holzplatten, überzieht diese mit Jeansstoff und bearbeitet diesen so lange, bis die verdeckten Formen sichtbar werden und erschafft somit Werke, die Augen und Herz gefallen. Der Hang nach Harmonie wird ebenfalls in ihren Landschaftsperformance deutlich, indem Kamiya Schachbrett-Muster in Rasenflächen „mäht“ und die Besucher in Staunen versetzt. In Kamiya schlummert ein großes künstlerisches Potential und wir dürfen auf ihren weiteren Wertegang sehr gespannt sein!Wer sich ein eigenes Bild von diesen beeindruckenden und faszinierenden Werken machen möchte, von allen ausstellenden jungen Kunstschaffenden und ihren Wertegängen, ist bis zum 1. November 2026 ins Prinzenpalais herzlich eingeladen. 

Ilka Dziengel